Vladimir Putin 24-06-2023 © Photo by Unknown on Wikimedia Commons — https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vladimir_Putin_24-06-2023.jpg
Veröffentlicht am 08/06/2026 um 11:20 von der Redaktion

„freiwillige“ Unternehmensbeiträge: Wie Putin jetzt seine Oligarchen zur Kasse bittet

Russlands Elite blickt nervös Richtung Kreml, denn seit Kurzem herrscht für Oligarchen und Unternehmer eine neue Spielregel: Wer reich ist, kann plötzlich alles verlieren. Wie weit wird Wladimir Putin gehen, wenn er Geld für den Krieg braucht?

Stell dir vor, dein Vermögen kann in Russland von einer Minute zur anderen einfach verschwinden. Genau das geschieht aktuell, denn Vladimir Putin setzt verstärkt auf Enteignungen, um das milliardenschwere Haushaltsloch durch den anhaltenden Krieg gegen die Ukraine zu stopfen. Immer öfter geraten gerade solche Unternehmer und Superreiche ins Visier, die als zu staatsnah oder als in Korruptionsskandale verstrickt gelten. Seit den Angriffen auf die Ukraine 2022 hat sich die Anzahl der Enteignungsfälle laut Bloomberg auffällig erhöht: Über 100 Mal schlug der russische Staat schon zu.

Putins Geldquellen: Ex-Oligarchen, „freiwillige“ Zahlungen und das Ende der Verjährung

Der finanzielle Druck auf das Land ist gewaltig, das zeigen auch neue Gesetze und Richtungsentscheidungen. Mit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts 2024 wurde die Anwendung der üblichen zehnjährigen Verjährungsfrist bei Korruptionsfällen von Amtsträgern aufgehoben. So kann der Staat nun auch nach vielen Jahren noch auf Vermögen zugreifen, das in Verbindung mit Amtsmissbrauch gebracht wird. Das Risiko für Russlands Elite ist enorm gestiegen.

Die nackten Zahlen lassen aufhorchen: 2025 holte sich der russische Staat 1,1 Billionen Rubel (rund 12,9 Milliarden Euro) aus Enteignungen mit Korruptionsbezug – achtmal mehr als im Vorjahr, rechnen die Experten der Kanzlei Nektorov, Saweliew & Partner vor. Zum Vergleich: 2024 waren es noch etwa 129 Milliarden Rubel. Besonders auffällig ist das Beispiel von Wadim Moschkowitsch, dem 59-jährigen Gründer des Agrarkonzerns Rusagro. Seine Vermögenswerte wurden eingefroren, seine Russagro-Beteiligung beschlagnahmt. Die Vorwürfe? Er habe als Senator seine Macht ausgenutzt, um sich Wirtschaftsvorteile zu sichern. Ähnlich erging es Konstantin Strukow, 67, dessen Besitztümer 2025 konfisziert wurden – und das mit der Begründung, er habe Teile seines Reichtums auf illegalem Weg erworben.

Oligarchen im Zugzwang: Milliardenbeträge sollen „freiwillig“ in Putins Kriegskasse fließen

Es herrscht spürbare Unsicherheit unter Milliardären und Unternehmern, insbesondere jenen, die relevante Kontakte zur Politik pflegen oder gepflegt haben. Mindestens fünf der zwanzig reichsten Russen waren oder sind im Staatsdienst aktiv – darunter der frühere Tschukotka-Gouverneur Roman Abramowitsch und Andrej Gurjew, ehemaliges Mitglied des Föderationsrats und ehemaliger Chef von PhosAgro. Selbst eine Offerte aus eigenem Antrieb schützt offenbar nicht ganz: Der einflussreiche Senator Suleiman Kerimow soll im März 2026 während einer nicht-öffentlichen Runde Putin angeboten haben, satte 100 Milliarden Rubel (umgerechnet 1,2 Milliarden Euro) für den Staatshaushalt zu lockermachen. Seine Idee: Das Budget müsste künftig regelmäßig durch „freiwillige“ Unternehmensbeiträge gestützt werden.

Der Kreml kalkulierte ursprünglich für das ganze Jahr nur gerade 1,7 Milliarden Rubel (etwa 20 Millionen Euro) an solchen Zahlungen ein. Am Ende waren es jedoch schon 220 Milliarden Rubel (2,6 Milliarden Euro) – fast 130-mal so viel wie ursprünglich kalkuliert, wie ein Blick ins staatliche Finanzportal zeigt. Das verdeutlicht: Der Druck ist enorm, der Begriff „freiwillig“ bekommt immer mehr einen bitteren Beigeschmack.

Wie lange bleibt Privatbesitz in Russland noch sicher?

Die Botschaft ist deutlich: Wer in Russland über ein großes Privatvermögen verfügt – egal, ob aus Wirtschaft oder Politik – lebt derzeit gefährlich. Die Angst, Hab und Gut von heute auf morgen zu verlieren, zieht sich durch das gesamte Netzwerk der Superreichen. Enteignungen, Strafverfahren und die Möglichkeit, auch längst vergangene „Verfehlungen“ neu aufzurollen, sorgen für eine Atmosphäre ständiger Unsicherheit. Wie weit Putins Kurs noch geht, ist offen – und für viele in der russischen Elite scheint die berühmte goldene Brücke in den Westen endgültig unterbrochen.

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Verwendete Quelle:

Enteignungen in Russland: Jetzt geht Wladimir Putin seinen Oligarchen ans Geld