„Es ist ganz komisch“ - Kroos kritisiert Ex-Klub © Toni Kroos
Veröffentlicht am 03/09/2026 um 13:30 von der Redaktion

„Es ist ganz komisch“ - Kroos kritisiert Ex-Klub

Toni Kroos schaut aus Madrid kritisch auf seinen ehemaligen Verein Bayer Leverkusen. Was stört den Ex-Weltmeister am Transfer-Sommer seines einstigen Lieblingsklubs?

Die Bundesliga ist an große Namen gewöhnt, aber wenn Toni Kroos über seinen Ex-Verein spricht, hören viele genauer zu. Im Podcast „Einfach mal Luppen“, den er gemeinsam mit seinem Bruder Felix betreibt, hat Kroos jetzt überraschend scharfe Worte zur Führung und dem Transferverhalten von Bayer Leverkusen gefunden. Für Kroos, der von Januar 2009 bis Sommer 2010 das Leverkusener Trikot trug und damals seinen Durchbruch feierte, fühlt sich vieles beim Werksklub aktuell irgendwie fremd an. Schon damals schätzte er die ruhige, sachliche Art des Vereins. Umso bemerkenswerter sind seine Aussagen, die deutlich machen, wie stark sich Leverkusen aus seiner Sicht verändert hat. Als ehemaliger Weltmeister und erfahrener Real-Profi ist Kroos nicht irgendein Kommentator, sondern jemand, dessen Einschätzung Gewicht hat – insbesondere, wenn es um jene Phase geht, in der für ihn als Spieler alles begann und die bis heute eine Art sportliches Zuhause geblieben ist.

Nach seiner aktiven Zeit in Leverkusen folgten die großen internationalen Stationen – doch auch aus der Ferne beobachtet Kroos genau, was sich bei seinem alten Klub so abspielt. Es ist bei weitem nicht nur Nostalgie, wenn er sich kritisch äußert, sondern das spürbare Bedürfnis, einen für ihn wichtigen Verein auf dem richtigen Kurs zu sehen. Für viele Fans und Beobachter ist es daher besonders spannend, Kroos’ Perspektive zu hören: Wie fühlt sich der „Außenblick“ eines Weltmeisters auf den einstigen Wegbegleiter an? Wie viel persönliches Engagement und Hoffnung steckt noch in seiner Beobachtung? Immerhin wurde er in Leverkusen zum Nationalspieler, stieg zum Leistungsträger auf und prägte die Bundesliga mit.

Kroos wundert sich über Transfer-Strategie

Es ist kein Geheimnis, dass Kroos Bayer Leverkusen schon immer liebte für deren stabile Spielweise und den klaren fußballerischen Ansatz. Doch die Ereignisse der vergangenen Monate sorgen für Stirnrunzeln – auch bei ihm:

„Ich fand es ein komisches Transferfenster von Leverkusen, muss ich sagen. Es war auch eine komische Kommunikation irgendwie.“

Vor allem kritisiert der Ex-Profi, dass Rob Andrich „komplett rasiert“ werde, „um gleichzeitig aber auf der Position zwei Spieler zu verkaufen.“ Gemeint ist der Wechsel von Exequiel Palacios (27) zu Ipswich und die Verpflichtung des erst 17-jährigen Kennet Eichhorn als Nachfolger. Kroos fragt sich, ob das so sinnvoll ist:

„Weiß ich nicht … Also, es ist ganz komisch.“

Dass auf einer so zentralen Position zuerst gehandelt wird, während gleichzeitig Leistungsträger ersetzt werden müssen, bleibt für Kroos ein echtes Rätsel. Die unterschiedliche Herangehensweise der Verantwortlichen – mal zögerlich, mal überhastet – passt für seinen Geschmack einfach nicht zum Bild des „ruhigen“ und „konstanten“ Bayer, mit dem er einst die Bundesliga aufmischte.

