Warum wurde Kaffee in der Vergangenheit in der muslimischen Welt verboten? © PIxabay
Veröffentlicht am 25/06/2026 um 10:30 von der Redaktion

Warum wurde Kaffee in der Vergangenheit in der muslimischen Welt verboten?

Im muslimischen Raum des 16. Jahrhunderts löste Kaffee eine heftige Diskussion aus. Wie konnte ein Getränk, das heute weltweiten Kultstatus besitzt, damals so umstritten sein?

„Gedichte über den Kaffee“Die Geschichte des Kaffees ist alles andere als langweilig – im Gegenteil. In Metropolen wie Mekka, Kairo oder Damaskus gewann das schwarze Gebräu im frühen 16. Jahrhundert rasant an Beliebtheit. Doch genau dieser Erfolg entfachte hitzige Auseinandersetzungen. Der Begriff „qahwa“, der arabische Name für Kaffee, wurde in mittelalterlichen Texten oft auch als poetisches Synonym für „Wein“ verwendet. Wein ist im Koran streng verboten, was viele Theologen und Geistliche alarmierte. So entwickelte sich in Damaskus eine Debatte, die nicht nur religiöse, sondern auch sprachliche und soziale Fragen berührte. War Kaffee haram – also verboten –, oder doch erlaubt? Diese Frage spaltete die Gelehrten und Dichter jener Zeit.

Kaffeegenuss oder moralische Gefahr? Die Dichter von Damaskus streiten

Im Mittelpunkt der Debatte stand Abu Al-Fath Al-Tunisi, ein nordafrikanischer Jurist und Poet, der 1576 starb. Er verfasste die „Gedichte über den Kaffee“ – Gedichte, in denen er Kaffee begeistert feierte. Seine Verse lauten auf Französisch und sind deshalb hier als Zitat belassen:

„Aus der Kaffeekanne stieg der Glanz des kostbaren Kaffees empor / Der Vollmond ihrer Tasse offenbart sich in der Dunkelheit / Wie schön sie ist, wie geschmolzener Jet!“

Für ihn symbolisierte Kaffee ein fast magisches Erweckungsritual, dessen dunkle Tasse den Geist erhellte und genussvoll war. Im krassen Gegensatz dazu steht der Dichter Nur Al-Din Al-Imriti, der bereits 1485 verstarb. Er verurteilte das Getränk streng aus moralisch-religiösen Gründen. Auch sein französisches Originalzitat bleibt unverändert:

„Gepriesen sei Gott, der seinem Volk verboten hat, / sich von jeglicher Art von berauschenden Substanzen verführen zu lassen! / Wisst, dass der berühmte Kaffee / etwas Abscheuliches und äußerst Bitteres ist.“

Diese Gegensatzpaare zeigen die Ambivalenz, mit der Kaffee damals betrachtet wurde.

Zwischen Sprachrätsel und religiöser Debatte – Kaffee auf dem Prüfstand

Was diese Auseinandersetzung besonders machte, war die Verwechslung zwischen „qahwa“ und dem verbotenen Wein. Die Gemeinsamkeiten im Wort erinnerten viele daran, dass berauschende Getränke aus religiöser Sicht tabu sind. Daraus entwickelte sich eine der spannendsten gesellschaftlichen Diskussionen des 16. Jahrhunderts in der islamischen Welt. Damals lebten Menschen in Damaskus in einem Umfeld, in dem über dieses dunkle Getränk hitzig gestritten wurde. Fragen nach Sitte und Religion trafen hier auf moderne Getränkegewohnheiten – lange bevor Kaffee zu einem weltweiten Phänomen wurde. Trotz anfänglicher Vorbehalte stieg die Beliebtheit weiter, die Debatten bleiben jedoch Symbol für kulturelle und religiöse Widersprüche dieser Zeit.

Heute wirkt es fast unvorstellbar, dass ein Getränk wie Kaffee, das weltweit in all seinen Varianten genossen wird, einst als sündhaftes „Haram“ galt. Doch diese Geschichte zeigt, wie eng Sprache, Religion und Gesellschaft manchmal verwoben sind – und wie stark neue Gewohnheiten etablierte Werte herausfordern können. Auch die politischen Eliten jener Zeit betrachteten solche Veränderungen mit Argwohn, was das Thema zusätzlich an Brisanz gewann.

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Verwendete Quelle:

Quand le café était haram