Entdeckung aus dem Alten Ägypten: Das ist der älteste Schwangerschaftstest der Welt

Das alte Ägypten, eine faszinierende Zivilisation, die entlang des Nils aufgeblüht ist, offenbart immer wieder faszinierende Aspekte des täglichen Lebens der damaligen Zeit. Dazu gehören auch die ungewöhnlichen Methoden zur Feststellung einer Schwangerschaft, die neuerdings für Aufsehen sorgen. Hier erfährst du mehr.

Altes Ägypten, Schwangerschaftstest, Frau, Gerstentest
© Kitti Boonnitrod@Getty Images
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Das Alte Ägypten hat den Grundstein für unsere Zivilisation gelegt. In den zahlreichen medizinischen Papyri können wir lesen, dass die Grundlage der modernen Medizin ganz auf die medizinischen Praktiken des Alten Ägypten ausgerichtet ist. In diesem Überblick werden wir die erstaunlichen Praktiken der Schwangerschaftstests der alten Zivilisation am Nil erforschen und dabei eine einzigartige Kombination aus medizinischem Wissen, religiösen Überzeugungen und kulturellen Traditionen offenbaren, die das Verständnis von Mutterschaft in dieser antiken Zivilisation geprägt haben.

Wie wurden Schwangerschaften erkannt?

Im alten Ägypten verwendeten die Frauen eine ungewöhnliche Methode, um ihren Schwangerschaftsstatus festzustellen. Anders als bei unseren modernen Methoden, griffen sie auf den sogenannten "Gerstentest" zurück. Diese Praxis wurde sogar im Carlsberg Papyrus (Kopenhagen) und im Berliner Papyrus "Medical" nachgewiesen.

Es ist zu beachten, dass diese beiden Papyri aus dem Neuen Reich (1540-1080 v. Chr.) stammen. Diese Praxis bestand darin, auf Gersten- und Weizensamen zu urinieren und dann zu beobachten, wie die Samen im Laufe der Tage wuchsen. Wenn die Gersten- und Weizensamen wuchsen, wurde dies als Zeichen der Schwangerschaft interpretiert und zeigte die Entwicklung von Leben im Bauch der Frau an. Wenn die Weizen- und Gerstensamen nicht wuchsen, galt dies als Zeichen für Unfruchtbarkeit. Wenn die Gerstenkörner zuerst keimten, bedeutete dies, dass sie ein männliches Kind gebären würde - wenn der Weizen zuerst keimte, sei das ein Zeichen gewesen, dass es ein Mädchen wird.

Zu wie viel Prozent war dieser Schwangerschaftstest zuverlässig?

Jede wissenschaftliche Theorie muss bewiesen werden, um ihre Zuverlässigkeit zu beurteilen. Um zu überprüfen, ob die altägyptische Praxis zuverlässig war, beschloss Paul Ghaliounghui, Professor für Medizin und Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Medizingeschichte, das Experiment an 48 Personen durchzuführen, darunter 40 schwangere Frauen, 6 nicht schwangere Frauen und 2 Männer. Dazu legte er Weizen- und Gerstenkörner auf saugfähiges Papier, das mit dem Urin der oben genannten Teilnehmer:innen getränkt war. Daneben standen Kontrolltöpfe, die nicht mit dem Urin der Teilnehmer:innen, sondern mit Wasser befeuchtet wurden.

Das zeigen die Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass der Urin von schwangeren Frauen in 7 von 10 Fällen das Wachstum der Samen vorangetrieben hat, während die anderen Urinproben jegliche Keimung behinderten. Was ist der Grund dafür? Der biologische Ansatz erklärt das Ganze mit der Wirkung der Hormone Estradiol und Progesteron, die im Urin von Schwangeren vorkommen. Diese Hormone regen das Pflanzenwachstum an und ermöglichen das Keimen von Samen.

Bei der Bestimmung des Geschlechts des Kindes ist der Test hingegen unzuverlässig. Letztendlich bleibt also festzuhalten, dass der Schwangerschaftstest zur Bestimmung einer potenziellen Schwangerschaft bereits im alten Ägypten bekannt war.

Schwangerschaft im Alten Ägypten: Alles über den Zeugungsvorgang!

Im alten Ägypten stand die Schwangerschaft im Mittelpunkt von Ritualen, religiösen Überzeugungen und speziellen medizinischen Praktiken. Hier sind einige Aspekte, wie eine Schwangerschaft in dieser antiken Zivilisation ablief :

  • Religiöse Überzeugungen: Die Schwangerschaft wurde oft mit Gottheiten und religiösen Praktiken in Verbindung gebracht. Schwangere Frauen konnten zu Göttinnen beten, die mit der Mutterschaft in Verbindung standen, wie z. B. Isis, die Göttin der Fruchtbarkeit und Mutterschaft, um Schutz und Beistand während der Schwangerschaft und der Geburt zu erhalten.
  • Medizinische Versorgung: Schwangere Frauen genossen die Fürsorge von Hebammen und Priester:innen, die sich auf Medizin spezialisiert hatten. Hebammen verfügten über Erfahrungswissen zu den verschiedenen Phasen der Schwangerschaft, der Geburt und der Nachsorge. Priester:innen konnten auch für Schutzrituale konsultiert werden.
  • Amulette und Talismane: Schwangere Frauen trugen oft schützende Amulette und Talismane. Diese Gegenstände sollten die Sicherheit von Mutter und Kind gewährleisten, bösartige Kräfte abwehren und eine gesunde Schwangerschaft fördern.
  • Ernährung und Hygiene: Schwangere Frauen befolgten spezielle Ernährungspraktiken, um die Gesundheit des Kindes zu gewährleisten. Es wurden Empfehlungen zur Ernährung und Hygiene gegeben. Bestimmte Nahrungsmittel galten als förderlich für das Wachstum des Babys.
  • Wahrsagerei: In einigen Fällen konnten Formen der Wahrsagerei verwendet werden, um das Geschlecht des Babys oder andere Aspekte der Schwangerschaft vorherzusagen. Dazu konnte die Beobachtung von Sternenpositionen, Mondphasen oder andere Methoden der Wahrsagerei gehören.
  • Entbindung: Die Geburt stand oft im Zentrum von Ritualen und Zeremonien. Hebammen spielten dabei eine entscheidende Rolle und nutzten ihr von Generation zu Generation überliefertes Wissen.

Obwohl das medizinische Wissen im alten Ägypten im Vergleich zu heute seine Grenzen hat, zeugt die Kombination aus medizinischen, religiösen und kulturellen Praktiken von einer ganzheitlichen Herangehensweise an die Schwangerschaft in dieser antiken Zivilisation.

Dieser oben beschriebene Fund ist jedoch nicht das Einzige, das Forscher:innen fasziniert. Immer wieder werden bahnbrechende Entdeckungen gemacht - so hat zuletzt etwa der gruselige Fund einer Schwangeren für Aufsehen gesorgt, die allem Anschein nach in ihrem Grab entbunden hat.

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Verwendete Quelle:

National Library of Medicine: "ON AN ANCIENT EGYPTIAN METHOD OF DIAGNOSING PREGNANCY AND DETERMINING FOETAL SEX"

Aus dem Französischen übersetzt von Ça M'Interesse

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