"Ich zweifle, ob die Freiwilligkeit ausreicht" – Steinmeier über das neue Wehrdienstmodell © @bundespraesident.steinmeier
Veröffentlicht am 21/05/2026 um 10:45 von der Redaktion

"Ich zweifle, ob die Freiwilligkeit ausreicht" – Steinmeier über das neue Wehrdienstmodell

Der Bundespräsident äußert deutliche Zweifel am neuen Wehrdienstmodell und wirft die Frage auf: Reicht die Freiwilligkeit aus oder steht Deutschland vor einer Rückkehr zur Wehrpflicht?

Seit Anfang 2026 bewegt sich einiges in Deutschland, wenn es um die Bundeswehr und das Engagement junger Menschen geht. Frank-Walter Steinmeier spricht im Podcast "Vorangedacht" von t-online offen das aus, was viele beschäftigt: Das freiwillige Wehrdienstmodell könnte zu kurz greifen. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes am 1. Januar wurden zahlreiche Fragebögen an gerade volljährige Männer verschickt. Doch reicht das, um die Lücken in der Truppe zu schließen? Die Zahlen geben Anlass zur Sorge, denn der Präsident sagt klar:

"Ich zweifle, ob die Freiwilligkeit ausreicht."

Die Herausforderung des freiwilligen Wehrdienstes

Nach Angaben der Bundeswehr haben bislang "knapp 72 Prozent" der angeschriebenen Männer den Fragebogen zurückgesendet, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland meldet. Frauen können zwar ebenfalls antworten, sind aber nicht verpflichtet. Das Ziel der CDU/SPD-Koalition ist es, mehr Personal für die Bundeswehr zu gewinnen. Steinmeier macht jedoch unmissverständlich klar:

"Wenn sich herausstellen sollte, dass die Freiwilligkeit, die wir gegenwärtig im Dienstrecht der Bundeswehr verankert haben, nicht ausreichen wird, um auf eine notwendige Personenzahl der Soldatinnen und Soldaten zu kommen, dann wird die Debatte über die Wehrpflicht wieder aktuell werden."

Die Option für einen Pflichtdienst bleibt also präsent.

Engagement über die Bundeswehr hinaus

Anlässlich des Jahrestages des Grundgesetzes am 23. Mai rückt die Initiative „Der Ehrentag“ vom 18. bis 30. Mai das Ehrenamt in den Fokus. Steinmeier betont in einer Videoansprache: "Ganz Deutschland krempelt die Ärmel hoch" und hebt damit hervor, dass Engagement vielfältig sein kann. Es geht nicht nur um den Dienst in der Bundeswehr, sondern auch um Einsätze im sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereich. Zum Thema Dauer einer möglichen Verpflichtung sagt Steinmeier:

"Zwischen sechs Monaten und einem Jahr kann ich mir vorstellen. Das kann im sozialen Bereich sein, das kann auch bei der Bundeswehr sein, das kann im Kulturellen oder Ökologischen liegen. Die Bereitschaft eines jeden Menschen, einen kleinen Teil seiner Lebensarbeitszeit bereitzustellen, um für das gemeinsame Ganze etwas zu tun, darum geht es mir."

Militärische Stärke und Diplomatie – Steinmeiers Außenpolitische Mahnung

Im selben Podcast warnt Steinmeier vor einer einseitigen Gewichtung militärischer Stärke in der Außenpolitik.

„Ich würde mir wünschen, dass wir eine erwachsene Haltung zu dem Thema militärische Stärke und außenpolitische Diplomatie finden. Wir brauchen immer beides.“

Vor allem angesichts der Bedrohung durch das Regime von Putin rüstet Deutschland auf – doch Steinmeier mahnt, dass Diplomatie nicht in Vergessenheit geraten darf:

"Heute habe ich manchmal den Eindruck, dass es nur noch um militärische Stärke geht und dass Diplomatie und klassische Außenpolitik zu gering geschätzt werden. Eine erwachsene Haltung heißt für mich, dass wir beides brauchen und beides möglichst effektiv und möglichst selbstbewusst handhaben."

Die verlorene Chance am Atomabkommen mit Iran

Steinmeier setzt sich auch kritisch mit der Iran-Politik auseinander.

"Es ist gerade zehn Jahre her, dass es nach achtjährigen Verhandlungen, von denen ich sechs Jahre beteiligt war, gelungen ist, ein Abkommen mit dem Iran zu schließen, in dem der Iran nicht nur auf die Entwicklung der Nuklearbombe verzichtet hat, sondern den Nachweis führen musste, dass er tatsächlich auch nicht im Geheimen an solchen Entwicklungen arbeitet."

Doch 2018 kündigte US-Präsident Donald Trump das Abkommen. Steinmeier äußert seine Enttäuschung:

"Was mich an der Auseinandersetzung über den Iran und den Iran-Krieg am meisten enttäuscht und fast wütend macht, ist die Tatsache, dass es nicht lange her ist, dass viele der Meinung waren, dass Präsident Trump ja nichts anderes übriggeblieben wäre, als diesen Krieg an der Seite Israels zu führen, weil diplomatische Möglichkeiten nichts genutzt hätten."

Für ihn steht fest:

"Deshalb kann ich nicht verstehen, dass rückwirkend behauptet wird, diplomatische Möglichkeiten hätten nichts genutzt. Es wäre gut gewesen, wir hätten diese Vereinbarung beibehalten. Die Konsequenzen, die wir jetzt sehen, hätten nicht sein müssen. Das ist ein unnötiger Krieg, den wir dort führen."

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Verwendete Quelle:

Wehrdienst in Deutschland: Steinmeier zieht neues Modell in Zweifel

Steinmeier fordert "erwachsene Haltung" deutscher Außenpolitik