Bringt Sahra Wagenknecht die AfD an die Macht?
Mitten im Superwahlherbst 2026 rückt das BSW um Sahra Wagenknecht ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Könnte der Linksrutsch der Partei tatsächlich der AfD den Weg ins Machtzentrum ebnen?
Neue Gesichter, alte Fronten: Knapp drei Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin steht das BSW im Rampenlicht der politischen Spekulationen. Nach enttäuschenden Ergebnissen – das Verpassen des Einzugs in den Bundestag und Niederlagen bei darauffolgenden Landtagswahlen – wirkt das Projekt von Sahra Wagenknecht angeschlagen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass das BSW teils deutlich unter fünf Prozent pendelt und auf der Kippe steht, überhaupt in die kommenden Landtage einzuziehen. Doch gerade diese Lage macht die strategischen Entscheidungen des jungen Bündnisses besonders spannend.
Neue Bündnisse: „Wir haben Ideen“ und keine Brandmauer mehr?
Traditionelle Koalitionslinien scheinen zu bröckeln: Statt sich klar von der AfD zu distanzieren, streut Sahra Wagenknecht gezielt Zweifel an der alten „Brandmauer“. Bei einer Veranstaltung in Halle an der Saale sagt sie offen:
„Wir haben Ideen“.
Während etablierte Parteien wie CDU und SPD auf Distanz bedacht sind, wirbt Wagenknecht für sogenannte „Bürgerregierungen“, mit wechselnden Mehrheiten – ein Konzept, das viele als Einladung zur Zusammenarbeit mit der AfD interpretieren.
Im parteiinternen Kurs zeigt sich die neue Linie deutlich: Es gibt eine klare Anweisung von Wagenknecht, im Wahlkampf auf keinen Fall CDU oder SPD zu unterstützen. Eine Entscheidung, die der Parteivorstand laut Quelle auch geschlossen übernommen hat. Und mit dem Slogan „Mit einer Stimme für das BSW wird die Brandmauer abgewählt.“ – ein Zitat, das sie auch bei Bild bekräftigte – wird die Angriffsposition öffentlich auf den Punkt gebracht.
AfD als Profiteur? Chancen und Risiken einer möglichen Kooperation
Der politische Zündstoff liegt dabei auf der Hand: Sollte das BSW trotz schwacher Umfragen doch in einen oder mehrere Landtage einziehen, könnte es zum entscheidenden Faktor für Mehrheiten werden. So kratzt beispielsweise die AfD laut Umfragen in Sachsen-Anhalt an rund 42 Prozent, die SPD kommt hier gerade einmal knapp über sechs Prozent hinaus. Die Möglichkeit, dass ausgerechnet das BSW durch Enthaltung oder punktuelle Zusammenarbeit das Zünglein an der Waage spielt und einer AfD-geführten oder -gestützten Regierung den Rücken stärkt, versetzt die übrigen Parteien in Alarmstimmung.
Die AfD selbst hält sich alle Türen offen. Ein Sprecher von Alice Weidel betont: Die Partei wolle „keine Option ausschließen“. Und auch Amira Mohamed Ali, eine der Führungsfiguren des BSW, schreibt auf X unverblümt:
„Wenn sich die Mainstream-Parteien eine Allparteien-Koalition zusammenzimmern wollen, die nur das Ziel hat, die AfD zu verhindern, werden sie das ohne uns machen müssen.“
Der Machtpoker läuft also auf Hochtouren.
Politologe schlägt Alarm: Kooperation wahrscheinlich, aber keine formelle Koalition
Was realistischerweise von diesem strategischen Flirt zu erwarten ist, schätzt der Politologe Benjamin Höhne von der TU Chemnitz nüchtern ein:
„Man sollte sich auf jeden Fall auf das Szenario einer wie auch immer gearteten AfD-BSW-Kooperation einstellen.“
Für ihn liegen die Gemeinsamkeiten der beiden Parteien vor allem in der Außen- und Sicherheitspolitik, beim Klima, bei Kultur- und Migrationsfragen, während die AfD sich im Sozialen dem BSW annähern müsste:
„Nur im Sozialen müsste sich die AfD dem BSW annähern.“
Dennoch glaubt Höhne nicht an eine offene Koalition, sondern tippt eher auf „niedrigschwellige“ Kooperationen – etwa, dass das BSW eine AfD-Minderheitsregierung punktuell durch Parlamentsentscheidungen stützt oder bestimmte Gesetze gemeinsam verabschiedet werden. Auch für das BSW birgt dieser Kurs Risiken: Die ursprünglich als Protestpartei gedachte Kraft könnte durch den Flirt mit der AfD zur ernsthaften Bedrohung für die demokratischen Leitplanken im Osten werden – oder an den eigenen Spagatversuchen zerbrechen.
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BSW öffnet Tür für Zusammenarbeit: Bringt Sahra Wagenknecht die AfD an die Macht?