Ex-Nationalspieler: "Ich würde nie wieder für Deutschland spielen"
Kerem Demirbay hat sich in einem Interview ausführlich zu seinem Bruch mit dem DFB geäußert und erhebt dabei schwere Vorwürfe. Was steckt hinter dem öffentlichen Bruch mit der Nationalelf und warum steht das Motiv eines Tattoos so im Mittelpunkt?
Momente wie diese bleiben im Gedächtnis: Ein Tor, ein Jubel, ein ausgezogenes Trikot – und plötzlich ist beim DFB alles anders. Für Kerem Demirbay wurde aus einer vermeintlichen Kleinigkeit ein Auslöser für seine Karrierewende im Nationalteam. Die deutsche Nationalmannschaft ist für ihn inzwischen völlig abgehakt.
Das Tattoo als Auslöser: Karriere-Knick nach dem Tor
Demirbay kam 2017 zu zwei Einsätzen für Deutschland, beide unter Joachim Löw. Beim 1:0 gegen Kamerun in der Confed-Cup-Gruppenphase traf er und zog sein Trikot aus – dabei entblößte er ein Tattoo: die Umrisse der Türkei auf seinem rechten Schulterblatt. Rückblickend sagt er über das abrupte Aus beim DFB-Team: "Und was mich am meisten traurig macht ist, dass ich während meiner gesamten Karriere nur deshalb beim DFB-Team rausgeworfen wurde, weil ich dieses Trikot ausgezogen habe."
Nach eigener Aussage hat er eineinhalb Jahre darum gekämpft, für die türkische Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Doch trotz aller Bemühungen wurde ihm dieser Wunsch verwehrt. Der Moment, als das Tattoo sichtbar wurde, sei für ihn alles entscheidend gewesen. Seine Zeit im Nationalteam blieb auf diese beiden Einsätze begrenzt. Offiziell gab es danach keine Rückkehr – für Demirbay ein Bruch, der bis heute nachwirkt. Viele Fans erinnerten sich an seine starke Leistung damals, aber das Kapitel DFB blieb geschlossen.
Demirbays Vorwurf: Rassismus bremst Talent aus
Laut Demirbay bedeutete dieses Tattoo das Ende seiner Nationalelf-Karriere. "Danach sei er nie wieder einberufen worden." Fast ein Jahr und sechs Monate habe er versucht, für die Türkei spielen zu dürfen – ohne Erfolg, wie er im Gespräch mit dem türkischen YouTube-Star Yağız Sabuncuoğlu ausführte. Sein Blick auf Deutschland fällt deutlich aus: "In Deutschland gibt es ohnehin viel Rassismus gegen uns. Das ist eine Tatsache." Nachdem das Tattoo öffentlich wurde, habe man ihn wie einen Ausländer behandelt: "Du holst mich in der Zeit, in der ich richtig durchstarte, nicht mehr zur Nationalmannschaft? Ich wurde als der Ausländer betrachtet."
Er sieht Handlungen und öffentliche Wahrnehmung durch Vorurteile geprägt. "Einer singt die Nationalhymne nicht, ein anderer macht so etwas mit der Karte (…) Sie gingen gegen mich vor. Weil ich Türke bin – das stört sie." Diese Aussagen lassen erkennen, wie sehr sich Demirbay entfremdet fühlte. Die Debatte um doppelte Identitäten und Migration im deutschen Fußball erhält dadurch neuen Zündstoff. Auch darüber, wie Medien – etwa bild.de – damals berichteten, formuliert er Kritik.
Ein endgültiger Bruch mit der DFB-Elf
Für Demirbay ist eine Rückkehr undenkbar: "Ich schwöre, wenn sie mich heute anrufen würden, ich würde nicht hingehen. Ich würde nie wieder für Deutschland spielen. Die Nationalmannschaft ist mir egal." Seine familiären Wurzeln sieht er klar: "Mein Blut ist türkisch. Mein Vater ist Türke, meine Mutter ist Türkin – ich bin ein Türke." Sein größtes Bedauern? "Mein größtes Bedauern wird immer sein, nie das Trikot der türkischen Nationalmannschaft getragen zu haben."
Der Schlussstrich steht für ihn fest. Auch wenn es einmal anders geplant war, wäre ein Comeback ausgeschlossen. Die einstigen Hoffnungen als Nationalspieler sind für ihn zur Randnotiz geworden. Was bleibt, ist sein Wunsch, für die Türkei aufzulaufen – ein Traum, den er wohl nie erleben wird. Für andere Jugendliche mit Migrationshintergrund sendet er damit eine deutliche Botschaft, sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen.
Zeit bei TSG, Leverkusen und jetzt: Istanbul
Nach seiner letzten DFB-Nominierung spielte Demirbay erfolgreich als Schlüsselspieler in Hoffenheim und bei Bayer Leverkusen. 2023 folgte der Wechsel zu Galatasaray Istanbul. Seit Januar 2026 kickt er für Kasımpaşa – aktuell auf Platz sieben der Süper Lig. Obwohl die Tür zur deutschen Nationalmannschaft für ihn endgültig zu ist, läuft seine Vereinskarriere in der Türkei weiter.
Trotz aller Enttäuschungen zeigte Demirbay im Klubfußball stets solide Leistungen. Vor allem sein Wechsel zu Galatasaray und später zu Kasımpaşa markierten wichtige Etappen in seiner Laufbahn. In Istanbul steht er derzeit unter Vertrag und konzentriert sich auf neue sportliche Ziele – der Blick zurück auf die Nationalelf gehört für ihn der Vergangenheit an. Dort zählt jetzt ausschließlich, was auf dem Platz passiert.
Verwendete Quelle:
Ex-DFB-Spieler Kerem Demirbay: "Würde nie wieder für Deutschland spielen"
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