"Ich gebe nicht auf" – Die verzweifelte Suche nach einem Spenderherz in Italien

Ein kleiner Junge wartet in Neapel auf ein neues Herz, während ganz Europa mit bangt. Eine Transportpanne zerstört die Hoffnungen – doch seine Familie hofft weiter.

"Ich gebe nicht auf" – Die verzweifelte Suche nach einem Spenderherz in Italien
© @Felice De Martino
"Ich gebe nicht auf" – Die verzweifelte Suche nach einem Spenderherz in Italien
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Drama und Hoffnung mischen sich in Neapel: Ein etwa zwei Jahre alter Junge liegt im Ospedale Vincenzo Monaldi nach einer missglückten Herztransplantation im künstlichen Koma. Während Ärzte und Politik fieberhaft nach einer Lösung suchen, kämpft die Familie um Zeit und Aufmerksamkeit – der Fall beschäftigt ganz Italien und zieht europaweit Kreise.

Transportpanne – Ein gefrorenes Herz verändert alles

Für den Jungen, den Medien unter den Namen Domenico, Francesco oder Tommasino führen, begann der Albtraum schon vor Weihnachten 2023. Nach Monaten des Wartens wurde ein passendes Spenderherz von einem vierjährigen Jungen aus Bozen gefunden. Die Strecke bis Neapel betrug über 800 Kilometer – doch beim Transport des kostbaren Organs passierte eine fatale Verwechslung: Statt in regulärem Eis wurde der Spenderherz in Trockeneis transportiert, das auf etwa minus 80 Grad herunterkühlt statt auf plus vier Grad.

Diese scheinbar kleine Fehlentscheidung hatte dramatische Folgen: Das Organ war nach Angaben der Untersuchungen buchstäblich gefroren. Trotzdem wurde es implantiert, denn das eigene Herz des Kindes war bereits entnommen. Die Operation scheiterte, der kleine Patient wurde sofort an eine ECMO angeschlossen – eine lebensrettende Maschine, die Herz und Lunge ersetzt. Seit diesem Eingriff ist sein Zustand „sehr kritisch“.

Eltern zwischen Verzweiflung und Hoffnung – "Wir haben alles erst aus den Zeitungen erfahren"

Die Eltern erlebten das Fiasko voller Schmerz – und mit erschütternder Offenheit gegenüber der Presse. Die Mutter, Patrizia Mercolino, berichtete zur Informationspolitik der Klinik:

„Wir haben alles erst aus den Zeitungen erfahren“

. Auch den eigentlichen Grund für die fehlgeschlagene Transplantation erfuhren sie zunächst nicht direkt vom Krankenhaus. Die Unsicherheit, welche Entscheidungen im Operationssaal getroffen wurden, belastete die Familie zusätzlich.

Dennoch bleibt die Mutter im Fernsehen und in Interviews unermüdlich kämpferisch:

„Ich gebe nicht auf. Ich verliere auch nicht die Hoffnung.“

und setzt alles daran, dass das Schicksal ihres Sohnes öffentlich bleibt und weiterer Druck auf die Verantwortlichen aufgebaut wird. Unterstützung kommt sogar von höchster Stelle: Premierministerin Giorgia Meloni sicherte der Familie ihre Hilfe zu. In Italien sorgt der Fall für breite Anteilnahme, Hunderte Menschen zeigen vor der Klinik und in sozialen Netzwerken Solidarität. Die Anteilnahme wird mit Nachrichten wie „Forza, piccolo guerriero: non sei solo.“ („Komm schon, kleiner Krieger: Du bist nicht allein.“) bekräftigt.

Im Verlauf der Ereignisse taucht zeitweise Hoffnung auf, nachdem in Italien ein weiteres Kind stirbt und dessen Herz vielleicht passen könnte. Doch die medizinischen Voraussetzungen – insbesondere die Blutgruppe – verhinderten eine weitere Transplantation. Ein Ärzteteam aus vier italienischen Kliniken erklärte nach eingehender Prüfung am 13. Februar 2024:

„Auf der Grundlage der letzten Untersuchungen wird festgestellt, dass der Zustand des Kindes nicht mit einer neuen Transplantation vereinbar ist.“

Ein Fall bewegt – Medizinische, rechtliche und politische Folgen

Das Drama um den Jungen bringt nicht nur die medizinischen Limitationen der Transplantationsmedizin ans Licht, sondern entfacht auch juristische und politische Debatten. Gegen sechs Ärzte und Rettungskräfte laufen Ermittlungen, ob Sorgfaltspflichtverletzungen begangen wurden. Die verantwortliche Kühlbox wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, die betroffenen Fachabteilungen in Neapel stellten die Kinderherztransplantationen vorläufig ein.

Italienische Medien wie Corriere della Sera berichten, dass wegen des langen Einsatzes der ECMO eine Multiorganinsuffizienz droht und laut der Fachärzte des vatikanischen Kinderkrankenhauses Bambino Gesù der Junge nun „nicht mehr transplantierbar“ („Nicht mehr transplantierbar“) sei. Einige Chirurgen sehen minimale Chancen, falls kurzfristig ein perfekt passendes Spenderherz gefunden würde. Alternativen wie ein sogenanntes „Berlin Heart“ – eine mechanische Herzpumpe – gelten als möglich, aber auch hier sind die Risiken hoch, wie Hakan Akintürk von der Universität Gießen erklärt:

„Wenn alles gut läuft, kann ihn das retten. Man kann damit zwei Jahre überbrücken – wenn es keine Komplikationen gibt.“

Währenddessen wird die Problematik fehlender Spenderorgane für Kinder ganz Europa deutlich: In Deutschland warteten Ende 2023 nach Angaben der Stiftung Organtransplantation rund 1.100 Menschen auf ein neues Herz.

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Verwendete Quelle:
Drama um Spenderherz: Hoffen auf noch ein Herz - Italien bangt um kleinen Jungen

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