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Veröffentlicht am 18/06/2026 um 10:20 von der Redaktion

„Ervah“ und Identität Warum tragen viele jüdische Frauen eine Perücke

Viele kennen es vor allem von orthodoxen und chassidischen Jüdinnen: Das Tragen einer Perücke, genannt Sheitel, ist ein spannendes Symbol. Doch was steckt eigentlich dahinter und warum entscheiden sich viele Frauen gerade für diese Form der Bedeckung?

Die Sheitel ist für viele praktizierende jüdische Frauen ein fester Bestandteil ihres Alltags und ihrer Identität. Sie ist weit mehr als nur ein Accessoire oder ein Mittel, die eigene Schönheit zu betonen – sie symbolisiert Glaube, Familie und die Einhaltung religiöser Vorschriften. Die Wurzeln dieser Tradition liegen tief in der religiösen Vorschrift der Halakha: Nach jüdischem Religionsgesetz sollen verheiratete Frauen ihre Haare in der Öffentlichkeit bedecken. Das Haar gilt als eine intime Schönheit, die ausschließlich für den Ehemann bestimmt ist. Besonders eindrücklich belegt ist dieser Brauch im Talmud, Traktat Ketubot 72a, mit dem Begriff „ervah“, der bedeutet, dass die Haare einer verheirateten Frau als eine Art Nacktheit betrachtet werden.

Mehr als Tradition – Die Sheitel und ihre moderne Vielfalt

Heute wählen viele Frauen zwischen mehreren Arten der Kopfdeckung: klassische Perücke (Sheitel), Half Wig, Tichel (Kopftuch) oder Turban. Die Perücke bietet dabei für viele den Vorteil, jüdische Identität mit einem modernen Lebensstil zu verbinden. Frauen, die Wert auf Eleganz legen, entscheiden sich oft für hochwertige Echthaarperücken, die teilweise handgefertigt werden und natürlich wirken. Die Haltung zu Perücken ist allerdings nicht einheitlich: Einige Rabbiner sehen die Sheitel kritisch, weil sie den natürlichen Haaren sehr ähnlich ist oder zu auffällig wirkt. Die Debatte innerhalb der Gemeinden zeigt, wie vielfältig die Auslegung und Umsetzung der Tradition sein kann.

Weltweite Verbreitung und eine spezialisierte Industrie

Das Bedecken der Haare bei verheirateten jüdischen Frauen ist weltweit verbreitet, insbesondere in Europa, Israel, den USA und Nordafrika. Aufgrund der starken Nachfrage ist eine eigene Industrie für die Herstellung von koscheren Perücken entstanden. Diese reicht von kleinen Spezialgeschäften bis hin zu handgefertigten Maßanfertigungen. Das Angebot ist vielfältig: klassische Vollperücken – so genannte „Sheitel Classic“ –, Half Wigs mit ergänzendem Stirnband oder moderne Haarsysteme aus echtem Haar. Für viele Frauen ist die Wahl der Kopfbedeckung eine persönliche Entscheidung, die den Stolz auf die eigene Herkunft und den Glauben symbolisiert. Die Tradition ist damit nicht nur eine religiöse Verpflichtung, sondern auch Ausdruck von Identität und Beständigkeit – gerade in einer Welt, die sich ständig verändert.

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Warum tragen jüdische Frauen Perücken?