Kaum eine Rede löst aktuell so viel Debatte aus wie die von Kevin Dorow auf dem Jugendkongress der AfD. Der Jungpolitiker steht plötzlich im Fokus der Partei und der Ermittlungsbehörden. Was steckt hinter den Vorwürfen und wie reagiert Dorow selbst auf den drohenden Ausschluss?
AfD-Jugendchef Dorow im Visier – Hintergrund der Debatte
Es sind turbulente Wochen für Kevin Dorow, den 27-jährigen Nachwuchspolitiker aus Schleswig-Holstein. Nach seiner viel beachteten Rede bei der Gründungsveranstaltung der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Gießen wurde nicht nur die Aufmerksamkeit des Bundesvorstands, sondern auch die der Staatsanwaltschaft geweckt. Dorow ist dort seit November im Leitungsteam und hat damit eine Führungsrolle innerhalb der jüngst gegründeten Jugendbewegung übernommen. Sein Auftritt, vor allem eine Passage mit Bezug auf Björn Höcke, führte nun dazu, dass der AfD-Bundesvorstand am 24. Juni 2024 offiziell ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet hat.
Worte mit Nachspiel – Strafrechtliche Ermittlungen und Kritik aus der eigenen Jugend
Die AfD-Spitze argumentiert, dass Dorow mit seiner Rede möglicherweise gegen den §86a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben könnte, der sich mit der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole befasst. Insbesondere zitierte Dorow:
„Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.“
Ein Satz, der einige an frühere historische Parolen erinnert – insbesondere an Begriffe, die erst in der Bündischen Jugend zur Weimarer Zeit und später von der Hitlerjugend aufgegriffen wurden.
Dorow selbst sieht darin kein Problem und hält eine Distanzierung nicht für notwendig. Zu den Vorwürfen äußert er sich eindeutig:
„Wer diesen Kontext ignoriert und stattdessen vorschnell NS-Bezüge konstruiert, verfälscht Geschichte. Ich sehe keinerlei Anlass, mich von dieser inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage zu distanzieren.“
Die Staatsanwaltschaft prüft dennoch, ob der Vorwurf berechtigt ist.
Dass sogar parteiintern Kritik am Vorgehen der Bundesführung laut wird, zeigt das Statement von Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender von Generation Deutschland:
„Ich halte die Entscheidung in der Sache für falsch.“
Aus seiner Sicht wird Dorow zu Unrecht ins Abseits gestellt. Die Jugendorganisation stellt sich damit klar hinter ihren Mitstreiter.
Wie geht Dorow mit dem Ausschlussverfahren um?
Für Kevin Dorow bedeutet das Verfahren eine echte Bewährungsprobe – halb Partei-Drama, halb persönlicher Kampf um Reputation. Er bleibt kämpferisch und erklärt gegenüber dem Podcast „Inside AfD“ von Politico:
„Sollte ein entsprechendes Verfahren tatsächlich eingeleitet worden sein, werde ich mich selbstverständlich vor den zuständigen Schiedsgerichten dagegen zur Wehr setzen und meine Positionen dort darlegen.“
Die Entscheidung liegt jetzt beim Landesschiedsgericht der AfD in Schleswig-Holstein.
Dorow verweist immer wieder darauf, dass die von ihm zitierten Leitsätze ihren Ursprung im Wandervogel und in der Jugend der Weimarer Zeit haben und nicht aus dem nationalsozialistischen Umfeld stammen. Wer hier vorschnell Verbindungen ziehe, liege falsch, so der Jungpolitiker.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Dorow tatsächlich aus der AfD ausgeschlossen wird und welche Folgen das für seine politische Karriere und die Bewegung der AfD-Jugend hat. Die Partei steht damit erneut vor einer Zerreißprobe zwischen Loyalität und Abgrenzung, innerparteilichem Generationswechsel und dem permanenten Streit um die richtige Wortwahl.
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Verwendete Quelle:
AfD-Jugend: AfD-Spitze will Jungpolitiker Dorow aus Partei ausschließen

