Eisige Bedrohung: Wie gefährlich sind Russlands Hyperschallraketen in der Arktis?

Es gibt neue Satellitenbilder von Hyperschallraketen in den arktischen Regionen Russlands. Die NATO ist aufgrund der wachsenden russischen Präsenz in höchster Alarmbereitschaft. Aber wie hoch ist die Gefahr wirklich?

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte bei seinem Treffen mit dem kanadischen Präsidenten Justin Trudeau, dass die verstärkte Präsenz Russlands in der Arktis eine "strategische Herausforderung für das gesamte Bündnis" darstelle.

Die russische Bedrohung in der Arktis

Er betonte dabei, dass der kürzeste Weg für russische Raketen nach Nordamerika der Nordpol sei und wies auf die wichtige die Rolle des Nordamerikanischen Luft- und Raumfahrtverteidigungskommandos (NORAD) hin.

In einem Bericht von Euro News wird Stoltenberg wie folgt zitiert:

Russland hat ein neues Arktis-Kommando eingerichtet. Es hat Hunderte von neuen, ehemals sowjetischen Militärstandorten in der Arktis eröffnet, darunter Flugplätze und Tiefwasserhäfen. Russland nutzt die Region auch als Testgebiet für viele seiner neuen Waffensysteme.

Stoltenberg zeigte sich über das russische Aufrüsten in der Arktis sehr besorgt und stellte fest, dass eine Verstärkung der amerikanischen- und kanadischen Streitkräfte unbedingt notwendig sei, um die Sicherheitsinteressen des gesamten NATO-Bündnisses schützen zu können.

Die wachsende russische Präsenz in der Arktis

Russland hat bereits vor einiger Zeit damit begonnen, stillgelegte Militärstützpunkte in den arktischen Regionen wieder in Betrieb zu nehmen und auszubauen. Besonders besorgniserregend ist dabei die Modernisierung des Militärflugplatzes Severomorsk-2 auf der nördlichen Kola-Halbinsel.

Die russische Luftwaffe hat die Arktis bereits in der Vergangenheit genutzt, um Kinzhal-Hyperschallraketen zu testen. Die Rakete Kinzhal - im Westen auch Dagger genannt - hat eine Reichweite von 1.100 Kilometern und kann entweder einen 1 Kilo-Splittersprengkopf oder einen 500-Kilotonnen-Atomsprengkopf tragen. Zudem beschleunigt sie auf mehr als das Zehnfache der Schallgeschwindigkeit, was sie nahezu unaufhaltbar macht.

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Russisches Poseidon-U-Boot im arktischen Meer Alexyz3d@Getty Images

Gleichzeitig rüstet die russische Armee aber auch ihre maritimen Streitkräfte in der Arktis auf. Die Nordflotte besteht aus atomgetriebenen Raketen- und Torpedo-U-Booten, Flugkörpern und U-Boot-Abwehr-Flugzeugen sowie Schiffen mit Raketen-, Flugzeugträger- und U-Boot-Abwehr-Fähigkeiten.

Zu den Waffen, die von der Nordflotte getestet werden, gehören auch die Poseidon-U-Boote. Dabei handelt es sich um 50 m lange, nuklear angetriebene Tauchroboter, die mit Poseidon-Hyperschalltorpedos ausgestattet sind. Diese sind so schnell, dass sie sich völlig unbemerkt an der Küstenverteidigung der USA vorbeischleichen könnten.

Eine Gefahr, die nicht unterschätzt werden sollte

Hyperschallwaffen sind viel schwieriger zu verfolgen und abzufangen als herkömmliche Geschosse, da sie sich mit mehr als zehnfacher Schallgeschwindigkeit fortbewegen und während des Fluges manövrieren können.

Nicht umsonst erklärte der dänische Verteidigungsnachrichtendienst in seinem jährlichen Risikobewertungsbericht, dass sich zwischen Russland, den Vereinigten Staaten und China ein großes Machtspiel abzeichne, das die Spannungen in der arktischen Region verschärfe und eine Gefahr für die gesamte Welt darstelle.

Die Vereinigten Staaten und die NATO haben daher bereits auf die Aufrüstung reagiert, indem sie sowohl amerikanische B-1 Lancer-Bomber als auch das U-Boot Seawolf in dem Gebiet stationierten. Ein hoher Beamter des amerikanischen Außenministeriums sagt gegenüber CNN:

Es gibt eindeutig eine militärische Herausforderung durch die Russen in der Arktis. Das hat Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, nicht zuletzt, weil es den Russen die Möglichkeit gibt ihre militärische Macht auf den Nordatlantik zu auszuweiten.

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