Das Ende der chinesischen Seekuh: Dugongs sind scheinbar ausgestorben

Seefahrer alter Tage hielten Dugongs einst für Meerjungfrauen. Doch nun drängt der Mensch die sanften Meeressäuger auf unheimliche Weise in das Reich der Fantasie.

Neue Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Dugongs in dem Land seit den 1970er Jahren rapide zurückgeht. Seit 2008 werden keine Beweise mehr für den Fortbestand der Dugongs gefunden. Die Tiere sind weltweit durch menschliche Aktivitäten wie Fischfang, Schiffskollisionen und den Verlust ihres Lebensraums bedroht.

Auf der Suche nach den Dugongs: Sind sie wirklich ausgestorben?

In Zusammenarbeit mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, haben Forscher:innen der Zoological Society of London Erhebungen durchgeführt und historische Verbreitungsdaten der Tiere verglichen. Die Ergebnisse der Studie geben allerdings wenig Grund zur Freude.

Professor Samuel Turvey, Mitautor der Studie, sagt:

Das wahrscheinliche Verschwinden des Dugong, in China, ist ein verheerender Verlust. Ihr Fehlen wird sich nicht nur auf die Funktion des Ökosystems auswirken, sondern auch als Weckruf dienen.

Alles deutet stark darauf hin, dass die Zahl der Dugongs dramatisch zurückgegangen ist, sodass sie jetzt in China praktisch ausgestorben sind. Diese Bezeichnung "praktisch ausgestorben" wird für Lebewesen vergeben, die aus den Fossilienaufzeichnungen verschwinden oder für die es keine Sichtungsmeldungen mehr gibt.

Nichtsdestotrotz bedeutet diese Bezeichnung nicht, dass es gar keine Dugongs mehr in China gibt, sondern lediglich, dass die Population nicht mehr lebensfähig ist.

Warum sind Dugongs vom Aussterben bedroht?

Dass gewisse Tierarten aussterben, ist keine Seltenheit. Allerdings würde es sich in diesem Fall um das erste funktionale Aussterben eines großen Wirbeltiers in chinesischen Meeresgewässern handeln.

Im Fall der Dugongs liegen die Ursachen für ihren Rückgang wahrscheinlich bei der Jagd, dem Verfangen in Fischereigeräten sowie der Zerstörung von Seegraswiesen - ihrer wichtigsten Nahrungsquelle. Aus diesem Grund warnen die Forschenden:

Dieser rasche, dokumentierte Zusammenbruch der Dungong-Population ist auch eine ernüchternde Mahnung, dass ein lokales Aussterben innerhalb kürzester Zeit erfolgen kann.

Nach Angaben des UN-Umweltprogramms verschwinden weltweit jährlich etwa sieben Prozent der Seegras-Vorkommen durch Landwirtschaft, Überfischung und Umweltverschmutzung.

Der Verlust von Seegras - in erster Linie aufgrund der Verschmutzung durch die Landwirtschaft - ist auch eine Bedrohung für die amerikanischen Seekühe, welche mit den Dugongs verwandt sind.

Forschende warnen vor großem Massenaussterben sämtlicher Meerestiere

Einer anderen Studie zufolge könnten bis zum Jahr 2100 fast 90 Prozent aller Meerestiere stark vom Aussterben bedroht sein, wenn der Mensch die Treibhausgasemissionen nicht eindämmt.

Ein Forscherteam unter der Leitung der Dalhousie University in Kanada hat die Klimarisiken von fast 25.000 Arten untersucht, die in den obersten 100 Metern des Ozeans leben.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil des Planeten bis zum Jahr 2100 verschwinden wird, wenn die Verschmutzung der Umwelt nicht reduziert wird oder gar ansteigt.

Dies würde ein Massensterben von Tausenden von Tieren, Pflanzen und Bakterien bedeuten, die in den Weltmeeren zu Hause sind. Eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß.

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