Experten warnen vor teurer Scheinlösung: Grüngasquote erhöht Heizkosten spürbar

Das neue Heizungsgesetz der Großen Koalition krempelt Deutschlands Wärmewende um. Ob flexible Technologie-Wahl oder teure Kostenfalle: Die Kritik am Grüngas-Plan reißt nicht ab.

Experten warnen vor teurer Scheinlösung: Grüngasquote erhöht Heizkosten spürbar
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Experten warnen vor teurer Scheinlösung: Grüngasquote erhöht Heizkosten spürbar
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Eine Ankündigung von Merz und CDU-Fraktionschef Jens Spahn brachte Dynamik ins politische Berlin: Mit ihrem Kompromiss zur Abschaffung der 65-Prozent-Regel beim Heizungsgesetz werden nicht mehr mindestens zwei Drittel erneuerbare Energie bei neuen Heizungen verlangt. Stattdessen soll ab 2029 eine Grüngasquote gelten, die Gasanbieter zur Beimischung von sogenannten grünen Gasen verpflichtet. Die Regierung rechnet sich Flexibilität für Eigentümer als Erfolg an – die Liste der warnenden Stimmen aus Wissenschaft, sozialen Verbänden und Umweltorganisationen ist dennoch lang.

Grüngasquote ersetzt Pflicht zu erneuerbaren Energien – Experten bleiben skeptisch

Seit dem Kompromiss ist das sogenannte „Heizungsgesetz“ nicht mehr das, was es mal war: Die verpflichtende Mindestquote erneuerbarer Energien entfällt ab sofort. Gaskessel und sogar neue Ölheizungen sind wieder problemlos möglich – sofern die Betreiber ab 2029 zunächst 10 Prozent „grüne Gase“ wie Biomethan oder synthetische Kraftstoffe beimischen. Wer was beigemischt bekommt und wie der Anteil steigen soll, bleibt allerdings unklar. Für die Bundesregierung ein Schritt zu mehr Entscheidungsfreiheit, für Kritiker ein Fass ohne Boden.

Kritische Stimmen: Kostenfalle für Mieter, Geschenk an die Gaswirtschaft

Sozial- und Umweltverbände, aber auch Wirtschaftsinstitute und Grüne äußern laute Bedenken. Die Denkfabrik Cleanthinking warnt:

„Deutschland produziert zwar rund 87 Terawattstunden (TWh) Biogas pro Jahr, doch die Aufbereitung zu Biomethan stagniert seit Jahren und belief sich 2024 auf nur etwa 10 TWh.“

Damit ließe sich nur gut 1 Prozent der deutschen Gasnachfrage decken. Auch Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) prognostizieren eine massive Angebotslücke – vor allem, weil Industrie und Stromsektor Vorrang beim grünen Gas erhalten sollen.

Schon heute, laut Verivox, liegen Tarife mit Biogaszuschlag rund 25 Prozent über Standardpreisen, und die Nachfrage dürfte die Knappheit weiter verschärfen. Die Grünen im Bundestag sprechen daher offen von Fehllenkungen und warnen:

„Grüne Gase werden auf absehbare Zeit knapp und teuer bleiben.“

Katharina Dröge, Fraktionschefin der Grünen, drückt es noch drastischer aus:

„Damit trieben CDU und SPD die Menschen in eine enorm teure Gaskostenfalle. Die Rechnung zahlten die Verbraucher.“

Nach Einschätzungen des IW können Haushalte mit Mehrkosten von bis zu 250 Euro im Jahr 2035 rechnen – ausschließlich für den Umstieg auf grünes Gas.

Umweltaktivisten wie Mira Jäger von Greenpeace sehen in der Reform ein Geschenk für die Gasindustrie:

„Mit diesen Änderungen macht die Bundesregierung der fossilen Öl- und Gasindustrie ein riesiges Geschenk, schwächt massiv den Verbraucherschutz und beerdigt den Klimaschutz im Gebäudesektor.“

Auch Mieterschützer schlagen Alarm, denn unklare Regeln über Umlagefähigkeit und Förderung drohen die gestiegenen Kosten direkt an Mieter weiterzureichen.

Die Industrie betrachtet die zentrale Rolle grüner Moleküle mit Zurückhaltung. Stefan Körzell vom DGB meint:

„Erneuerbare Moleküle werden in der Industrie dringender gebraucht und drohen im Heizungsbereich Eigentümer und Mieter in die Kostenfalle zu treiben.“

Der ZVEI warnt:

„Eine politisch verordnete Beimischung von Biomethan oder Wasserstoff würde für Unsicherheit über zukünftige Versorgungsstrukturen sorgen und so strategische Entscheidungen auf lokaler Ebene erschweren.“

Freie Wahl oder Vertrauensverlust? Was die Koalition und ihre Kritiker trennt

Politisch feiern Union und SPD die Rückgabe der „freien Heizungswahl“. Katherina Reiche, CDU-Ministerin für Wirtschaft, verkündet:

„Das Habeck’sche Heizungsgesetz wird abgeschafft. Für alle Eigentümer gilt künftig: freie Heizungswahl – vom Einfamilienhaus auf dem Land bis zur Mietwohnung in der Stadt.“

Die Eigentümerverbände begrüßen diese Offenheit, doch Umwelt- und Klimaschützer werfen der Politik Wunschdenken vor: Die Quote suggeriere irreführend, dass heutige Gasheizungen in der Breite eine Zukunft hätten und setze damit einen Fehlanreiz zum Festhalten an alten Lösungen.

Während der Verband Wohneigentum die Pläne als „Flexibilität und Entscheidungsfreiheit“ lobt, mahnt Thekla Walker von den Grünen im Südwesten: Der Kompromiss sei ein „Vertrauensbruch gegenüber Verbrauchern, Handwerk und Kommunen“, die Importabhängigkeit bleibe bestehen und werde „für unsere Gesellschaft sehr teuer“. Für Verbände aus Industrie und Mieterschutz bleiben entscheidende Fragen zur Finanzierung und zum Schutz vor Kostenexplosionen ungeklärt. Ramona Pop vom vzbv bewertet: Die Koalition lasse die Konsumenten „mit den Risiken des Wechsels der Heizungen“ allein.

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