Wird ein gefährlicher Asteroid im Jahr 2022 die Erde treffen?

Ein massiver und gefährlicher Asteroid soll im nächsten Jahr mit der Erde kollidieren. Was wissen wir über ihn? Muss man sich Sorgen machen? Ist es möglich, einen Asteroiden abzulenken? Erklärungen.

Ein gefährlicher Asteroid mit einem Durchmesser von über 130 Metern und einer Stärke von 230.000 könnte die Erde im Jahr 2022 erreichen.

Dies ist eine ziemlich angstmachende Schlagzeile, die massiv im Internet und insbesondere in sozialen Netzwerken zirkuliert. Der Name des fraglichen Asteroiden? 2009 JF1.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Himmelsobjekt auf unserem Planeten einschlägt, besteht tatsächlich. Dennoch könnt ihr beruhigt schlafen, denn die Welt wird nächstes Jahr nicht untergehen (zumindest nicht wegen dieses Asteroiden), und wir erklären euch, warum.

Gerüchte um den Asteroiden "2009 JF1"

Die Informationen, die um den Asteroiden "2009 JF1" kursieren, sind oft nur annähernd oder falsch, wenn sie nicht sogar schlichtweg falsch sind. Die Suche nach dem Buzz, Sensationslust, aber auch Weitererzählen ohne nachzuprüfen oder Übersetzungsfehler haben die Verbreitung dieser zahlreichen Gerüchte erleichtert.

Fassen wir zusammen: In zahlreichen Artikeln wird darüber berichtet, dass der Asteroid 2009 JF1 im Laufe des Jahres 2022 mit der Erde kollidieren könnte. Der Asteroid soll von der NASA beobachtet werden, da er ein nicht unerhebliches Risiko für einen Einschlag birgt.

Er hätte einen Durchmesser von 130 Metern und eine Energie, die 230 Tausend Tonnen Dynamit entspricht (das entspricht der fünfzehnfachen Sprengkraft der Atombombe Little Boy, die über Hiroshima abgeworfen wurde).

In der Literatur wird behauptet, dass sich der Asteroid der Erde am 6. Mai 2022 mit einer Einschlagswahrscheinlichkeit von 1 zu 3.800 nähern wird. Der Asteroid "2009 JF1" hätte also eine Chance von 0,026 Prozent, unseren Planeten an diesem Tag zu erreichen.

Dennoch haben weder die NASA noch die ESA (Europäische Weltraumorganisation) vor "JF1 2009" gewarnt. Aus welchen Gründen? Ganz einfach: Weil dieses Objekt keinerlei Risiko darstellt.

Es gibt auch nicht genügend Informationen über das Objekt, um zu wissen, wann es sich unserem blauen Planeten nähern wird. Tatsächlich wird "JF1 2009" nicht einmal überwacht. Er wurde zuletzt im Jahr 2009 gesichtet und ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft kaum von Interesse...

Wie wird nach gefährlichen Asteroiden gesucht?

Bevor wir uns ansehen, warum die ganze Aufregung um den Asteroiden 2009 JF1 nicht gerechtfertigt ist, werfen wir einen Blick darauf, wie der Prozess der Entdeckung eines Asteroiden und der Bestimmung seiner physikalischen Eigenschaften funktioniert.

In Bezug auf "2009 JF1" begann dieser Prozess am 4. Mai 2009 (daher der Name) in Arizona, als die Teleskope des Mount Lemmon Survey (ein Programm zur Suche nach erdnahen Objekten) ein dunkles Objekt in ihrem Sichtfeld registrierten, das keinem bekannten Asteroiden entsprach.

Daher wurde es dem Minor Planet Center (MPC) als ein entdeckter möglicher Asteroid gemeldet. Das MPC ist eine Organisation, die mit der Internationalen Astronomischen Union (IAU) verbunden ist und die Aufgabe hat, alle bekannten Asteroiden und Kometen sowie die Daten aller gemeldeten Beobachtungen zu speichern.

Diese Daten sind sehr wertvoll, da sie es ermöglichen, ihre Umlaufbahnen um die Sonne und das potenzielle Risiko einer Kollision mit unserem Planeten zu berechnen. Das MPC bestätigte den Asteroiden und gab ihm am 5. Mai 2009 den Namen "2009 JF1".

Der Asteroid wurde bei seiner letzten Annäherung an die Erde in zwei Nächten, am 4. und 5. Mai 2009, nur 25 Mal beobachtet. Das ist sehr wenig. Nun wird die Umlaufbahn eines Asteroiden aus allen Beobachtungen des untersuchten Objekts berechnet, und die Qualität dieser Berechnungen hängt wiederum von der Anzahl der Beobachtungen und der Zeitdifferenz zwischen der ersten und der letzten Beobachtung des Asteroiden ab.

