„Wenn es dem Land hilft, würde ich das machen“ – Maaßen und die AfD in Sachsen-Anhalt
Hans-Georg Maaßen sorgt wieder für Gesprächsstoff: Der frühere Chef des Verfassungsschutzes signalisiert, dass er bei einem Wahlerfolg der AfD im September neuer Innenminister in Sachsen-Anhalt werden könnte. Was bedeutet das für das politische Klima, und wie reagiert das Umfeld auf diese überraschende Option?
Der politische Frühling in Sachsen-Anhalt ist so spannend wie lange nicht mehr. Im Mittelpunkt der Spekulationen steht Hans-Georg Maaßen, einstiger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, der laut aktuellen Medienberichten bereit wäre, in einer möglichen AfD-geführten Landesregierung als Innenminister zu arbeiten. Im Gespräch mit der Zeit stellte Maaßen klar:
„Wenn es dem Land hilft, würde ich das machen.“
Damit bringt sich der 63-Jährige, der seit Jahren keine Gelegenheit auslässt, seine Meinungen zu polarisierenden Themen zu äußern, wieder ins Zentrum der politischen Bühne.
Maaßen, der das Bundesamt für Verfassungsschutz bis 2018 leitete, ist in den vergangenen Jahren politisch mehrfach auf- und abgetaucht. Zunächst in der CDU, die er Anfang 2024 mit deutlichen Worten verließ – sie sei für ihn eine „Variante sozialistischer Parteien“. Danach versuchte er sich erfolglos mit eigenen Projekten in der Werteunion und verließ diese im Oktober 2025.
AfD kurz vor der absoluten Mehrheit – Maaßen bereits im Gespräch
Die Spekulationen rund um Maaßen sind unmittelbar verknüpft mit den aktuellen Umfragen zur Landtagswahl am 6. September 2026. Laut Infratest dimap sehen diese die AfD bei starken 41 Prozent, während alle anderen Parteien zusammen etwa 45 Prozent erreichen könnten. Die CDU liegt abgeschlagen bei 26 Prozent, die Linke bei 12 Prozent und die SPD bei 7 Prozent; Grüne und BSW wären nach jetzigem Stand gar nicht mehr im Landtag vertreten.
Das politische Klima ist dabei genauso gespannt wie die Wahlarithmetik: Während im Land nach wie vor 44 Prozent der Befragten die CDU an der Regierungsspitze sehen möchten, sprechen sich 43 Prozent für die AfD aus. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der sachsen-anhaltinischen AfD, scheint offen für Gespräche: Maaßen gibt an, mit Siegmund bereits „das eine oder andere Mal“ gesprochen zu haben und erinnert an ein Treffen bei der Landesverbands-Weihnachtsfeier am 12. November 2025.
Die Führung der AfD in Sachsen-Anhalt verweigert zwar einen offiziellen Kommentar zum Thema, aber sowohl Mitglieder des Verbands als auch ein einflussreicher Funktionär bestätigen gegenüber der Presse:
„Hans-Georg Maaßen ist ein Name, der im Gespräch ist, ja.“
Noch ist also nichts offiziell, doch ein Kreis potenzieller Unterstützer scheint sich schon zu bilden – zumindest informell.
Maaßens Belastung: Verfassungsschutz-Einstufung und politische Risiken
Brenzlig bleibt dabei Maaßens eigene Biografie: Nachdem er 2018 aus dem Amt des Verfassungsschutz-Präsidenten schied, ist er heute selbst Gegenstand des bundesweiten Verfassungsschutzes. Das Amt führt ihn offiziell „im Bereich des Rechtsextremismus“, speichert Daten über ihn in entsprechenden Systemen – was gerade in Anbetracht eines möglichen Ministeramts für massive Debatten sorgt. Gegen diese Klassifizierung hat Maaßen eine Klage eingereicht. Er selbst bleibt dabei verhandlungsbereit und nüchtern. Auf den Vorschlag, Chef des Landesverfassungsschutzes zu werden und den Laden umzukrempeln, antwortete er lapidar:
„Vieles ist denkbar.“
Aktuell sieht Maaßen in seiner möglichen Rolle vor allem die Gefahr für die AfD, dass zu viel auf einmal verspielt werden könnte:
„Wenn die AfD nicht liefert, ist das auch ein Schaden für die Bundespartei.“
Und auch Siegmund, so meint er, brauche jetzt „gute Leute um sich herum, die ihn unterstützen und professionell sind, damit das nicht zu einem Schiffbruch wird.“ Es bleibt also offen, ob politische Erfahrung und Loyalität in der kommenden Landesregierung entscheidender sind als parteipolitische Herkunft oder das Etikett des Verfassungsschutzes. Auffällig ist jedenfalls, wie konsequent Maaßen den Schritt an die Öffentlichkeit sucht, während die AfD-Spitze sich bedeckt hält.
Wie reagiert das politische Umfeld – und was heißt das für die Wahl?
Viele Parteien, vor allem CDU und SPD, schließen klar eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Nur das BSW signalisiert unter der Voraussetzung des Einzugs in den Landtag (das heißt mindestens 5 Prozent der Stimmen) eine punktuelle Bereitschaft, in der Sacharbeit mit der AfD zu kooperieren. Für Maaßen, der erst im Oktober 2025 aus der Werteunion austrat, könnte ein Ministerposten die spektakulärste Wendung seiner Nachkarriere sein. Unabhängig vom Wahlausgang im September bleibt sicher: Der politische Diskurs um Sachsen-Anhalt und die Möglichkeiten für einen Ex-Verfassungsschutzchef in Regierungsverantwortung wird bis dahin nicht leiser werden.
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„Wenn es dem Land hilft“: Hans-Georg Maaßen könnte AfD-Innenminister in Sachsen-Anhalt werden