Dass die Saison zuvor als Enttäuschung galt, trägt zusätzlich zum gespannten Klima im Verein bei. Die Stimmung ist gereizter als sonst, Fans und Experten beobachten den neuen Weg mit Skepsis. Kroos spricht damit vielen aus der Seele, denen plötzlich die gewohnte Handschrift in Leverkusen fehlt. Gerade in Zeiten von Transfers, Personalwechseln und einer noch unsicheren Zukunft wünscht er sich mehr Kontinuität und Wiedererkennung von den Verantwortlichen. Das Publikum ist schließlich nicht dafür bekannt, jede neue Entscheidung blind abzunicken – und ein Ex-Profi wie Kroos lässt sich sowieso kein X für ein U vormachen.

Trainerwechsel, Unruhe und ein neues Gesicht an der Seitenlinie

Die Vorsaison war ohnehin nicht ruhig: Zwei Trainerwechsel unterstreichen laut Kroos, dass Leverkusen seinen Kurs verloren hat. Seit Neuestem steht nun Carles Martínez (42), ein Spanier, an der Seitenlinie – die jüngste Episode einer turbulenten Zeit. Für Kroos, eigentlich ein Fan der „Unaufgeregtheit“ und des „weisen Entscheidens“ bei Bayer, ist der Wandel spürbar. Er sagt:

„Für Leverkusen habe ich immer ein Faible, weil sich die Spielweise nie geändert hat, weil sie eigentlich immer einen fußballerischen Ansatz haben. Und das mag ich.“

Doch diese Ruhe sehe er aktuell nicht mehr:

„Ungewöhnlich. Für mich stand da schon immer Konstanz oder eine gewisse Unaufgeregtheit in Leverkusen. Gefühlt ist diese weise Entscheidungsfindung in dem letzten Jahr so ein bisschen abhandengekommen. Ich finde das keine überragende Entwicklung.“

Betrachtet man das vergangene Jahr, muss sich Leverkusen mit diesen Einschätzungen durchaus auseinandersetzen – immerhin verlor man nicht nur Spieler, sondern auch eine klare Linie.

Besonders die Verpflichtung eines weiteren spanischen Trainers nach den vorangegangenen Wechseln sorgt unter langjährigen Fans für Gesprächsstoff. Einerseits bedeutet frischer Wind manchmal neue Impulse, andererseits, so Kroos, steht Bayer Leverkusen eigentlich für einen ganz anderen Fußball als das, was aktuell geboten wird. Die Unruhe auf dem Trainerstuhl, die für Kroos so untypisch ist, lässt Zweifel wachsen: Ist der eingeschlagene Weg gut überlegt oder eher Aktionismus? Ein festes Fundament scheint im Moment zu fehlen. Fans fragen sich: Kann Mannschaft und Management zur alten Souveränität zurückfinden oder droht noch mehr Durcheinander?

Urlaub in Griechenland: Kroos und die „To-go-Box“

Nicht nur auf dem Rasen, auch abseits davon spricht Kroos offen über seine Alltagssorgen. Im selben Podcast teilte der 36-Jährige eine herrlich menschliche Urlaubsgeschichte aus Griechenland: Er habe beim Hotelfrühstück nach einer To-Go-Box gefragt, weil seine beiden Kinder im Ferienhaus mit seiner Frau geblieben waren. Das sorgte für einige Blicke – und Unbehagen beim Weltmeister. Kroos beschreibt die Szene so: Er wollte nicht als der Gast gelten, der das „letzte Croissant“ klaut. Aber dem Hunger der Kids wollte er dennoch gerecht werden. Solche kleinen Geschichten machen Kroos nahbar und zeigen, dass auch Ex-Profis ganz normale Alltagsdilemmata erleben.

Der Blick auf das scheinbar Banale gibt genau dem Toni Kroos, den man aus dem Fernsehen kennt, eine sympathische, alltagsnahe Seite. Fans erleben ihn nicht nur als knallharten Profifußballer und Meinungsführer, sondern als Familienvater, der genauso wie alle anderen manchmal in peinliche Situationen schlittert. Seine Offenheit, auch solche Momente zu erzählen, sorgt dafür, dass ihn die Menschen nicht vergessen – weder auf noch neben dem Platz. Vielleicht zeigt sich gerade darin die größte Konstanz beim Menschen Toni Kroos: Ehrlich, transparent und ohne jede Star-Allüre, egal ob es um Transfers, Trainer oder Frühstücksboxen geht.

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