Können Pilze aus Tschernobyl Astronauten vor Strahlung schützen?

Ein unscheinbarer schwarzer Pilz aus dem Inneren von Tschernobyl fasziniert seit Jahren die Wissenschaft. Seine erstaunlichen Fähigkeiten, tödlicher Strahlung nicht nur zu trotzen, sondern diese auch für sein Wachstum zu nutzen, entfesseln neue Hoffnungen für den Schutz von Menschen im All.

Können Pilze aus Tschernobyl Astronauten vor Strahlung schützen?
© Igor Kostin / Laski Diffusion
Können Pilze aus Tschernobyl Astronauten vor Strahlung schützen?
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Was auf den ersten Blick wie eine Szene aus einem Sci-Fi-Film wirkt, könnte schon bald in realen Weltraummissionen eine Schlüsselrolle spielen. Der Fund dieses außergewöhnlichen Pilzes gibt Anlass, die natürliche Anpassungsfähigkeit von Organismen neu zu bewerten und ihre Anwendungsmöglichkeiten für den Menschheitsfortschritt zu überdenken.

Ein Strahlenliebhaber aus dem Reaktor

Im Jahr 1997 entdeckte die ukrainische Biologin Nelli Zhdanova in den Ruinen des havarierten Tschernobyl-Reaktors einen speziellen Pilz: Cladosporium sphaerospermum. Wo kaum anderes Leben existiert, wuchs dieser schwarze Schimmel rasant – auf Beton, Metall und selbst in besonders belasteten Bereichen. Auffällig: Der Pilz scheint den Kontakt zur Strahlenquelle geradezu zu suchen. Zhdanova prägte dafür das Wort „Radiotropismus“, um zu beschreiben, wie diese Organismen sich gezielt in Richtung Radioaktivität orientieren, ähnlich wie Pflanzen dem Licht folgen.

Die tiefschwarze Tönung verdankt der Pilz einer hohen Konzentration von Melanin. Der Schutz-Stoff, der auch Menschen vor UV-Licht bewahrt, scheint hier einer noch stärkeren Strahlung zu begegnen. Damit eröffnen sich spannende Ansätze für biologisch inspirierte Schutzmechanismen gegen ionisierende Strahlung.

Wenn Strahlung zum Wachstumsfaktor wird

Wissenschaftliche Tests zeigten, dass es sich keineswegs um eine bloße Widerstandsfähigkeit handelt: Nuklearforscherin Ekaterina Dadachova belegte, dass einige dieser Pilzarten unter Einfluss von radioaktivem Cäsium – also in einer für den Menschen lebensfeindlichen Umgebung – sogar schneller wachsen. Der Begriff „Radiosynthese“ wurde von Forschenden geprägt, da diese Pilze offenbar fähig sind, Strahlungsenergie so zu nutzen, wie Pflanzen Sonnenlicht für die Photosynthese verwerten. Die Wachstumsraten an bestrahlten Orten stiegen um bis zu zehn Prozent gegenüber Vergleichsproben ohne Strahlung.

Diese einzigartige Fähigkeit inspirierte internationale Forschungsgruppen und auch die NASA, den Pilz auf seine Weltraumtauglichkeit zu testen. Eine entsprechende Studie auf der Internationalen Raumstation ISS brachte ein beeindruckendes Ergebnis: Unter Strahlungsbedingungen wuchs Cladosporium sphaerospermum etwa 21 Prozent schneller als unter irdischen Bedingungen. Je dicker die Pilzschicht, desto mehr reduzierte sie die einwirkende Strahlung – ein denkbares biologisches Schutzschild.

Von Tschernobyl in den Kosmos: Einsatzmöglichkeiten für die Raumfahrt

Auf der Erde schützt die Atmosphäre vor schädlicher kosmischer Strahlung. Astronauten auf dem Mond oder Mars hätten diesen Schutz jedoch nicht. Deshalb werden neue Lösungen zur Strahlenabschirmung dringend gesucht, da klassische Baumaterialien wie Blei oder Erde schwer und teuer ins All zu transportieren sind.

Hier könnten Pilze eine Revolution einläuten. Sie bringen praktische Vorteile mit: Sie sind leicht, wachsen rasch und können sich sogar selbst regenerieren. Die NASA prüft inzwischen, wie aus solchen Pilzarten Schutzschichten, Isolierungen oder ganze Schalen für Raumstationen und Habitate vor Ort hergestellt werden könnten. Dieses Konzept der „Myko-Architektur“ sieht vor, dass Pilzzellen mit lokalen Rohstoffen – etwa Marsboden – kombiniert werden, um intelligente, ressourcensparende Konstruktionen zu schaffen.

Visionäre Zukunft oder realistische Aussicht?

Die Idee, dass Astronauten durch lebende, natürliche Schilde vor Strahlung geschützt werden, ist nicht länger bloße Science-Fiction. Forschende setzen darauf, dass die einzigartige Widerstandsfähigkeit von Cladosporium sphaerospermum und anderen melaninhaltigen Pilzen künftig sowohl auf der Erde in Extremsituationen als auch bei der Besiedlung fremder Planeten eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Das Thema stößt längst auf internationale Aufmerksamkeit. Medien wie die BBC berichten, dass die Weltraumagentur NASA neue Konzepte für Habitate entwickelt, bei denen biotechnologische Fortschritte und die Anpassungsfähigkeit von Pilzen in der rauen Umgebung des Alls ganz neue Perspektiven eröffnen.

"Die NASA prüft aktuell den Einsatz von Pilzen als Baustoffe für zukünftige Missionen im All."

So rückt ein unscheinbarer Organismus aus den Ruinen von Tschernobyl ins Zentrum einer künftigen Raumfahrt, deren Schutzmaßnahmen vielleicht bald ganz natürlich wachsen.

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Verwendete Quelle:
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