Wegen seltenem Phänomen: Taylor Muhl hat zwei DNAs und zwei Immunsysteme

Wegen seltenem Phänomen: Taylor Muhl hat zwei DNAs und zwei Immunsysteme

Taylor Muhl ist Sängerin und lebt unter der kalifornischen Sonne. Das reicht schon aus, um sie zu einer Berühmtheit in den sozialen Netzwerken zu machen. Aber dass die junge Frau im Internet von sich reden macht, hat einen ganz anderen Grund: Taylor Muhl ist eine "tetragametische Chimäre“.

Die Natur kann manchmal sehr launisch sein und so passiert es, dass eineiige Zwillinge selbst auch eineiige Zwillinge bekommen oder eigentlich erwachsene Menschen im Körper eines Kindes gefangen sind. Auch der Fall von Taylor Muhl ist etwas ganz Besonderes.

Allein als Zwilling

Die Amerikanerin Taylor Muhl hat zwei verschiedene Genome – ihre eigene DNA und die ihrer Zwillingsschwester, mit der sie als Embryo im Mutterleib zusammenwächst. Zusätzlich zu großen immunitären Problemen macht sich die Störung in Form von einer besonderen Pigmentierung des Oberkörpers bemerkbar. Die eine Hälfte ist deutlich rosafarbener als die andere.

Hinter dem komplizierten Begriff "tetragametische Chimäre" versteckt sich eine sehr seltene genetische Störung, von der weltweit nur etwa hundert Personen betroffen sind. Patienten, die unter tetragametischem Chimärismus leiden, haben nicht nur eine, sondern zwei verschiedene DNAs, zwei Genome, die vollkommen unabhängig voneinander sind. "Und nicht nur das“, erklärt Taylor Muhl, "man hat mir gesagt, dass ich zwei Immunsysteme und zwei Blutkreisläufe habe.“

Eine Anomalie in der embryonalen Entwicklung

Diese seltsame Anomalie nimmt im Laufe der Entwicklung des Embryos ihren Ursprung. Bei einer normalen Zwillingsschwangerschaft können zwei verschiedene Eizellen von zwei verschiedenen Spermien befruchtet werden. So entstehen "zweieiige Zwillinge“, die einander nicht allzu sehr ähneln.

Es kann aber passieren, dass im Laufe der ersten Stadien der Entwicklung einer der beiden Embryonen seinen Zwilling "absorbiert“ und mit ihm eins wird. "Die zweieiigen Zwillinge fusionieren und bilden einen einzigen Menschen mit zwei verschiedenen Zelllinien“, erklärt Dr. Brocha Tarshish, Genetiker am Nicklaus Children's Hospital in Miami (USA). Taylor Muhl scheint also von diesem Phänomen betroffen zu sein.

In den meisten Fällen wird Menschen mit Chimärismus ihre Erkrankung nie diagnostiziert, fährt Dr. Tarshish bei einem Interview mit LiveScience fort. Ohne spezielle Tests (wie DNA-Analysen) ist es den Ärzten laut einem Bericht, der 2009 veröffentlicht wurde, nicht möglich zu sagen, ob es sich bei einem Patienten um eine Chimäre handelt. Es gibt allerdings verschiedene Hinweise, die darauf hindeuten, wie zum Beispiel die Augen oder Teile der Haut - wie bei Taylor Muhl - die eine andere Farbe aufweisen.

Die Krankheit der kalifornischen Sängerin wird erst 2009 diagnostiziert, obwohl diese sich schon seit ihrer frühen Kindheit insbesondere in Form von einem ungewöhnlichen Aussehen ihrer Haut bemerkbar macht. Ihr Oberkörper ist farblich deutlich in zwei Teile geteilt. Die eine Hälfte ist deutlich rosafarbener als die andere, was auf den Einfluss der DNA der Zwillingsschwester zurückzuführen ist, mit der sie im Mutterleib fusionierte.

Anstrengende Symptome

Abgesehen von der unterschiedlichen Pigmentierung mancher Hautstellen, die eher harmlos ist, hat Taylor Muhl aufgrund ihrer genetischen Anomalie noch weitere Symptome, die deutlich störender sind. "Mein Körper reagiert auf die DNA und die Zellen meiner Zwillingsschwester so, als würde es sich dabei um Fremdkörper handeln. Das schränkt mein Immunsystem ein und führt dazu, dass es deutlich schwächer ist als bei anderen Menschen“, bedauert die amerikanische Künstlerin. "Deshalb habe ich leider Autoimmunstörungen und gesundheitliche Probleme.“

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Allergien gegen Lebensmittel und Medikamente sowie heftige Reaktionen auf Insektenstiche gehören leider zu ihrem Alltag. Das sind die Herausforderungen, mit denen Taylor Muhl zu kämpfen hat. Sie verleihen ihr aber einen noch größeren Lebenswillen. "Ich habe gespürt, dass es wichtig war, meine physische Andersartigkeit zu zeigen, denn in der Unterhaltungsindustrie gibt es enorm viel Druck, physisch perfekt auszusehen oder bestimmten körperlichen Stereotypen zu entsprechen“, erzählt die Sängerin.

Heute zögert sie nicht mehr, ihre Andersartigkeit auf Instagram zu zeigen und hat das Ziel, damit Menschen zu helfen, die unter ihrem Körper leiden: "Ich hoffe, dass ich andere Menschen mit körperlichen Anomalien oder die anders aussehen als andere dazu animieren kann, sich nicht davon abhalten zu lassen, trotzdem ihre Träume zu leben, indem ich meine 'Unvollkommenheit' zeige. Ich möchte sie dazu inspirieren, sich bedingungslos zu lieben und sich darüber bewusst zu werden, dass sie einfach schön sind, so wie sie sind.“

Simone Haug
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