Papst telefoniert mit Putin – und fordert Waffenstillstand
Papst Leo XIV. ruft mit Nachdruck zu einem Waffenstillstand in der umkämpften ukrainischen Stadt Oleschky auf. Das ungewöhnliche Gespräch mit Wladimir Putin fand noch aus dem Krankenzimmer in Rom statt und setzt ein Zeichen inmitten harter Fronten.
Direkt nach einer Krebsoperation meldet sich Papst Leo XIV. zu Wort – mit einer starken Geste: Er wählt die Nummer des russischen Präsidenten und bittet persönlich um ein Einlenken im Ukraine-Konflikt. Sein Fokus liegt dabei auf Oleschky, einer eingeschlossenen Stadt im Süden der Ukraine. Die Stadt ist seit Monaten von russischen Truppen kontrolliert und für Zivilisten kaum noch erreichbar oder sicher zu verlassen.
Der Papst, seit dem 13. Oktober 2026 im römischen Krankenhaus Gemelli, spricht offen von seiner „tiefe Besorgnis“ angesichts der dramatischen Lage vor Ort. Er appelliert an Putin, eine Feuerpause zuzulassen, damit „die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischer Hilfe sowie die freiwillige und sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung“ ermöglicht werden kann. Dieses Anliegen wiederholt er klar während des seltenen Anrufs, indem er einmal mehr – aus dem Krankenbett und trotz gesundheitlicher Einschränkungen – zur Vermittlung bereitsteht.
Vatikan zwischen Hoffnung und Blockade: Mediation bleibt schwierig
Die Geschichte der päpstlichen Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg ist lang. Bereits seit Jahren versucht der Vatikan zu vermitteln, bislang aber ohne spürbaren Durchbruch. Oleschky ist zum Sinnbild einer humanitären Sackgasse geworden: Rund 2.000 Menschen, darunter etwa 50 Kinder, sind laut ukrainischen Angaben noch in der verschlossenen Stadt. Das letzte Geschäft schloss nach UN-Berichten schon im Januar 2026, seit Mai kommt offenbar kein Nachschub mehr durch.
Die Umgebung ist von Minen übersät. Hilfskonvois müssen ständig mit Angriffen rechnen, die Front verläuft nur neun Kilometer entfernt zwischen Oleschky und der ukrainisch gehaltenen Stadt Cherson am Dnipro. NGOs schlagen seit Wochen Alarm wegen wachsender Not; die Bevölkerung ist gefangen und auf Hilfe von außen angewiesen.
Kreml zeigt sich dankbar – und schiebt die Verantwortung der Ukraine zu
Der Kreml reagierte auf den Anruf des Papstes mit einem Genesungswunsch und dankte dem Vatikan für seinen „Einsatz für humanitäre Fragen“. Gleichzeitig nutzt Moskau das Gespräch für eigene Botschaften: Man unterstütze zwar Bemühungen um Sicherheit und Versorgung in Oleschky, aber die Verantwortung für die Blockade liege laut russischer Darstellung bei der Ukraine. Immer wieder wirft Russland dem ukrainischen Militär vor, Hilfslieferungen nach Oleschky mit Drohnenangriffen zu verhindern.
Der Konflikt um die Verantwortung und Darstellung der Ereignisse bleibt bestehen. Währenddessen bleibt offen, ob das päpstliche Plädoyer irgendeinen Wandel bringt. Eine direkte Zusage zu einer Waffenruhe blieb jedenfalls bis jetzt aus.
Oleschky – ein Brennpunkt stellvertretend für den langen Konflikt
Der Krieg dauert mittlerweile seit über viereinhalb Jahren an – mit einer sich zuspitzenden humanitären Katastrophe in umkämpften Orten wie Oleschky. Erneut liegt die Hoffnung auf kuriose Allianzen und ungewöhnliche Vermittlerrollen: Schon im Vorfeld schickte der Papst mit Kardinal Matteo Zuppi einen Sondergesandten nach Moskau, aber konkrete Ergebnisse blieben aus. Solange beide Konfliktparteien auf eigenen Darstellungen beharren, bleibt der Weg zu echtem Frieden steinig und voller Fragezeichen.
Verwendete Quelle:
Ukraine-Krieg: Papst telefoniert mit Putin – und fordert Waffenstillstand
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