Im Fall von "2009 JF1" wurde der Asteroid so selten und in so kurzer Zeit beobachtet, dass die Berechnungen seiner Umlaufbahn von schlechter Qualität sind, was zu vielen Unsicherheiten (oder Fehlerspannen) bezüglich seiner Umlaufbahnparameter und seiner Flugbahn führt.

Ist der Asteroid "2009 JF1" eine Gefahr?

Ein weiteres Programm der NASA berechnet und veröffentlicht automatisch das Risiko eines Einschlags von erdnahen Asteroiden: Sentry. Auf seiner Website findet sich ein Eintrag für Asteroid 2009 JF1.

Nach den Berechnungen von Sentry hat dieser Asteroid eine Wahrscheinlichkeit von 0,026 Prozent, am 6. Mai 2022 um 5:10 Uhr (Ortszeit Brasilia) mit der Erde zu kollidieren.

Diese Wahrscheinlichkeit ist auch deshalb so gering, weil der Asteroid eine schlechte Umlaufbahn hat, die zu einer Unsicherheitszone von mehr als 16 Millionen Kilometern führt. Mit anderen Worten: Der Asteroid "2009 JF1" kann die Erde um weitere 16 Millionen Kilometer treffen oder verfehlen.

Aufgrund der schlechten Qualität seiner Umlaufbahn führt die zwölfjährige Akkumulation kleinerer Abweichungen in den Berechnungen zu erheblichen Abweichungen von mehreren Tagen und einigen Millionen Kilometern bei der maximalen Annäherung von "2009 JF1", die für 2022 vorhergesagt wird.

Somit ist ein Einschlag dieses Asteroiden auf der Erde nicht nur unwahrscheinlich, sondern es ist darüber hinaus fast unmöglich, Datum und Uhrzeit vorherzusagen, im Gegensatz zu dem, was in mehreren Veröffentlichungen über diesen Asteroiden getan wurde.

Außerdem rührt die Hauptursache für die Besorgnis über diesen Asteroiden schlicht und einfach von einem einfachen Umrechnungsfehler her. Der geschätzte mittlere Durchmesser des Asteroiden "2009 JF1" beträgt 0,013 km, das sind dreizehn Meter. Das sind zehnmal weniger als die 130 Meter, die in den verschiedenen Artikeln über den Asteroiden angegeben werden.

Könnte man einen Asteroiden umlenken, bevor er auf der Erde einschlägt?

Im November letzten Jahres bestätigte die NASA zum ersten Mal in der Geschichte den Start ihres DART-Raumschiffs. Was ist das Ziel seiner Mission? Mit dem Asteroiden Dimorphos kollidieren, um dessen Flugbahn herauszufordern.

Das DART-Raumschiff startete am Mittwoch, den 24. November 2021, an Bord der Falcon 9 von SpaceX. Es soll den Asteroiden Dimorphos jedoch erst im September 2022 im Rahmen einer Mission erreichen, die nüchtern als "planetarische Verteidigung" bezeichnet wird. Die Mission soll in zwei Phasen ablaufen:

  1. In der ersten Phase muss die Kamera an Bord von DART Didymos (einen Asteroiden mit einem Durchmesser von 780 m, um den Dimorphos wie ein Mond kreist) entdecken, bevor sie mit der autonomen Navigation beginnt.
  2. DART beschleunigt dann mit voller Geschwindigkeit auf Dimorphos zu, um ihn zu rammen.
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Schéma de la mission DART NASA/JOHNS HOPKINS APPLIED PHYSICS LAB

Das Ziel der Mission ist nicht die Zerstörung des Asteroiden, sondern lediglich die Beschleunigung seiner Umlaufbahn. Die Wissenschaftler:innen schätzen, dass der leichte Schock, der durch den Aufprall des Raumschiffs verursacht wird, die Umlaufbahn von Dimorphos um Didymos um etwa ein Prozent beschleunigen wird.

Die Flugbahn von Dimorphos birgt kein Risiko einer Kollision mit der Erde. Diese Mission ist eigentlich ein Test, um konkrete Daten über diesen Einschlag zu erhalten, anstatt sich auf Modelle zu stützen.

Das Ziel der Wissenschaftler:innen ist es, zu verstehen, wie viel Schwung nötig ist, um die Flugbahn eines Asteroiden abzulenken. Wie Nancy Chabot, Planetenwissenschaftlerin und Chefkoordinatorin der DART-Mission, auf der Pre-Launch-Konferenz des Raumschiffs erklärte:

Wenn es einen Asteroiden gäbe, der eine Bedrohung für die Erde wäre, würde man diese Technik viele Jahre, Jahrzehnte im Voraus durchführen wollen.

Wenn die DART-Mission der NASA abgeschlossen ist, wird die Europäische Weltraumorganisation die Sonde Hera starten, um die Folgen der Kollision zu untersuchen.

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