Fast hätte niemand mehr an ein Wunder geglaubt: Stamatis Moraitis erhielt in den 1970er-Jahren eine niederschmetternde Diagnose in den USA – Lungenkrebs im Endstadium, „nur noch neun Monate“ blieben ihm angeblich, so das Urteil gleich mehrerer amerikanischer Spezialisten. Anstrengende Chemotherapie, schwere Medikamente, Schmerzen – all das lehnte Moraitis ab. Stattdessen bestieg er ein letztes Mal ein Flugzeug Richtung Europa, um auf der abgelegenen griechischen Insel Ikaria seine letzten Tage im Kreis der Familie zu verbringen. Was dann folgte, ließ nicht nur die Nachbarn, sondern auch die Wissenschaft staunen.
Neuanfang statt Abschied: „Die denkwürdigste Person“
Zurück in Ikaria, zunächst bettlägerig, wurde Moraitis von seiner Frau und seiner Mutter gepflegt. Doch die erwartete Verschlechterung blieb aus. Schon bald begann er, bescheiden am Dorfleben teilzunehmen, erst zögerlich, dann mit immer mehr Energie. Tägliche Spaziergänge zur Kirche, gemütliche Nachmittage im Café, kleine Gartenarbeiten – beinahe unmerklich kehrte der Alltag zurück. Dan Buettner, erfahrener Journalist und Erforscher sogenannter Blue Zones, formuliert es geradeheraus:
„Er kehrte nach Ikaria zurück, um dort zu sterben. Stattdessen erholte er sich – ganz ohne Behandlung, allein durch den Wechsel der Umgebung.“
Für Buettner ist Moraitis sogar „die denkwürdigste Person“, die ihm bei seinen Recherchen begegnet ist.
40 Jahre mehr: Genuss, Bewegung und ein starkes Dorf
Die Prognose der Ärzte aus den USA, die weniger als ein Jahr Lebenserwartung gesehen hatten, erwies sich als falsch. Moraitis blieb auf Ikaria, kümmerte sich um seinen Weinberg und seinen Gemüsegarten. Er trank sein hausgemachtes Wein – „nur zwei oder drei Tassen am Tag“, wie er der BBC erzählte – pflegte Freundschaften und genoss das soziale Leben im Dorf. Er, der eigentlich für seine Beerdigung zurückkam, lebte beinahe vier Jahrzehnte weiter und starb erst am 3. Februar 2013. Über sein Alter schmunzelte er: Ob er nun 98 oder doch schon 102 sei, wisse er nicht mehr so genau. Die Krankheit, die ihn umbringen sollte, wurde nie mehr zum Problem. Selbst die Medien wie Mirror und BBC griffen seinen Fall auf und machten ihn zum Symbol der Langlebigkeit.
Gene oder Lebensstil? Das Geheimnis von Ikaria
Stamatis Moraitis ist heute nicht nur lokal berühmt. Seine Geschichte zeigt, wie unterschiedlich Lebensentwürfe sein können:
„Bequemlichkeit geht mit Krankheit einher. Auf Ikaria gehören Anstrengung, Bewegung und soziale Kontakte zum Alltag“, erklärt Dan Buettner.
Die Wissenschaft zieht daraus ihre eigenen Schlüsse. Laut Studien der National Library of Medicine werden nur rund 20 Prozent der Lebenserwartung von den Genen bestimmt. Der Lebensstil wie in Ikaria – regelmäßige Bewegung, naher Kontakt zu Familie und Nachbarn, unkomplizierte, genussvolle Ernährung – wie sie auch die Kochbuchautorin Diane Kochilas beschreibt, spielt eine mindestens ebenso entscheidende Rolle. Moraitis selbst hatte nie eine Chemotherapie begonnen und keine Medikamente eingenommen. Er lebte einfach so, wie es auf Ikaria üblich ist: im Miteinander, in Bewegung, mit Genuss und Gelassenheit.
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