„Es soll hier keine Luxussanierung sein“ – Schloss Bellevue steht vor einer Mammut-Renovierung

Der Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten wird zur Großbaustelle. Selten war die Notwendigkeit so hoch – und der Preis so stattlich wie jetzt.

„Es soll hier keine Luxussanierung sein“ – Schloss Bellevue steht vor einer Mammut-Renovierung
© Schloss Bellevue
„Es soll hier keine Luxussanierung sein“ – Schloss Bellevue steht vor einer Mammut-Renovierung
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Im Herzen Berlins soll das Schloss Bellevue auf Vordermann gebracht werden – und das hat seinen Preis: Mindestens 601 Millionen Euro werden in die Erneuerung des berühmten Amtssitzes von Frank-Walter Steinmeier investiert. Die Summe könnte sogar bis zu 860 Millionen Euro steigen. Und: Während die Bauarbeiten laufen, bleibt vom präsidialen Glanz im Schloss keine Spur, denn der Präsident und sein Team müssen umziehen – für volle acht Jahre.

Schloss Bellevue: Sanierungsfall auf Staatskosten

Das zwischen Spree und Tiergarten gelegene Schloss Bellevue ist nicht nur Symbol der Bundesrepublik, sondern auch ein echtes Sorgenkind. Das 1785 erbaute, denkmalgeschützte Gebäude kämpft schon länger mit massiven Problemen: Der marode Dachstuhl ist nicht mehr dicht, Wind und Regen setzen dem Bauwerk kräftig zu. Aus der Lüftungsanlage kommt entweder gar nichts oder zu viel, Fenster sind weder einbruch- noch beschusssicher und an der Fassade ziehen sich deutliche Risse entlang. Innen drohen Korrosionsschäden an Böden und ständige Stromausfälle. Kein Wunder also, dass selbst Alt-Bundespräsident Roman Herzog das Schloss einst als „Bruchbude“ betitelte.

Aufwand, Kosten – und Zitate aus der Politik

Die jetzt beschlossene Modernisierung ist dringend und teuer. 146 Millionen Euro fließen direkt in das Schloss selbst. Weitere 120 Millionen sind für das benachbarte Verwaltungsgebäude eingeplant, in dem rund 220 Mitarbeitende arbeiten. Eine neue Hauptwache samt Technikzentrum verschlingt 173 Millionen, die Instandhaltung der historischen Parkanlagen plus Infrastruktur noch einmal 162 Millionen. Wer jetzt schon schluckt: Der Staat hält zusätzliche 188 Millionen in Reserve für unvorhergesehene Risiken und berücksichtigt 71 Millionen als Puffer für mögliche Baupreissteigerungen. Summa summarum beträgt das Bauvolumen damit maximal 860 Millionen Euro.

Mit diesen Summen soll kein Prunk entstehen. Dörte Dinger, Staatssekretärin im Bundespräsidialamt, macht klar:

„Es soll hier keine Luxussanierung sein, sondern das Notwendige muss gemacht werden“.

Sören Bartol vom Bauministerium sieht das ähnlich und bezeichnet die Restaurierung als „unumgänglich“. Die letzte größere Renovierung liegt über zwanzig Jahre zurück, schon damals fehlte für manches schlicht die Zeit. Die Standards, etwa beim Brandschutz, bei der Energieeffizienz oder der Barrierefreiheit, sind heute deutlich strenger als noch bei der letzten Maßnahme.

Ein neues Zuhause für Präsident und Mitarbeiter – auf Zeit

Die Modernisierung von Schloss Bellevue ist ein Sprung ins Heute – aber sorgt auch für Unruhe im Amtssitz. Noch im Sommer 2024 zieht Frank-Walter Steinmeier in das neu erbaute Übergangsquartier zwischen Kanzleramt und Hauptbahnhof ein – mit leichter Verspätung, weil der Bau nicht wie geplant im März fertig wurde. Und wer nach der Wahl im März 2027 ins Amt kommt, darf sich auf komplette fünf Jahre Ersatzheim einstellen: Das Schloss bleibt nämlich acht Jahre lang Baustelle. Sollte sich der Bauverzug verlängern, droht dem nächsten Präsidenten die gesamte Amtszeit fern von Bellevue.

Sorgen, dass der Präsident dadurch an Einfluss oder Arbeitsfähigkeit verliert, werden jedoch direkt entkräftet. Das Bundespräsidialamt versichert, die Arbeit laufe während der Bauzeit uneingeschränkt weiter. Der Tagungsbetrieb und offizielle Empfänge werden im modernen Provisorium stattfinden – auch Staatsgäste werden dort empfangen.

Nach knapp dreißig Jahren steht zudem die Sanierung der Gebäude- und Sicherheitstechnik an. Dabei soll auf Klimaneutralität gesetzt werden: Moderne Geothermie und Photovoltaik sind fest eingeplant und sollen Bellevue beinahe emissionsfrei machen.

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Verwendete Quelle:

Bellevue wird zur Großbaustelle: So teuer wird die Sanierung

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