„Mit Kind kommt Familie zuerst“: Christian Lindner über Stress, Glück und neue Prioritäten

Seit der Geburt seiner Tochter hat sich für Christian Lindner vieles verändert. Der ehemalige Minister spricht offen über Alltagschaos, Karriereabkehr und seine neue Rolle als Vater.

„Mit Kind kommt Familie zuerst“: Christian Lindner über Stress, Glück und neue Prioritäten
© @ christianlindner
„Mit Kind kommt Familie zuerst“: Christian Lindner über Stress, Glück und neue Prioritäten

Stressige Nächte, vollgepackte Tage und trotzdem viel Freude – für Christian Lindner ist das mittlerweile Alltag. Seit April 2025 ist der Ex-Finanzminister stolzer Papa einer Tochter, gemeinsam mit seiner Frau, der Journalistin und Unternehmerin Franca Lehfeldt.

Früher hatte die Karriere immer Vorrang, doch mit dem Familienzuwachs hat sich dieser Fokus komplett verschoben.

„Da ist meine Abwägung heute eine andere. Mit Kind kommt Familie zuerst“, sagt Lindner heute.

Früher polarisierte er durch markante Auftritte an der Spitze der FDP, doch nach dem Abrutschen seiner Partei unter die Fünf-Prozent-Hürde bei den Bundestagswahlen 2025 und dem politischen Rückzug legt er nun Wert darauf, dass es der Familie gut geht. Die Diskussion rund um Care-Arbeit und private Zeit hat für ihn eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Rolle als Vater habe seinen Alltag und sein Verständnis von Prioritäten auf den Kopf gestellt:

„Wer behauptet, Baby plus Business sei problemlos vereinbar, macht den Leuten ein X für ein U vor.“

Seine Frau, Franca Lehfeldt, sei ebenfalls voller Tatendrang in ihrem Beruf, daher seien die Herausforderungen im Spagat zwischen Nachwuchs, Beruf und Privatleben alles andere als zu unterschätzen. Beide Eltern müssten täglich neu abwägen, wer welche Aufgaben übernehmen kann, damit am Ende niemand auf der Strecke bleibt.

Zwischen Autoland und Kinderzimmer: Viel Arbeit, wenig Pause

Lindner ist kein Unbekannter, wenn es um volle Terminkalender geht. Heute agiert er als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG – nach eigenen Angaben „der größte markenunabhängige Automobilhandelskonzern Deutschlands“ mit Sitz im sachsen-anhaltischen Sandersdorf-Brehna. Doch auch mit Bürojob bleibt mehr als genug los. „Es wäre falsch, zu sagen, dass es stressfrei ist. Meine Frau ist ebenfalls Unternehmerin, und ich habe Aufgaben, die mehr als einen Vollzeitjob ausmachen“, räumt der 47-Jährige ein. Jammern will er aber nicht. Seine Tochter beschreibt er als „eine zauberhafte Bereicherung“ für sein Leben, auch wenn die Koordination von Erziehungsfragen, Paarzeit und Arbeit für beide Elternteile alles andere als simpel ist. Wer behauptet, Elternschaft und Vollzeitjob seien ganz einfach unter einen Hut zu bringen, irrt laut Lindner gewaltig:

„Wer behauptet, Baby plus Business sei problemlos vereinbar, macht den Leuten ein X für ein U vor.“

Gerade die bedingungslose Liebe für sein Kind habe für ihn einen ganz neuen Stellenwert

„Die bedingungslose Liebe zu einem kleinen Menschen ist kein Tauschgeschäft, sondern für mich der Sinn des Lebens an sich.“

Für Lindner sind die größten Hürden nicht unbedingt die beruflichen Anforderungen, sondern die vielen kleinen unerwarteten Momente in Familie und Alltag, die Planungen auf den Kopf stellen. Trotz Termindruck und Verantwortung habe er gelernt, Aufgaben gezielter zu priorisieren und immer wieder flexibel zu bleiben. Auch als erfahrener Manager sieht er sich als Lernender – besonders, wenn es um sein Kind geht. Was ihn am meisten begeistert? Dass jede neue Herausforderung zu besonderen Erlebnissen führt, die er nicht mehr missen will. Das Kinderglück lässt kleinen Ärger und Müdigkeit in den Hintergrund treten, auch wenn es manchmal nur eine ruhige halbe Stunde ist, die Lindner mit seiner Tochter gewinnt. Selbst der Wechsel zwischen geschäftlichen Entscheidungen und Windelwechsel gestaltet sich, so sagt er, als spannende Abwechslung. Er empfindet es als Privileg, seine Tochter aufwachsen zu sehen und gleichzeitig im Job Verantwortung zu tragen, auch wenn das ständige Jonglieren sehr anstrengend sein kann. Diese Balance neu zu entdecken, sei herausfordernd, aber eine Bereicherung, die ihm neue Energie gibt.

Die große Kehrtwende: Vom Politikprofi zum Familienmenschen

Früher gab es für Lindner nur Politik: Mehr als ein Jahrzehnt stand er an der Spitze der FDP und hatte als Bundesfinanzminister alle Hände voll zu tun. Ein früheres Interview mit der Die Zeit, in dem er Out-of-Office-Projekte wie Imkern, Doktorarbeit oder Jagdschein für die Elternzeit nannte, kam damals gar nicht gut an. Auf Spott und Kritik reagierte Lindner später deutlich: „dass Care-Arbeit und Freizeitaktivitäten nicht dasselbe sind.“ Jetzt gibt er offen zu, wie fordernd und gleichzeitig erfüllend die Familiensituation ist. Rückblickend wird klar:

Spitzenpolitik hingegen sei – so wie er sie betrieben habe – mit Familie nicht vereinbar.“

Der Alltag als frischer Vater rückt für ihn alles andere in den Hintergrund.

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Verwendete Quelle:

Leute: Lindner über den Alltag mit Kleinkind: Nicht nur stressfrei

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