„Roboter laufen den Menschen erstmals davon“ Halbmarathon in Peking überrascht alle

In Peking haben Roboter mit menschlichem Aussehen beim Halbmarathon für Schlagzeilen gesorgt und nicht nur alle menschlichen Teilnehmer hinter sich gelassen, sondern gleich noch den Weltrekord gebrochen. Schafft es die Technik jetzt wirklich, uns davon zu laufen?

„Roboter laufen den Menschen erstmals davon“ Halbmarathon in Peking überrascht alle
© Andy Wong
„Roboter laufen den Menschen erstmals davon“ Halbmarathon in Peking überrascht alle

Kaum zu glauben: Noch vor Kurzem galten Roboter beim Laufen als absolute Exoten, die bestenfalls wackelig ein paar Meter schafften. Beim Halbmarathon im Pekinger Stadtteil Yizhuang, der am Sonntag stattfand, hat sich das Bild radikal geändert. Über 300 humanoide Roboter traten gegen mehr als 12.000 Menschen auf separaten Streckenabschnitten an – und setzten eine neue Bestmarke. Der Roboter „Blitz“ von der chinesischen Smartphone-Marke Honor absolvierte die 21 Kilometer in neuer Rekordzeit: 50 Minuten und 26 Sekunden. Laut dem chinesischen Staatssender CCTV entspricht das einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 25 km/h. Kein Mensch – auch nicht der amtierende Rekordhalter Jacob Kiplimo aus Uganda – war je so schnell. Sein Weltrekord lag seit März 2026 bei 57 Minuten und 20 Sekunden in Lissabon und wurde damit klar unterboten.

Roboter überholen Menschen – und sich selbst

Es gab neben Blitz noch weitere Teilnehmer: Über 100 Teams aus Firmen und Universitäten ließen ihre Entwicklungen starten, ein Vielfaches mehr als noch im Vorjahr. Besonders spannend: Die Fernsteuerung spielt zunehmend eine Nebenrolle. Fast 40 Prozent der Roboter liefen diesmal ganz ohne menschliche Hilfe, basierend auf autonomen Algorithmen und ausgefeilten Navigationssystemen. Bei der Wertung zählt dieser Aspekt: Obwohl eine ferngesteuerte Version von Blitz sogar nach 48 Minuten und 19 Sekunden ins Ziel kam – trotz Sturz – ging der offizielle Sieg an die autonome Variante. Wegen eines Zeitzuschlags für die Fernsteuerung wurde die Zeit des unbemannten „Blitz“ als Siegerzeit gewertet. Laut Berichten kamen viele Roboter schon deutlich vor den schnellsten menschlichen Läufern ins Ziel.

Von der Lachnummer zum Stresstest der Technik

Wie rasant die Entwicklung verläuft, zeigt der Vergleich: 2025 war es noch eine kleine Sensation, wenn überhaupt ein Roboter durchhielt – damals schaffte der Schnellste die Strecke in 2 Stunden und 40 Minuten, viele Maschinen konnten nicht bis zum Ende durchhalten. Diesmal stürzten manche Roboter zwar noch oder streiften Bordsteine, aber das Gros bewältigte die 21 Kilometer erstaunlich flüssig. Lorenzo Masia von der Technischen Universität München bezeichnete den Halbmarathon als "stresstest", in dem Engpässe bei Batterie, Motorisierung, Echtzeitsteuerung und Fehlertoleranz deutlich werden. Auch für den Veranstalter ist die Veranstaltung eine PR-Schau: Die Regierung von Peking trimmt die Roboterbranche zum Wirtschaftsfaktor und sieht die humanoiden Maschinen schon als „wichtige Säule“ künftiger Wirtschaftsentwicklung.

Wofür laufen die Roboter wirklich?

Der Mensch als Konkurrenz der Maschinen? Für manche klingt das noch nach Science Fiction, doch der Alltag ist gar nicht mehr so fern. Der Experte Liu Xingliang sieht Anwendungen für Roboter im Haushalt, der Pflege älterer Menschen oder bei Rettungseinsätzen. Auch Stimmen am Streckenrand wunderten sich weniger über den Rekord selbst, sondern mehr über die Konsequenzen und fragten sich, ob Roboter bald ganz selbstverständlich in riskanten oder aufwendigen Berufen zu finden sein werden. Medien zeigen humanoide Maschinen in China längst als Tänzer, Boxer oder als Assistenten beim Kung-Fu. Der Halbmarathon diente also nicht nur als Wettlauf, sondern vor allem als Schaufenster für die nächste industrielle Revolution. Die Konkurrenz der Entwickler – darunter auch viele ausländische Hochschulen – sorgt für einen Innovationsschub, den nicht nur Peking genau beobachtet. Und spätestens jetzt wird deutlich: Das Rennen ist längst viel mehr als ein PR-Gag.

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Verwendete Quelle:

Humanoider Roboter in China gewinnt Halbmarathon gegen Menschen

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