Leif-Erik Holm — Wikimedia Commons © Superbass — Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) — https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2024-05-28-Leif-Erik_Holm-Hart_aber_fair-5368.jpg
Veröffentlicht am 21/09/2026 um 10:30 von der Redaktion

“Was für eine Aufholjagd” Mecklenburg-Vorpommern wählt und sorgt für ein politisches Erdbeben

Im Nordosten hat die Landtagswahl 2026 mit einem echten Paukenschlag für Gesprächsstoff gesorgt. Wer liegt vorne, wie lief die Stimmabgabe ab und was bedeuten die Ergebnisse jetzt für die Parteienlandschaft?

Wahltag in Mecklenburg-Vorpommern – und das Interesse war so hoch wie lange nicht mehr. Schon früh am Sonntagmorgen, Punkt 8 Uhr, öffneten die Wahllokale im dünn besiedelten Bundesland. Für 1,3 Millionen Wahlberechtigte hieß es: Stimme abgeben. Erstmals durften bereits 16-Jährige an eine Landtagswahl ran – für viele ein historisches Ereignis. Bis 18 Uhr blieb Zeit, um die beiden Stimmen zu vergeben, danach begann die Auszählung. Laut dem Landeswahlleiter lag die Wahlbeteiligung bis 14 Uhr schon bei kräftigen 40,7 Prozent – deutlich mehr als zu ähnlichen Zeiten in 2021 oder 2016. Am Ende des Abends lag die Beteiligung vorläufig bei 78,1 Prozent, während bei der letzten Wahl 2021 noch 70,8 Prozent den Gang zur Urne gemacht hatten.

AfD triumphiert, SPD gibt sich kämpferisch

Die große Überraschung des Abends: Die AfD wurde mit 38,2 Prozent stärkste Kraft – sie verdoppelte ihr Ergebnis und sicherte 22 von 36 Direktmandaten. In vielen ländlichen Regionen lag sie klar vorne, zum ersten Mal zieht sie als größte Fraktion in den Landtag ein. Leif-Erik Holm (AfD) feierte:

„Wir haben hier den Regierungsauftrag“, und zeigte vor Siegeswillen: „dass wir unser Land wieder auf Vordermann bringen.“

Dennoch bleibt die AfD isoliert – alle anderen Parteien lehnen eine Koalition strikt ab.

Die SPD holte 35,5 Prozent und zeigte sich trotzdem optimistisch. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verteidigte ihr Direktmandat in Schwerin mit satten 54,4 Prozent und frohlockte:

„Was für eine Aufholjagd“.

Trotz Platz zwei sieht sie für sich „gute Aussichten im Amt zu bleiben“ – mit den Linken (6,5 Prozent) und Grünen (5,7 Prozent) wäre eine rot-rot-grüne Koalition rechnerisch drin. Die Grünen schafften erstmals seit Jahren wieder den Sprung in den Landtag.

CDU erlebt Absturz, BSW und FDP draußen

Die CDU erlebte ein Stück Parteigeschichte – und zwar die bittere: Mit 4,9 Prozent rutschte sie unter die Sperrklausel. Für den Landeschef Daniel Peters war das eine „krachende Niederlage“. Er stellte klar:

„Ich lade überhaupt keine Schuld nach Berlin ab“.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „Desaster“ und betonte:

„Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld... Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“

Damit scheidet die CDU erstmals seit Gründung der Bundesrepublik aus dem Landtag Mecklenburg-Vorpommerns aus. Die nuova BSW scheiterte knapp mit 4,8 Prozent, ebenso die FDP, die nur 1,0 Prozent holte.

Was bedeuten die Zahlen für die Zukunft?

Ein Machtwechsel bleibt trotz AfD-Sieg erst mal aus: Koalitionen sind nur ohne sie möglich. Das Bündnis von SPD, Linken und Grünen hätte eine stabile Mehrheit und könnte Manuela Schwesig im Amt halten. AfD-Spitzenkandidat Holm bleibt zwar der Macht ganz nahe, aber die anderen Parteien blocken Gespräche komplett ab. Alice Weidel (AfD-Chefin) stellte fest:

„Wir haben die CDU als Volkspartei verdrängt.“

Die Präsenz der AfD gibt ihr immerhin eine Sperrminorität, womit sie etwa Richterwahlen beeinflussen kann.

Die Wahl galt auch bundespolitisch als Lackmustest nach den jüngsten Erfolgen der AfD in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis hat heftige Debatten in Berlin ausgelöst: Im CDU-Präsidium unter Friedrich Merz folgten am Wahlabend Krisengespräche. Auch das Internationale Auschwitz Komitee blickt sorgenvoll auf den AfD-Erfolg:

„Dass gerade in Deutschland Wählerinnen und Wähler Rechtsextremen Regierungsmacht übertragen wollen, mutet viele Menschen in Europa geradezu grotesk an.“

Dietmar Bartsch (Linke) gibt sich kämpferisch:

„Die AfD wird hier nicht regieren, und das ist gut. Das ist ein großer Schritt für die Demokratie.“

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Verwendete Quelle:

Entscheidung im Nordosten: Alle Daten zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern