Genom-Analyse eines 11.500 Jahre alten Mädchens gibt Aufschluss über erste amerikanische Vorfahren
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Genom-Analyse eines 11.500 Jahre alten Mädchens gibt Aufschluss über erste amerikanische Vorfahren

Studien an den fossilen Überresten eines Mädchens, das vor rund 11.500 in Alaska gelebt hat, bringen jetzt neue Erkenntnisse über Ursprünge und Herkunft der indianischen Bevölkerung Amerikas.

Untersuchungen der 2013 von einem Forscherteam um den Archäologen Ben Potter von der University of Alaska Fairbanks entdeckten fossile Überreste eines kleinen Mädchens aus der letzten Eiszeit, bringen jetzt ein unerwartetes genetisches Erbe zum Vorschein und neue Erkenntnisse hinsichtlich der damaligen Einwanderungswelle und Erstbesiedelung Amerikas.

Das bei Ausgrabungen einer Siedlung am in der Nähe des Tanana-Flusses in Zentralalaska entdeckte Skelett des kleinen Mädchens, ist mehr als 11.500 Jahre alt und ermöglicht jetzt neue Einblicke in die Vergangenheit und das menschliche Genom.

Sein genetisches Profil ist bis dahin das älteste, das in seiner Ganzheit untersucht werden konnte und vermittelt ein neues Grundlagenwissen sowohl der Vergangenheit als auch der Ursprünge der uramerikanischen Einwohner.

Eine uralte DNA

Die fossilen Überreste des von der Athabaskaner-Gemeinde poetisch Xach’itee’aanenh t’eede gaay (zu Deutsch „Mädchen der aufgehenden Sonne“) und von den Wissenschaftlern prosaisch USR1 (Upward Sun River 1) genannten Mädchens wurden jetzt von einem dänischen Forscherteam untersucht. Das auf Genomforschung spezialisierte Forscherteam hat die DNA des Mädchens mit den Genen von 167 alten und modernen Bevölkerungen rund um die Welt verglichen.

Dabei hat sich ergeben, dass die DNA des zum Zeitpunkt seines Todes kaum sechs Wochen alten Mädchens mit der DNA einer bis dahin in Amerika unbekannten Bevölkerungsgruppe verwandt ist. Einer Bevölkerungsgruppe, die älter ist als die gegen Ende des Pleistozäns (2,58 Millionen bis 11.700 Jahre vor unserer Zeitrechnung) in Amerika heimischen Bevölkerungsgruppen und sich auch genetisch von letzteren unterscheidet. Der für den Fund verantwortliche Archäologe Ben Potter und sein Team haben die neuen indianischen Vorfahren jetzt als Ur-Beringianer bezeichnet.

„Wir wussten bisher nichts von dieser Ur-Bevölkerung“, erklärt Potter. „Inzwischen wissen wir jedoch, dass sie hier Tausende von Jahren existiert hat und sich anpassen und gedeihen konnte.“ Einer Hypothese nach soll sich diese Bevölkerungsgruppe vor mindestens schon 14.600 Jahren vom Rest der indianischen Bevölkerung abgeschlossen haben und bis zu ihrem Aussterben im hohen Norden geblieben sein, während die Vorfahren der modernen indianischen Völker nach und nach in von ihrer Eiskappe befreite südlichere Gebiete abgewandert sind.

Unerwartete Ursprünge

Gemäß der Erwartungen Ben Potters und seines Archäologen-Teams wies ein Teil der DNA des Mädchens die Merkmale eines Genoms auf, das heute von der süd- und nordamerikanischen Bevölkerung geteilt wird. Was sie nicht erwartet hatten, war die Entdeckung, dass an die Hälfte seiner DNA mit der nord-eurasischer Vorfahren, die im heutigen Sibirien gelebt hatten, vergleichbar ist.

Die ersten Vorfahren der Indianer müssen demnach vor an die 35.000 Jahren in Nordostasien gelebt haben, bevor sie sich 10.000 Jahre später mit den Nord-Eurasiern vermischt haben. Ben Potter nach sollen die Nachkommen dieser Kreuzung dann über die damals noch freiliegende Landbrücke der Beringstraße (da wo heute eine Meerenge die beiden Kontinente Amerika und Asien trennt) nach Nordamerika gekommen sein. Sie müssen die ursprünglichen Vorfahren der später in Amerika verbreiteten indianischen Bevölkerungsgruppen gewesen sein.

Anhand dieser Entdeckungen ist es den Wissenschaftlern gelungen, einen neuen Stammbaum der indianischen Völker aufzustellen. Ein neuer Beitrag, ein neues Kapitel der Geschichte der Menschheit und der Völkerwanderungen! „Durch die Entdeckung der Ur-Beringianer wird uns die Komplexität der Völkerwanderungen und menschlicher Anpassung erst so richtig verständlich“, meint Ben Potter zum Schluss.

Von Maximilian Vogel
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