BGH-Urteil Schufa muss über Score-Berechnung informieren
Schufa-Scores bestimmen, ob man einen Kredit bekommt oder nicht. Doch bis jetzt blieb vieles undurchsichtig. Was hat der Bundesgerichtshof entschieden – und wie viel muss Schufa über ihr Scoring verraten?
Ob Wohnung, Bankkonto oder Kredit: Der Schufa-Score ist oft entscheidend. Verbraucher:innen fühlen sich dem Bewertungssystem ausgeliefert. Der Vorwurf: „Blackbox“ statt Klarheit – und auf Nachfrage gibt’s nur spärliche Infos. Genau darum ging es in mehreren Verfahren, die kürzlich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gelandet sind.
Was heißt Informationspflicht beim Schufa-Score?
Bisher gab’s beim Thema Transparenz viele Fragezeichen. Wer wissen wollte, wie der eigene Score entsteht, bekam von Schufa eine sogenannte Datenkopie: gespeicherte Daten, übermittelte Scores der letzten zwölf Monate, aber keine Infos darüber, wie die Zahlen eigentlich berechnet wurden. Viele fanden das zu wenig – und verlangten mehr Durchblick bei der Bewertung, die so viel Einfluss auf ihr Leben hat.
„Und da möchte man natürlich als Schüler auch wissen, wie sind denn die Dinge gewichtet worden, wie ist es überhaupt dazu gekommen“, sagt Verbraucheranwalt Thomas Schulte. Für ihn ist klar: Es reicht nicht, grobe Daten zu liefern. Wer nachvollziehen will, warum die Kreditwürdigkeit steigt oder fällt, braucht diese Details. „Wenn ich mich so und so verhalte, wenn ich das und das mache, dann steigt oder fällt meine Kreditwürdigkeit.“
BGH macht Druck: Score muss bei relevanter Entscheidung offengelegt werden
Am 21.10.2026 hat der BGH entschieden: Die Schufa muss nicht automatisch jeden Algorithmus ausliefern, aber in einem ganz bestimmten Fall sehr wohl informieren. Nämlich wenn der Score eine maßgebliche Rolle für die Entscheidung eines Unternehmens spielt – also wenn etwa ein Kredit platzt, weil eine Bank auf den Schufa-Score geguckt hat. Dann reicht es, wenn Betroffene nachweisen, dass der Score übermittelt wurde und kurz danach zum Beispiel ein Vertrag abgelehnt wurde. In diesem Fall gibt es eine klare Vermutung: „Dann bestehe die Vermutung, dass der Score für diese Entscheidung maßgeblich war“, heißt es vom Karlsruher Senat. Mehr müssen Verbraucher erst einmal nicht beweisen.
Auch für die Zukunft gibt es Abhilfe: Am 20.11.2026 drehen neue Datenschutzregeln die Transparenzschraube weiter an. Die Unternehmen müssen dann alle errechneten Scores der letzten zwölf Monate mitteilen, die dabei verwendeten Daten offenlegen und sagen, welche Kriterien am meisten ins Gewicht gefallen sind. Die Schufa betont: „Zum einen, weil unsere Scores nicht maßgeblich eingesetzt werden. Zum anderen, weil wir freiwillig auch die hohen Transparenzanforderungen für maßgebliche Scores erfüllen, um die Verbraucherinnen und Verbraucher transparent zu informieren.“
Neues Scoring, altes Problem? Wie die Schufa handeln will
Der BGH hat die Streitfälle zwar ans Oberlandesgericht Dresden zurückgegeben, aber ein klares Signal gesendet: Wenn der Score wirklich relevant ist, besteht ein Anspruch auf Erklärungen.
Die Schufa hat bereits im März 2026 ein neues Score-Modell eingeführt. Dieses soll einfacher nachvollziehbar sein – von zwölf Einzelkriterien bis zum Endscore zwischen 100 und 999 Punkten. „Wir kennen die Kritik an der Blackbox der Schufa, diese wollen wir auflösen“, sagt Sprecherin Tanja Panhans. Im November 2026 will die Schufa zudem den alten Score transparenter machen – und spätestens Ende 2028 vollständig abschaffen.
Panhans verspricht: „Und wir wollen ihnen auch den Score-Wert erklären und damit auch unseren Beitrag dazu leisten, wie es zu einer Entscheidung kommt.“ Doch sie schränkt auch ein: „Aber den Teil, den wir zur Transparenz beitragen können, den liefern wir dazu.“ Die neuen Regeln sollen für alle Auskunfteien gelten, nicht nur für Schufa.
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