„Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person“ Was steckt hinter dem Jugend-Umzugstraum? © Gemini
Veröffentlicht am 26/03/2026 um 10:45 von der Redaktion

„Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person“ Was steckt hinter dem Jugend-Umzugstraum?

Eine neue Studie stellt fest: Die Sehnsucht nach einem Leben außerhalb Deutschlands wächst bei den 14- bis 29-Jährigen. Was treibt sie an, was hält sie zurück?

Immer öfter hört man von jungen Leuten, die mit dem Gedanken spielen, ihre Koffer zu packen – aber dass es so viele sind, überrascht selbst die Forschenden. Die Studie „Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck“ bringt es auf den Punkt: Jede fünfte junge Person plant konkret, Deutschland zu verlassen, um woanders bessere Bedingungen zu finden. Aber sind es wirklich nur Träume vom besseren Leben – oder steckt dahinter ein echter Hilferuf?

Warum wollen immer mehr junge Menschen weg?

Die Studie, durchgeführt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 29 Jahren, zeigt ein ziemlich deutliches Bild. 21 Prozent von ihnen haben ganz konkrete Pläne:

„Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden“, erläutert Kilian Hampel, Mitautor und Forscher an der Universität Konstanz.

Das sind keine bloßen Gedankenspiele, sondern greifbare Absichten. Und der Trend geht weiter: 41 Prozent geben sogar an, dass sie grundsätzlich bereit wären auszuwandern, wenn die Umstände passen.

Was auffällt: Viele junge Leute denken dabei nicht nur an ein Abenteuer, sondern an ihre Zukunft und ihre eigene Sicherheit. Ob die eigenen Jobchancen oder das Gefühl, in der Heimat keine Perspektiven mehr zu haben – die Gründe sind so vielfältig wie die Auswanderungspläne selbst. Nicht wenige schildern laut Studie, dass innerdeutsche Probleme, wie die Wohnungslage oder fehlende Karrierewege, ihren Wunsch noch verstärken. Wer sich heute mit verschlossenen Türen konfrontiert sieht, fragt sich eben unweigerlich: Muss ich wirklich hierbleiben?

Geldsorgen, Druck und der digitale Alltag – was steckt dahinter?

Die Belastungen sind hoch wie nie zuvor: Sage und schreibe 23 Prozent der Befragten sitzen auf Schulden – ein neuer Rekordwert. Fast ein Drittel (29 Prozent) fühlt sich psychisch so gefordert, dass sie professionelle Unterstützung brauchen. Dazu kommt ein Alltagsproblem: Rund 60 Prozent der Jugendlichen nutzen laut Studie das Smartphone bereits in suchtähnlicher Weise. Kilian Hampel bringt es auf den Punkt:

„Sie sind öfter verschuldet, fühlen sich häufiger von Armut bedroht, weisen eher psychische Belastungen auf und berichten von weniger Rückhalt im Elternhaus.“

Vor allem, wer in finanziell prekären Verhältnissen lebt, trägt schwerer an diesen Herausforderungen und sieht die Chancen hierzulande schwinden.

Digitale Medien prägen den Alltag der jungen Generation. Wer ständig am Handy hängt, bekommt automatisch mehr vom globalen Leben mit und vergleicht sich öfter mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern. Die ständige Präsenz der Online-Welt macht viele unruhig – auch der Druck, mit den Entwicklungen Schritt zu halten, wächst. Psychische Belastungen summieren sich und verschärfen den Wunsch, etwas zu verändern oder auszubrechen. Die familiäre Unterstützung fehlt häufig, so bleibt vielen nur der Blick ins Ausland als vermeintliches Ventil zum Durchatmen.

Beruf, Wohnung, Politik – was motiviert zur Abwanderung?

Bei den Gründen für den Wandel spielen viele Faktoren zusammen: Die einen klagen über den schwierigen Wohnungsmarkt, zu wenig Einkommen und wenig Hoffnung auf einen interessanten Job. Andere fühlen sich durch die rasant zunehmende Bedeutung der künstlichen Intelligenz in ihrer beruflichen Perspektive bedroht. Und auch die Politik fehlt im Katalog der Gründe nicht: Einige verweisen auf den „Rechtsruck“, insbesondere durch das Erstarken der AfD – vor allem junge Menschen mit linkem Hintergrund. Aber auch unter den Anhängern der AfD finden sich erstaunlich viele, die darüber nachdenken, „das Land zu verlassen“.

Hinzu kommt die Unsicherheit, ob das eigene Heimatland noch die selben Werte und Möglichkeiten bietet wie früher. Wer sieht, dass die Gesellschaft sich wandelt und die Politik polarisiert, zweifelt leichter am eigenen Platz in der Heimat. Gerade die Angst vor der Zukunft, dem sozialen Abstieg oder politischen Veränderungen motiviert zum Blick über den Tellerrand. Einige blicken kritisch auf die Wirtschaftslage, andere fürchten, dass sie im Beruf von der Digitalisierung überholt werden.

Auch Gespräche im Freundeskreis und Familie spiegeln diesen Trend wider: Kaum jemand kennt noch niemanden, der zumindest darüber nachdenkt, Deutschland in den nächsten Jahren den Rücken zu kehren – ein Thema, das in der jungen Generation immer offener besprochen wird und weiter an Fahrt gewinnt.

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Verwendete Quelle:

Neue Studie zeigt: Jeder fünfte junge Deutsche will auswandern