Alice Weidel © Instagram
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„Können Sie mir einen Beweis nennen, dass Selenskyj an Frieden interessiert ist?“, fragt Weidel

Im Interview mit dem britischen Magazin The Economist sorgt AfD-Chefin Alice Weidel mit provokanten Aussagen für Aufsehen. Sie sieht den The Economist Krieg als verloren an und fordert einen radikalen Kurswechsel für Deutschland.

„Es ist falsch, die Finanzierung eines bereits verlorenen Krieges zu verlängern.“ Mit diesem Satz bringt Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD, die Diskussion um die deutsche Unterstützung für die Ukraine auf den Punkt. In einem Podcast-Gespräch mit The Economist spricht sie Klartext: Für sie gilt „Germany First“. Die Verteidigung der Ukraine gegen Russland sieht Weidel nicht nur als aussichtslos, sondern für Deutschland zunehmend als Gefahr.

Weidel betont im Gespräch erneut: Die Ukraine sei „zu klein“, um Russland militärisch besiegen zu können. Ihrer Ansicht nach sollte Berlin sofort alle Hilfen stoppen und stattdessen „Druck auf Präsident Selenskyj“ ausüben. Die aktuelle Politik sieht sie als Irrweg, der Deutschland unnötig Risiken aussetzt.

Konkrete Forderungen bleiben dabei nicht aus. Inspiriert von Donald Trump schlägt Weidel beispielsweise vor, wieder über Lieferungen von Diesel aus Russland zu verhandeln. Auf solche Geschäfte könne Deutschland in ihrer Vision setzen, alles im Sinne der eigenen Interessen. Der Ukraine-Krieg, so ihre Einschätzung, stelle ein kaum kalkulierbares Risiko für das eigene Land dar.

Im Verlauf des Gesprächs stellt Weidel eine zentrale Frage: „Das ist, was Sie sagen. Können Sie mir einen Beweis nennen, dass Selenskyj an Frieden interessiert ist?“ Damit zweifelt sie öffentlich die Haltung des ukrainischen Präsidenten an. Für sie steht die Frage im Raum, ob Selenskyj wirklich verhandlungsbereit ist, oder ob die Bundesregierung einfach alten Kursen folgt. Die öffentliche Debatte um diese Einschätzung ist groß und sorgt für lebhafte Reaktionen im Bundestag sowie in sozialen Netzwerken.

Harte Ansagen auch zur Migration: „100 Prozent der syrischen Staatsbürger“

Nicht nur die deutsche Außenpolitik steht bei Weidel im Fokus. Auch in der Migrationspolitik legt sie nach: Ihrer Meinung nach sollten „100 Prozent der syrischen Staatsbürger“ Deutschland verlassen. Gleiches fordert sie für Afghanen und Ukrainer – letztere, sobald „der Konflikt beendet“ ist. Insgesamt, schätzt sie, beträfe das „vier Millionen“ Menschen. Dieses Konzept würde die Bundesrepublik umfassend verändern.

Mit solchen Zahlen sorgt Weidel für Wirbel. Die Zahl „vier Millionen“ nennt sie explizit im Podcast-Interview. Das Echo darauf reicht von Empörung bis Zustimmung – und treibt die Debatte um Integration und Heimatgefühl weiter an. Politische Gegner werfen der AfD in diesem Zusammenhang eine bewusst polarisierende Strategie vor, während Unterstützer einen konsequenten Kurs erkennen wollen.

Zudem weist sie darauf hin, dass Deutschland durch den Ukraine-Krieg „ins Visier“ geraten könne. Erwähnt wird auch ein Vorfall mit Drohnen auf dem Leipziger Flughafen, den Weidel nicht direkt Russland, sondern eher einem mutmaßlichen ukrainischen Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines zuordnet – für sie ein Grund mehr, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Medienberichte hatten zu diesem Vorfall verschiedene Spekulationen angestellt, doch Weidel mahnt an, solche Anschuldigungen nie ohne stichfeste Beweise öffentlich zu erheben und verweist auf fehlende klare Indizien für eine russische Verantwortung.

Die Migrationsthematik bietet auch parteiintern Gesprächsstoff: AfD-nahe Kreise setzen zunehmend auf „Germany First“ und sprechen sich gegen großzügige Bleiberechtsregelungen aus. Die teils scharfen Aussagen Weidels werden von Sozialverbänden hingegen als integrationsfeindlich kritisiert.

Spagat zwischen Europapolitik und innerparteilichen Kurskorrekturen

Auch die Euro-Debatte bleibt nicht ausgespart. Während Weidel die Forderung nach einem Euro-Ausstieg als „Mythos“ abtut, kursierte diese lange im Grundsatzprogramm der Partei – bis zur Bundestagswahl 2025. Erst Anfang Oktober 2026, so berichten verschiedene Medien, habe ein Strategiepapier eine Kursänderung angestoßen.

Selbst vor bekannten politischen Mitstreitern macht Weidel keinen Halt: Marine Le Pen, Chefin des Rassemblement National, bekommt eine Breitseite. Ihre Vorschläge zur Staatsverschuldung sieht Weidel als bequem, Frankreich als Profiteur „deutscher Gelder“ aus der EU. Das Interview mit The Economist wird dort als „rhetorisches Judo“ eingestuft – wenig Substanz, viele verbale Schachzüge.

Im AfD-internen Diskurs war das Thema Euro-Ausstieg jahrelang umstritten. Nach dem Strategiewechsel bleibt Weidel bei ihrer Linie: Wirtschafts- und Geldpolitik müsse auf eigene Stärke und Unabhängigkeit ausgerichtet sein, statt sich durch europäische Solidarität zu binden. Ob das Ende des Euro-Ausstiegs in der Programmatik wirklich stabil bleibt, ist allerdings weiterhin offen. Politische Beobachter erwarten für die kommenden Monate neue Diskussionen, nicht zuletzt aufgrund der dauerhaften Krisen in der EU und der deutschen Wirtschaft.

Verwendete Quelle:

Ukraine-Krieg: „Können Sie mir einen Beweis nennen, dass Selenskyj an Frieden interessiert ist?“, fragt Weidel beim „Economist“ - WELT

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