Tendenz steigend: Jeder dritte Schmerz hat keine organische Ursache

Ein Großteil der chronischen Erkrankungen gehen auf eine psychosomatische Schmerzstörung zurück. Doch woran erkenne ich, ob ich betroffen bin? Und an wenn sollte ich mich wenden, um Hilfe zu erhalten?

Eine internationale Studie belegt, dass etwa jeder Sechste unter chronischen Schmerzen leidet. Doch dabei sind die Ursachen zur Entstehung der Schmerzen zumeist nicht organisch, sondern psychisch bedingt.

Experten schätzen, dass bei einem Großteil der erwachsenen Patienten psychosomatische Ursachen Schuld an dem chronischen Schmerz haben. Doch was ist das überhaupt?

Chronische Erkrankungen wegen psychischer Ursachen

Halten die Beschwerden für mehr als sechs Monate an, gelten sie als chronisch oder permanent. Kann der Arzt per Ultraschall oder anderer hochmoderner Techniken eine organische Ursache ausschließen, ist er mit seinem Latein schnell am Ende.

Dann muss sich der Betroffene an einen Psychiater wenden. Doch selbst diese tun sich mit einer Diagnose schwer. Dr. Hagemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt gegenüber der Bild:

Da seelischer und körperlicher Schmerz im selben Gehirnzentrum verarbeitet werden, ist es mitunter schwierig, das eine vom anderen zu trennen.

Dann müssen sich die Psychiater auf die Suche nach möglichen Ursachen für die Schmerzen machen. Dazu zählen beispielsweise genetische Veranlagung, Stress, persönliche Verluste, traumatische Erfahrungen (besonders in der Kindheit) und unbewusste Konflikte.

Hat der Patient eine der aufgezählten Erfahrungen in letzter Zeit gemacht, ist es ein starkes Indiz, dass er unter einer psychosomatische Schmerzstörungen leidet.

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Körperlicher und seelischer Schmerz wird im gleichen Gehirnzentrum verarbeitet.  Doug Armand@Getty Images

Schmerztherapie hilft - wenn der Patient sie annimmt

Leider ziehen sich Betroffene oft zurück und versuchen, den permanenten Schmerz in ihrem Leben auszublenden. Das ist besonders schade, da Schmerztherapien heutzutage so weit fortgeschritten sind, dass psychosomatische Beschwerden gut behandelbar sind. Stattdessen bestimmen für viele Patienten die Beschwerden ihr Leben. Hagemann schildert:

Ich ziehe mich zurück, nehme nicht mehr an Aktivitäten teil und werde im Extremfall zur Belastung für mich und andere, was bis hin zu massiven sozialen Problemen führen kann (Arbeitsplatzverlust, Trennung etc.).

Ziehen sie einen Experten zu Rate, kann dieser gemeinsam mit dem Patienten die Ursache des andauernden Schmerzes identifizieren, verstehen und schließlich dagegen vorgehen. Doch dafür ist es notwendig, früh auf professionelle Hilfe zurückzugreifen.

Auch wenn bei einer chronischen Schmerzsymptomatik oft keine völlige Symptomfreiheit erreicht wird, so sind doch meist eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Erweiterung des Lebensradius möglich.
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