CDU-Ministerin: "Lebensmittel in Deutschland sind zu günstig"
Die Preise im Supermarkt sind niedrig – aber um welchen Preis für unsere Bauern? Christine Schneider von der CDU spricht offen über ein Problem, das nicht nur ihre Heimat Rheinland-Pfalz betrifft.
Seit Jahren beobachten Experten und Politiker einen heiklen Widerspruch: Viele Deutsche geben in Umfragen an, regionale, nachhaltige und heimische Lebensmittel zu bevorzugen. Doch Christine Schneider, Landwirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz, bringt es klar auf den Punkt: An der Supermarktkasse zeigt sich oft ein anderes Bild. Während der Pandemie schnellte das Interesse für lokale und biologische Produkte in die Höhe – Menschen verbrachten mehr Zeit zuhause, verzichteten auf Freizeitaktivitäten und widmeten sich verstärkt der eigenen Küche.
„Mit der Corona-Pandemie haben wir einen starken Anstieg von ökologischen, vor allem auch regional produzierten Lebensmitteln gesehen“, so die Ministerin.
Wer dachte, dieser Trend würde anhalten, sieht sich laut Schneider eines Besseren belehrt:
„Leider hat es sich nach Corona genau wieder zurückentwickelt.“
Wertschätzung von Lebensmitteln: Preisfrust bei der Ministerin
Was treibt Christine Schneider um? Für sie ist das Preisniveau der Lebensmittel in Deutschland ein Kernproblem. Ihr Fazit ist deutlich:
„Wenn Lebensmittel zu günstig sind, dann geht diese Wertschätzung auch verloren.“
Sie nimmt damit Bezug auf das große Gefälle zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Schon seit Jahren stelle sie fest, dass das, was viele in Umfragen behaupten, wenig mit ihrem wirklichen Kaufverhalten zu tun hat:
„leider schon seit Jahren wahr“.
Günstige Produkte im Überfluss bedeuten aus ihrer Sicht am Ende Einbußen bei der heimischen Landwirtschaft und erschweren regionalen Bauern die Existenz.
Im europäischen Vergleich sieht Schneider Deutschland im Nachteil.
„...und wir haben in Deutschland das Problem, dass Lebensmittel im Vergleich zu anderen europäischen Mitgliedsstaaten, wenn ich es zum Durchschnittseinkommen im Vergleich gleichziehe, zu günstig sind.“
In Frankreich oder Österreich wiederum entdecke man in den Supermarktregalen überwiegend Produkte aus dem eigenen Land.
Regionale Produkte: Einst Hype, jetzt Ladenhüter?
Während COVID-19 rückte Regionalität wieder stärker in den Fokus – wenigstens für eine Weile. Schneider beobachtete zwar zunächst einen klaren Aufschwung bei der Nachfrage, anschließend aber zeigte sich schnell das vertraute Muster: Nach der Pandemie habe sich der Trend „genau wieder zurückentwickelt“. Das Problem daran? Niedrige Preise drücken nicht nur die Margen der hiesigen Landwirtschaft, sondern auch das gesellschaftliche Bewusstsein. Die Ministerin hält wenig davon, Zwang von oben einzuführen:
„Das findet nur durch eine Bewusstseinsveränderung statt.“
Ein Ernährungspatriotismus per Erlass? Für sie weder vorstellbar noch zielführend.
Auch eine beispielhafte Zahl unterstreicht, wie weit Deutschland bei dem Thema vom Konsumentenwunsch entfernt ist. Während Schneider als Ministerin selbst ein monatliches Gehalt von ungefähr 16.500 Euro plus Spesen bezieht, bleibt der Anteil regionaler Produkte im Warenkorb vieler Verbraucher trotzdem gering. Reicht das Bewusstsein der Bevölkerung, um den Wandel herbeizuführen? Oder bleibt es beim Lippenbekenntnis, regionale Ware zu wollen, solange der Preis nicht stimmt? Die Ministerin argumentiert eindeutig: Ohne ein Umdenken in der Gesellschaft bleiben regionale Produkte das Nischenangebot.
Gerade für die Landwirte in Rheinland-Pfalz ist diese Entwicklung spürbar: Sie sehen sich steigenden Kosten und sinkender Nachfrage nach ihren Produkten gegenüber. Die Diskussion um Preise und Wertschätzung ist deshalb mehr als ein politisches Thema – sie betrifft den Alltag vieler Familienbetriebe und die Vielfalt der regionalen Lebensmittel im ganzen Land.
Supermarkt-Auswahl: Frankreich und Österreich machen vor, was möglich ist
Ein Blick ins Ausland zeigt aus Schneiders Sicht, dass es anders geht. In österreichischen und französischen Supermärkten seien heimische Produkte Standard, keine Ausnahme. Schneider sieht genau dort das Ziel: Mehr „Bewusstsein und Wertschätzung in der Bevölkerung für die Produktion von gesunden Lebensmitteln schaffen". Die Kritik der CDU-Politikerin ist also nicht nur ein finanzpolitischer Appell, sondern auch eine Einladung an die Konsumenten, über ihr Einkaufsverhalten nachzudenken.
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Verwendete Quelle:
„Haben in Deutschland das Problem“ - Ministerin findet Lebensmittel zu billig