Die internationale Politik von Donald Trump stellt die deutsche Partei Alternative für Deutschland (AfD) vor heikle Fragen. Was passiert, wenn eines ihrer Vorbilder sich plötzlich außenpolitische Ziele setzt, die mit den eigenen Prinzipien kollidieren? Ein Blick hinter die Kulissen enthüllt, wie Risse in der AfD-Führung entstehen und warum der Fall Grönland zum Polit-Krimi wird.
Trumps Außenpolitik und die große Verunsicherung in der AfD
Donald Trump sorgt mit einer aggressiven Außenpolitik regelmäßig für Schlagzeilen. Sein Vorstoß, Einfluss auf den Machtwechsel in Venezuela zu nehmen, und die laut ausgesprochenen Ambitionen auf Grönland – bislang ein autonomes Gebiet des dänischen Königreichs und Mitglied der NATO – bringen nicht nur ganz Europa zum Nachdenken, sondern versetzen besonders die AfD in einen regelrechten Spagat.
Die AfD hat sich jahrelang gerne an Trumps Politik orientiert, doch nun muss die Parteispitze Farbe bekennen. Während bei anderen internationalen Konflikten gerne lautstark gegen fremde Einmischung protestiert wird, bleibt die Führung um Alice Weidel und Tino Chrupalla diesmal erstaunlich zurückhaltend. Oft kommen nur knappe Statements, etwa zur US-Politik gegenüber Venezuela oder zu den Plänen rund um Grönland. Warum so leise, wo sonst gern Klartext gesprochen wird?
AfD zwischen Atlantik und Souveränität: Wer zieht die Fäden?
Innerhalb der Partei prallen die Meinungen aufeinander, und das wird nirgends so deutlich wie im Blick auf Trumps Pläne. Maximilian Krah etwa sieht in den USA weiterhin das große Vorbild. Für ihn lautet das Ziel:
"Deutschland als bester Freund Amerikas in Europa".
Diese atlantische Linie kommt bei Teilen der Partei gut an und wird offen kommuniziert.
Doch es gibt auch andere Töne. Rüdiger Lucassen, Sprecher für Verteidigungspolitik im Bundestag, betont die Bedeutung der NATO-Kooperation, selbst wenn das zulasten der territorialen Integrität Grönlands gehen sollte. Aus seiner Sicht muss Europa insgesamt stärker und eigenständiger werden.
Noch deutlicher auf Distanz zu den USA gehen Abgeordnete wie Torben Braga oder Dominik Kaufner. Sie fordern eine "klare Wahrung der staatlichen Souveränität" und sehen in US-Interventionen eine Gefahr für den Frieden. Oft sprechen sie von "gefährlichen Einmischungen" und einem antihegemonialen Kurs als Antwort auf Washington.
Tomasz Froelich, AfD-Abgeordneter im Europaparlament, bringt einen differenzierten Ansatz ins Spiel. Er plädiert für eine "multivektorielle Außenpolitik", die neben Washington auch Peking und Moskau einbezieht, aber immer mit den eigenen Interessen im Fokus:
"Die Interessen der USA, Russlands und Chinas decken sich nicht zwangsläufig mit den deutschen."
Besonders in den souveränistischen und pazifistischen Kreisen der Partei orientiert man sich an einer multipolaren Weltvorstellung, manchmal sogar mit Anleihen an historischen oder umstrittenen Denkern der Vergangenheit.
Von Le Pen bis Verschwörung: Kein einheitlicher Kurs in Sicht
Die Zerrissenheit der Partei zeigt sich auch in ihrer Außenwirkung. Während das Verhältnis der deutschen Rechten zur Chefin des französischen Rassemblement National – Marine Le Pen – als angespannt gilt, wird ihr Social-Media-Post zum venezolanischen Souveränitätsrecht von vielen AfD-Funktionären positiv aufgenommen. Es scheint, hier zählt plötzlich die Botschaft mehr als der Absender.
Doch bei manchen AfD-Politikern und nahestehenden Köpfen wie Marvin T. Neumann oder Hans-Thomas Tillschneider schlägt die Skepsis gegenüber den USA sogar in offene Feindseligkeit um. Da ist von einem "staatsterroristischen Akt" und "Tod dem US-Imperialismus" die Rede. Teilweise werden sogar Verschwörungstheorien und antisemitische Narrative rund um Donald Trump, Israel und die westliche Ideologie bemüht, wie es beispielsweise im Compact-Magazin von Jürgen Elsässer zu finden ist.
Auch die offizielle Position Dänemarks und Grönlands ist klar: Der Idee eines Kaufs oder einer Übernahme Grönlands wurde eine klare Absage erteilt.
AfD im Richtungsstreit: Was hält die Partei noch zusammen?
Eines steht fest: Die widersprüchlichen Äußerungen aus der AfD zeigen eine zunehmende ideologische Kakofonie, wenn es um die große Außenpolitik geht. Zwischen Anhängern des atlantischen Bündnisses, überzeugten Souveränisten, Russlandfreunden und offen antiamerikanischen Stimmen fehlt der gemeinsamen Linie jede Klarheit.
Die Parteiführung kann momentan keinen klaren Kurs vorgeben, zu groß sind die Spannungen unter Abgeordneten und Basis. Mit Blick auf mögliche weitere Interventionen aus Washington – besonders, falls Trump erneut das Steuer in der Hand hält – droht der AfD, an ihrem Richtungsstreit zu zerbrechen. Der internationale Kontext ändert sich rasant, und nichts deutet auf eine schnelle Einigung der Partei hin. Die Zukunft bleibt für die AfD also genauso spannend wie ungewiss.
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AfD in der Klemme: Und wenn Donald Trump wirklich nach Grönland greift?












