„Undemokratischstes, was es gibt“ – interne Vorwürfe gegen die AfD NRW um Brandmauern und Geldregeln
Ein Parteibrief mit Sprengkraft: In Nordrhein-Westfalen bringt der Bundestagsabgeordneter Manuel Krauthausen schwere Vorwürfe gegen die AfD NRW ans Licht. Was steckt hinter dem Streit um angebliche „Brandmauern“ und die ominöse 35-Prozent-Regel?
Es brodelt gewaltig in der nordrhein-westfälischen AfD. Die Vorwürfe, die Bundestagsabgeordneter Manuel Krauthausen jetzt gegenüber seinem eigenen Landesverband erhebt, haben es in sich. Sein Thema: interne „Brandmauern“ zwischen rivalisierenden Lagern – und geheime Geldflüsse, die ein falsches Spiel andeuten. Ins Rollen kam alles, als Alice Weidel in einem ZDF-Sommerinterview erklärte:
„Undemokratischstes, was es gibt“.
Gemeint war damals die politische Brandmauer gegen die AfD. Tags darauf beschwerte sich Krauthausen in einem brisanten Brief an die Bundesführung über ähnliche Praktiken in der eigenen Partei. Ein ungewöhnlicher Schritt, der für offene Konflikte sorgt.
Interne Fronten und Vorwürfe in der AfD NRW
Krauthausen schildert in seinem neunseitigen Schreiben an die AfD-Spitze gravierende interne Probleme. Nach seinem Einzug in den Bundestag 2025 sei er direkt vereinnahmt worden: Er dürfe sich laut Kollegen nur im Umfeld von Landeschef Martin Vincentz engagieren, Kontakt zu Anhängern von Matthias Helferich sei unerwünscht. Beispielhaft schildert Krauthausen ein Ereignis aus dem Februar desselben Jahres. Damals habe ihn ein Vertrauter von Vincentz massiv unter Druck gesetzt, seinen Büroleiter Thomas Springer zu entlassen. Der Grund: Springer habe angeblich für das Helferich-Lager gearbeitet. Sogar ein „Verräter“-Schild sei an die Tür geheftet worden. Vincentz widerspricht den Darstellungen gegenüber BILD:
„Ich habe Krauthausen nie bedrängt. Ich empfahl ihm nur, dass sich sein Büroleiter politisch zurückhält.“
Noch ein weiteres Beispiel für die Spannungen: Im Juni soll Krauthausen sich auf Wunsch von Stefan Keuter für ein gemeinsames Instagram-Foto mit Helferich entschuldigen. Auch das weist Keuter gegenüber BILD zurück:
„Das hat sich so nicht zugetragen.“
Das Klima wird zwischen den Lagern damit immer rauer. Krauthausen fühlt sich offenbar ausgegrenzt. In seinem Brief berichtet er, andere Abgeordnete hätten ihm angedeutet, er solle sich zurückhalten und sich nicht mit der Gruppe rund um Helferich zeigen. Immer wieder wird deutlich, wie sehr der Konflikt zwischen den Kreisen Vincentz und Helferich die Stimmung innerhalb der NRW-AfD prägt.
Angebliche „Schwarze Kasse“ und die 35-Prozent-Regel
Ein weiterer Zoffpunkt: das Geld. Krauthausen wirft Vincentz vor, er habe 2025 verlangt, dass 35 Prozent seines monatlichen Mitarbeiterbudgets – rund 9500 Euro – an die Partei abgeführt werden sollten. Mit diesem „Auffangnetz“ sollten angeblich alte Mandatsträger weiterbezahlt werden. Doch auch hier kontert Vincentz:
„Das ist Unsinn! Es ging nie um eine verbindliche Regelung.“
Noch pikanter: Während Krauthausen behauptet, es gebe mindestens zwei Bundestagskollegen aus NRW, die nach dieser 35-Prozent-Regel verfahren, veröffentlichten 14 Abgeordnete Mitte August eine gemeinsame Erklärung und stellten klar, dass solche Absprachen nicht existieren. Auch Keuter kommt auf den Instagram-Vorfall zu sprechen: „Das hat sich so nicht zugetragen“, betont auch AfD-Politiker Stefan Keuter, der laut Krauthausen verlangt haben soll, er solle sich für ein Foto mit Helferich entschuldigen. Im Mittelpunkt stehen immer wieder gegenseitige Vorwürfe: Die einen sprechen von informellen Absprachen und ungeschriebenen Gesetzen, die anderen sehen reine Fiktion. Die Atmosphäre bleibt angespannt, während beide Seiten auf ihre Sicht pochen.
Wer klärt die Wahrheit? Die Bundesführung prüft die Vorwürfe
Das letzte Wort in dieser Affäre ist nicht gesprochen. Der interne Streit sorgt an der Spitze der Partei für Unruhe: Laut Quelle wurde entschieden, die von Krauthausen erhobenen Vorwürfe durch eine Kommission des Bundesvorstands prüfen zu lassen. Offen bleibt, bei wem am Ende die Wahrheit oder zumindest die Deutungshoheit liegt. Klar ist nur: Der NRW-Landesverband der AfD ist von tiefen Gräben durchzogen – die politische Auseinandersetzung findet längst nicht mehr nur nach außen, sondern offen auch im Inneren statt. Die Untersuchung der Kommission dürfte zeigen, wie es in diesem Machtkampf weitergeht.
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Verwendete Quelle:
AfD NRW: Krauthausen beklagt „interne Brandmauern“