Plötzlich ist die Zahl an der Zapfsäule kaum wiederzuerkennen: Tankstellenkunden in Deutschland erleben Anfang März einen beispiellosen Anstieg der Spritpreise. Laut dem Tankstellen-Interessenverband (TIV) erreichten die Preisaufschläge in der Woche vom 3. bis 9. März 2026 ihren vorläufigen Höhepunkt – und das stärker als in jedem anderen Land Europas. Mit Blick auf den anhaltend hohen Ölpreis von „zwischenzeitlich über 100 Dollar“ für das Fass ist die Unsicherheit bei Verbrauchern so groß wie lange nicht mehr. Während viele auf eine schnelle Entspannung hoffen, gibt es von Branchenseite wenig Optimismus.
Steuerung durch die Ölkonzerne – „Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“
Herbert Rabl, Sprecher des TIV, findet deutliche Worte zur aktuellen Lage an deutschen Zapfsäulen:
„Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen die hohen Ölpreise sofort weiter und erhöhen die Spritpreise noch stärker“.
Genau das erleben Autofahrer gerade, denn die internationalen Ölkonzerne scheinen in Deutschland besonders energisch auf jede Preisbewegung beim Öl zu reagieren.
„Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht: Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“, warnt Rabl weiter.
Ein Vergleich macht das Ausmaß des Problems deutlich: Während Autofahrer in Österreich aktuell nur bei 1,70 Euro pro Liter tanken, klettern die Preise in Deutschland auf bedrohend neue Höhen – und das ohne nennenswerte Aussicht auf Rückgang. Sogar die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht Handlungsbedarf und hat in der besagten Woche eine Überprüfung der Preissprünge durch das Kartellamt angekündigt, da der Anstieg unter anderem mit den Folgen des Iran-Kriegs begründet wird.
Verlierer der Entwicklung: Pächter, Shopgeschäft und das Verbraucherklima
Die hohen Preise sind laut TIV für die Betreiber der Tankstellen ein doppeltes Problem, denn bei ihnen kommen die „sprudelnden Gewinne“ gar nicht an. Laut Rabl:
„Die Tankstellenpächter werden an den sprudelnden Gewinnen nicht beteiligt, sie bekommen den Ärger der Verbraucher ab – und ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit“.
Die schlechte Stimmung schlägt mittlerweile auch auf das Geschäft im Shop über:
„Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft, das zirka 60 Prozent der Einnahmen ausmacht“.
Mit anderen Worten: Die Marge an der Zapfsäule ist für viele Betreiber weiterhin minimal, das „Shop-Geschäft“ rutscht aber ebenfalls ab, weil Verbraucher weniger Lust auf Zusatzkäufe haben, wenn sie schon beim Sprit erheblich tiefer in die Tasche greifen müssen. Die wachsende Unzufriedenheit landet also nicht bei den großen Ölgesellschaften, sondern entlädt sich direkt an der Ladentheke der Tankstellenpächter.
Regulierung gefragt? Österreich als Vorbild und skeptischer Blick auf die Politik
Herbert Rabl sieht die Bundesregierung in der Pflicht – doch von Katherina Reiche erwarte er wenig, wie er klarstellt:
„Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Bundesministerin (Katherina) Reiche nichts zu befürchten haben.“
Der TIV fordert deshalb klare Vorgaben nach österreichischem Modell:
„Die Regierung kann wie in Österreich eine Regel erlassen, dass die Konzerne nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen dürfen und danach nur noch absenken dürfen“.
Bislang ist unklar, ob die Überprüfung des Kartellamts konkrete Folgen für die Preispolitik an deutschen Tankstellen haben wird. Klar ist hingegen, dass die nächste Preisrunde wohl schon vor der Tür stehen könnte – auf Kosten derjenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind.
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Verwendete Quelle:
"Ölkonzerne sehen, was geht": Tankstellenverband befürchtet Spritpreis von über 2,50 Euro













