Immer wieder kommen unglaubliche Gerüchte aus Nordkorea ans Licht, die für viel Aufmerksamkeit erregen. So soll z. B. Kim Jong-un seinen eigenen Onkel angeblich an Hunde verfüttert oder einen General auf grausame Art hingerichtet lassen haben. Nun behauptet die Nachrichtenagentur Reuters, dass ein riesiges Monument südlich von Pjöngjang einfach nicht mehr da sei.
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Symbol einer möglichen Wiedervereinigung
Nach einem Gipfel, an dem sowohl Nordkorea als auch Südkorea teilnahmen, wurde im Jahr 2000 der "Bogen der Wiedervereinigung" errichtet. Der Guardian schreibt zu dem markanten Bauwerk:
Der 30 Meter hohe Bogen, der offiziell als Denkmal für die drei Chartas für die nationale Wiedervereinigung bekannt ist, symbolisierte nach Angaben der südkoreanischen Regierung Selbstvertrauen, Frieden und nationale Zusammenarbeit.
ICYMI: North Korea appears to have demolished a large monument in Pyongyang symbolizing hope for unification with South Korea, according to NK News analysis of satellite imagery, after leader Kim Jong Un ordered it be removed earlier this month.https://t.co/pUjWc77COIpic.twitter.com/xMXFffioAf
— NK NEWS (@nknewsorg) January 25, 2024
Der Bogen sei auf Satellitenaufnahmen allerdings auf einmal nicht mehr zu sehen. Laut der Berichterstattung des Focus soll jedoch nicht unabhängig bestätigt werden können, dass er auch wirklich abgerissen worden sein. Verwunderlich wäre das allerdings nicht.
Kim Jong-un und die schrittweise Abkehr vom Erbe seines Großvaters
Mit der möglichen Entfernung des Wiedervereinigungsmonuments sendet Kim Jong-un ein Signal, das über die aktuelle politische Lage hinausgeht. Das Bauwerk war eng mit der Ideologie seines Großvaters Kim Il-sung verbunden. Dieser hatte die Wiedervereinigung Koreas stets als historisches Ziel formuliert – zumindest offiziell unter Führung des Nordens. Das Thema war jahrzehntelang fester Bestandteil der staatlichen Rhetorik.
Auch unter Kim Jong-il blieb die Idee einer koreanischen Einheit Teil des politischen Narrativs. Zwar wechselten die Phasen zwischen Annäherung und Konfrontation, doch der Anspruch auf eine gemeinsame Zukunft der beiden Staaten wurde nie grundsätzlich infrage gestellt. Das Monument in Pjöngjang war Ausdruck dieser Linie.
Kim Jong-un hingegen scheint einen deutlich anderen Kurs einzuschlagen. In jüngsten Reden wurde Südkorea nicht mehr als möglicher Partner, sondern als „Hauptfeind“ bezeichnet. Beobachter werten dies als strategische Neuausrichtung: Statt langfristig auf symbolische Wiedervereinigung zu setzen, rückt die klare ideologische Abgrenzung in den Vordergrund.
Sollte das Monument tatsächlich bewusst entfernt worden sein, könnte dies als sichtbarer Bruch mit einem zentralen Element der bisherigen Staatsdoktrin interpretiert werden. Es wäre ein weiterer Schritt in der Transformation der offiziellen Linie – weg von der zumindest rhetorisch angestrebten Einheit, hin zu einer dauerhaft zementierten Konfrontation.
Monumente als Machtinstrument – Symbolpolitik in Nordkorea
In kaum einem anderen Land spielen Monumente eine so zentrale Rolle wie in Nordkorea. Gigantische Statuen, Triumphbögen und Gedenkstätten sind fester Bestandteil der politischen Inszenierung. Sie dienen nicht nur der Erinnerung, sondern auch der Legitimation der Herrscherfamilie.
Architektur wird in Pjöngjang gezielt eingesetzt, um Ideologie sichtbar zu machen. Bauwerke symbolisieren Stärke, historische Kontinuität und die angebliche Geschlossenheit des Landes. Veränderungen an diesen Symbolen sind daher selten – und wenn sie stattfinden, meist politisch motiviert.
Das Verschwinden eines so prominenten Monuments wäre vor diesem Hintergrund mehr als eine bauliche Maßnahme. Es würde zeigen, dass selbst langjährige ideologische Leitbilder nicht unangetastet bleiben. In einem System, das stark auf visuelle Propaganda setzt, ist die Entfernung eines Symbols oft ebenso bedeutungsvoll wie seine Errichtung.
Für Beobachter ist deshalb weniger die technische Frage einer möglichen Demontage entscheidend als die politische Botschaft dahinter. Sollte das Monument tatsächlich bewusst beseitigt worden sein, könnte dies als klares Zeichen einer neuen strategischen Phase gewertet werden – mit langfristigen Auswirkungen auf die gesamte koreanische Halbinsel.
Angespannte Beziehungen beider Länder
Erst vor Kurzem erklärt Kim Jong-un Südkorea zum "Feind Nummer eins". Die Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung beider Länder, welche zum Ende des Zweiten Weltkriegs in eine sowjetische (Nordkorea) und eine amerikanische (Südkorea) Besatzungszone unterteilt und im Jahr 1948 jeweils zu separaten Staaten wurden, scheinen seitdem in weite Ferne gerückt zu sein.
Nach einer Rede wird Kim Jong-un von ZDFheute mit Worten zitiert, die die angespannte Lage weiterhin untermauern: "Wir wollen keinen Krieg, aber wir haben nicht die Absicht, ihn zu vermeiden." Als er vor dem Parlament spricht, bezeichnet er dabei den "Bogen der Wiedervereinigung" auch als Schandfleck. Gut möglich also, dass die Bilder für sich sprechen. In Südkorea geht man derzeit davon aus, dass den Berichten Glauben geschenkt werden kann.
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Verwendete Quellen:
Guardian: North Korea demolishes symbol of hope for reunification with South – report












