Schlaf: Warum wir selbst nach (zu) viel Schlaf noch müde sind

Anders als man meinen könnte, ist zu langer Schlaf nicht gleichbedeutend mit viel Erholung. Im Gegenteil: Wenn wir zu viel schlafen, fühlen wir uns müde, schlapp und haben häufig Kopfschmerzen. Woran liegt das? Wir haben die Erklärung.

Schlaf: Warum wir selbst nach (zu) viel Schlaf noch müde sind
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Schlaf: Warum wir selbst nach (zu) viel Schlaf noch müde sind

Was für ein Genuss, am Wochenende nach einer harten Arbeitswoche mal so richtig ausschlafen zu können. Wie wäre es mit zehn, elf, vielleicht sogar zwölf Stunden Schönheitsschlaf?

Weit verbreitetes Irrtum

Wenn ihr am nächsten Morgen taube Glieder, müde Augen und Kopfschmerzen habt, dann liegt es wohl daran, dass es wohl einfach ein bisschen zu viel Schlaf gewesen ist.

Diesen Zustand nennt man im Englischen "sleep drunkenness" und er kommt vom Gefühl her einem Kater nach dem Feiern sehr nah. Doch wie kommt es dazu?

Was ist der zirkadiane Rhythmus?

Wenn ihr versuchen möchtet, eurem Schlafmangel mit einer Extraportion Schlaf entgegenzuwirken oder ihn nachzuholen, dann bringt ihr wohl oder übel eure innere Uhr, oder besser gesagt, euren zirkadianen Rhythmus durcheinander.

Dieser wird von dem sogenannten Nucleus suprachiasmaticus, einem Kernbereich des Gehirns aus gesteuert, welcher sich im Hypothalamus befindet.

Funktionen des Kernbereichs

Dieser Bereich des Gehirns ist für zahlreiche Körper- und Verhaltensfunktionen zuständig, wie zum Beispiel die Regulierung vom Hungergefühl, dem Fortpflanzungstrieb oder dem Wärmehaushalt.

Die Funktionsweise der tausenden im Nucleus suprachiasmaticus vorhandenen Neuronen hängt mit dem Licht zusammen, das unsere Augen wahrnehmen. Wenn die optischen Nerven morgens Licht wahrnehmen, senden die Zellen des Hypothalamus chemische Signale an den Rest des Organismus, damit dieser aufwacht.

Zu viel Schlaf stört eure innere Uhr

Wenn ihr nach einer "normalen" Nacht, also etwa sieben bis acht Stunden Schlaf, aufwacht, nimmt eure Körpertemperatur zu, euer Gehirn wird aktiv und eure Organe nehmen den Betrieb auf.

Nach wenigen Stunden sind eure kognitiven und physischen Fähigkeiten dann optimal. Doch was passiert, wenn wir zu lange schlafen? Selbst wenn ihr erst um Mitternacht schlafen geht und um elf Uhr aufsteht, beginnen eure Zellen schon zwischen sieben und acht Uhr mit ihrer täglichen Routine.

Zu langer Schlaf ist gesundheitsschädigend

Dadurch kommt euer zirkadianer Rhythmus vollkommen durcheinander. Ihr fühlt euch durcheinander, genau wie bei einem Jetlag. Doch damit nicht genug: Ihr seid nicht nur ungewöhnlich müde, auch eure Gesundheit kann langfristig darunter leiden.

Mehrere Studien bestätigen diese These. Forscher der Harvard Medical School haben herausgefunden, dass zu viel genau wie zu wenig Schlaf zu Gedächtnisstörungen führen kann.

Darüber hinaus steigt das Risiko von Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und sogar Depressionen. Menschen, die zu wenig schlafen, sind von diesen Gefahren noch stärker betroffen.

Tipps für einen erholsamen Schlaf

In einem Blog-Beitrag der Harvard Medical Schoolgibt Dr. Howard LeWine einige Tipps, wie ihr euren nächtlichen Schlaf so optimieren könnt, dass ihr nach sieben oder acht Stunden erholt seid.

Überlegt euch eine Abendroutine: Nehmt zum Beispiel eine Stunde vor dem Schlafengehen ein nicht allzu heißes Bad. Und ihr solltet es vermeiden, im Bett fernzusehen oder an eurem Laptop zu arbeiten.

Wenn ihr nicht einschlafen könnt, steht auf, geht in ein anderes Zimmer und sucht euch eine entspannende Beschäftigung, zum Beispiel Lesen. Doch steht dann morgens nicht später auf, um diesen Schlafmangel zu kompensieren.

Auf den richtigen Sport kommt es an

Wenn ihr könnt, macht morgens etwas Sport. Abends solltet ihr Dehnübungen bevorzugen und zu extremes Training vermeiden, um Muskeln und Geist zu entspannen.

Geht nicht hungrig oder mit vollem Bauch schlafen. Wenn ihr beim Schlafengehen noch einen kleinen Hunger verspürt, dann dürft ihr euch noch einen leichten Snack genehmigen.

Koffein und Alkohol sind tabu

Außerdem solltet ihr Koffein ab 14:00 Uhr vermeiden. Und entgegen der häufigen Auffassung hilft Alkohol nicht beim Einschlafen. Besser vermeidet ihr es, nach dem Abendessen zu trinken.

Allgemein gilt: Je gemütlicher euer Bett und ruhiger sowie dunkler euer Zimmer, desto besser schlaft ihr auch. Zu lange Nickerchen am Tag sind übrigens strengstens verboten. Setzt stattdessen auf 20- bis 30-minütige Power-Naps um die Mittagszeit herum.

Krankheitsbedingte Schlafstörungen

Wenn diese Methoden bei euch nicht funktionieren und ihr es nicht schafft, weniger als acht Stunden zu schlafen, solltet ihr Rat bei einem Arzt zu suchen. Womöglich leidet ihr an Narkolepsie, auch Hypersomnie genannt.

Das ist eine chronische Schlafstörung, die sich durch extreme Müdigkeit auszeichnet. Diese neurobiologische Erkrankung hindert den Körper daran, das Müdigkeitsgefühl zu regulieren, sodass man immer mehr schlafen möchte oder in unangemessenen Momenten einfach einschläft.

Auch eine idiopathische Hypersomnie könnte die Ursache sein. Diese seltene Erkrankung macht sich durch ein dauerhaftes Müdigkeitsgefühl bemerkbar. Der Schlaf betroffener Personen ist, auch wenn er lang ist nicht erholsam.