Der Ton in der russischen Politik ist zuletzt rauer geworden, doch diese Szene war sogar für Moskau ungewöhnlich: Putin selbst wurde in der Staatsduma direkt und lautstark abgewatscht – und zwar von einem, der bis jetzt immer als sicherer Verbündeter galt. Gennadi Sjuganow, 81 Jahre alt und Chef der Kommunistischen Partei Russlands, nutzte die große Bühne und griff offen die Wirtschaftspolitik der Regierung an. Die Abgeordneten reagierten überrascht, einige kicherten – das brachte Sjuganow auf die Palme. Mit scharfem Blick fragte er in den Saal:
„Warum lächeln Sie ohne Grund?“
Nur wenige im Saal hatten da noch Lust auf Späße.
Hintergrund seiner Attacke war eigentlich eine Debatte rund um die Bloggerin Victoria Bonja. Diese hatte aus Monaco heraus öffentlich Probleme in Russland angesprochen – was Sjuganow zum Anlass nahm, die Regierung selbst zu rügen. Besonders brisant: Seiner Meinung nach hören die Mächtigen zu sehr auf Stimmen aus dem Ausland und kümmern sich zu wenig um Sorgen im Innern.
Russland am Abgrund? Sjuganow warnt vor Wiederholung der Geschichte
Sjuganow sprach mit Nachdruck über die wirtschaftliche Lage im Land.
„Das erste Quartal dieses Jahres ist bereits am Nullpunkt angekommen“, stellte er fest.
Das waren deutliche Worte – besonders, weil sie aus dem Mund eines linientreuen Mannes kamen. Er ging noch weiter und prangerte die massive Verteuerung von Lebensmitteln und die steigende Inflation an. Auch die Steuerbelastung und angeblich ungerechte Netzsperren sind ihm ein Dorn im Auge. Explizit verwies Sjuganow laut Bericht auf „mehr als vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine“ als Faktor für die Misere.
Aber damit nicht genug: Sollte es die Regierung nicht schaffen, in kurzer Zeit neue Steuer- und Wirtschaftsgesetze auf den Weg zu bringen, könnte das Ganze im Herbst 2026 schlimme Folgen haben. Sjuganow wurde konkret: Er warnte vor „Protesten“ und sogar einem „Umsturz wie 1917“. Das klang wie ein Weckruf und wie eine Drohung zugleich. In den russischen Medien – etwa bei BILD – wurde diese Szene als beispiellos bezeichnet.
„Die Regierung hört lieber auf einen Influencer aus Monaco als auf uns.“
Sogar Systemtreue warnen vor dem Kollaps – was steckt dahinter?
Das Bemerkenswerte an Sjuganows Auftritt ist vor allem die Absenderrolle: Er zählt zu den festen Größen im russischen Machtapparat, gilt als langjähriger Kreml-Insider. Dass ausgerechnet er das wirtschaftliche und soziale Klima so drastisch schildert, signalisiert nicht nur Unzufriedenheit unter vielen Russen, sondern zeigt auch Risse im scheinbar soliden Machtblock um Putin. Sjuganow deutet an, dass sogar ein politisches Erdbeben wie 1917 möglich wäre, sollte der Staat weiter „bevorzugt auf Stimmen aus Monaco hören“ und innenpolitische Härten ignorieren. Die Reaktionen der Abgeordneten schwankten zwischen Belustigung, Nervosität und Stille – kein Wunder, spricht hier doch einer aus den eigenen Reihen.
Ob das bloß ein einmaliges Donnergrollen eines alten Polit-Strategen ist oder der Startpunkt für unbequemere Töne in der russischen Politik, werden die nächsten Monate zeigen. Sicher ist schon jetzt: Wenn selbst die Systemtreuesten sich so deutlich äußern, brennt es lichterloh unter der Oberfläche.
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