Intersexuell: Was bedeutet das eigentlich genau?
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Intersexuell: Was bedeutet das eigentlich genau?

Von Sarah Kirsch

LGBTQ+ Themen werden in der heutigen Gesellschaft immer offener besprochen und diskutiert, auch wenn es immer noch einiges an Nachholbedarf gibt in Sachen Toleranz und Gleichberechtigung. Ein erster Schritt in die Richtung, ist es, sich mit den verschiedenen Begrifflichkeiten auszukennen. Wir erklären euch, was Intersexualität ist.

Es gibt dazu grundsätzlich verschiedene Definitionen und Wahrnehmungen, die sich deutlich unterscheiden. Auf der einen Seite gibt es die durch die Weltgesundheitsorganisation herausgebrachte Internationale Klassifikation der Krankheiten, ICD-10 oder neu ICD-11, wonach Intersexualität in den Bereich "Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien" fällt.

Auf der anderen Seite lehnen viele intersexuelle Menschen diese Einordnung als "Krankheiten" ab und begreifen sich als Intersex, intersexuelle oder eben intergeschlechtliche Menschen. Dieses Verständnis für intersexuelle Menschen ist auch endlich in der Politik angekommen (mehr dazu siehe Video).

Intersexualität als Begriff wurde bereits 1915 geprägt

Wenn man das Lateinische "inter" (zwischen) nimmt und mit "sexus" (Geschlecht) verbindet, müsste man sprachlich korrekt eher von Zwischengeschlechtlichkeit sprechen. Richard Goldschmidt, ein auf dem Gebiet forschender Genetiker, wollte damit dem Umstand Rechnung tragen, dass bei Intersex eine Kombination oder Mischung aus Phänotypen (= durch Erbanlagen und Umwelteinflüsse geprägtes Erscheinungsbild eines Organismus), die idealtypisch für Mann oder Frau gelten, gegeben sind.

Er spricht von einer wechselnden Balance zwischen sog. "Männlichkeits- und Weiblichkeitsbestimmern". Im weiteren Umfeld gibt es auch andere, etwa auf die Chromosomen abzielende Theorien zur Einteilung von Intersexualität. Doch die einzige Person, die wirklich bestimmen kann, welches Geschlecht er*sie hat, ist die intersexuelle Person selbst. Auch, ob er*sie sich in seiner Intersexualität am besten fühlt und weiter als divers gelten will.

Inwiefern ist Intersexualität von Transsexualität abzugrenzen?

Wenn man von Transsexuellen spricht, dann geht es dabei um Menschen, die sich im falschen Geschlecht geboren fühlen und sich in Wirklichkeit als Mann oder Frau wahrnehmen. Ihr Ziel ist es, die soziale sowie körperliche Angleichung an das wahrgenommene Geschlecht zu erreichen.

Intersexualität hingegen beschreibt Menschen, bei denen Geschlechtsorgane oder andere Phänotypen nicht in der Form ausgebildet sind, als dass sie zweifelsfrei als Mann oder Frau wahrgenommen werden können. Man geht in Deutschland davon aus, dass 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung intersexuell ist.

Welche Ursachen hat Intersexualität?

Es ist biologisch absolut möglich, dass es mitunter schwerfällt, Geschlechtsorgane eindeutig zuzuordnen und darauf basierend eine Einteilung in männlich oder weiblich vorzunehmen. Das liegt ganz einfach daran, dass sich weibliche und männliche Geschlechtsorgane im Embryo aus den gleichen Anlagen bilden – es kann dabei zu chromosomalen Variationen kommen, die etwa als Turner-Syndrom, Klinefelter-Syndrom oder Chimärismus bekannt sind.

Zudem gibt es hormonelle Variationen, wonach es etwa zur Brustentwicklung bei Männern kommen kann oder aber einer sehr stark ausgeprägten Körperbehaarung bei Frauen. Man nennt dies Gynäkomastie bzw. Hirsutismus. In der Praxis ist es oftmals ein Mix aus mehreren Faktoren, der dazu führt, dass Außenstehende intersexuelle Menschen nicht einem Geschlecht fix zuordnen können.

Wie gehe ich am besten mit einem intersexuellen Menschen um?

Es ist sehr wichtig, Intersexualität als eine mögliche Form der Geschlechtlichkeit einer Person anzuerkennen und Intersex-Personen darin zu bestärken, selbst darüber zu bestimmten, als welches Geschlecht sie leben wollen oder ob sie weiterhin als zwischengeschlechtlich gelten wollen.

Ein respektvoller Umgang miteinander, wie auch mit jedem anderen Menschen, sollte dabei selbstverständlich sein. Doch leider haben nach wie vor viele intersexuelle Menschen mit Vorurteilen und Unverständnis zu kämpfen, nicht zuletzt in ihrem unmittelbaren Umkreis.

Oftmals werden intersexuelle Menschen durch ihre Familie in ein bestimmtes Geschlecht gedrängt, was zu mangelnder Selbstakzeptanz führen kann und entsprechende Probleme mit sich bringt.

Am ehesten daher der Ratschlag: Lerne intersexuelle Menschen ohne Vorurteile und ergebnisoffen kennen und stelle die Fragen, die dir auf dem Herzen liegen - natürlich nur, wenn dein Gegenüber damit einverstanden ist. Oftmals nennen sich intersexuelle Menschen auch selbst Zwitter oder Hermaphrodit, weil sie die vorherrschende medizinische Einteilung strikt ablehnen.

Etwas völlig anderes bedeutet dagegen die Bezeichnung pansexuell, die wir in diesem Artikel erläutern.


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