Impf-Desaster: Was Großbritannien besser macht als Deutschland

Während wir in Deutschland noch immer um jede Impfdosis ringen, hat Großbritannien bereits über die Hälfte aller Erwachsenen geimpft. Dieser Unterschied ist kein Zufall.

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Es wird immer deutlicher: Die EU hinkt in ihrem Impf-Vorgehen deutlich hinterher. Erst Anfang März hat sich Chile als neuer Spitzenreiter im Impfen hervorgetan.

Nun feiert auch das Vereinigte Königreich beachtliche Erfolge: Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen haben dort bereits ihre erste Impfdosis erhalten. Doch was machen die Briten anders als wir?

27 Millionen vs. 7 Millionen

Die Hälfte aller erwachsenen Briten, das sind 27 Millionen Menschen, haben im Vereinigten Königreich bereits ihre Impfung erhalten. In Deutschland sind es gerade einmal knapp 7,2 Millionen Menschen.

Die Gründe für den Erfolg der britischen Impfkampagne liegen auf der Hand: Anders als in Deutschland dürfen in Großbritannien alle impfen, die impfen können: Hausärzte, Apotheker und das Fachpersonal in Impfzentren.

In Deutschland soll bis Ende April ausschließlich in Impfzentren geimpft werden, obwohl man davon ausgeht, dass Hausarztpraxen wöchentlich 5 Millionen Dosen verimpfen könnten.

Die Briten impfen pragmatischer

Darüber hinaus läuft auch die Terminvergabe und die Benachrichtigung für die Impfung in Großbritannien geregelter und zugleich flexibler ab als in Deutschland.

Dort bekommt man Einladungen per SMS und Termine kann man online buchen. Wer an der Reihe wäre, aber keinen Termin gebucht hat, bei dem fragt der sogenannte "Immunisierungs-Management-Service" nach.

Außerdem werden die Impfdosen nicht unnötig gelagert, sondern auch spontan verimpft. Anders als in Deutschland, wo kürzlich noch 4,3 Millionen Impfdose ungenutzt in Kühlschränken standen.

Eine ausreichende Portion Mut und Zuversicht

In Großbritannien, wo es unter anderem wegen geringer Exporte kaum Lieferengpässe gibt, vertraut man darauf, dass es Nachschub geben wird, und bewahrt daher keine Impfdosen für die Zweitimpfung auf. Auch die EU will in Zukunft weniger Impfstoffe exportieren.

Außerdem setzen die Briten auf größere Abstände zwischen den Impfterminen. Ein Vorgehen, dass jüngste Studienergebnisse unterstützen: Unsere Antikörper entwickeln sich auch Monate nach einer Impfung oder Infektion noch weiter.

Die Vorteile sind größer als die Risiken

Hinzu kommt, dass die Briten risikobereiter sind als die Regierung hierzulande. Erst kürzlich ist die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff wegen möglicher Nebenwirkungen in Deutschland ausgesetzt worden. Der medizinische Regierungsberater des Vereinigten Königreichs, Jonathan Van-Tam, erklärt:

Impfstoff rettet keine Leben, wenn er im Kühlschrank liegt.

Keine besonders positive Bilanz für die EU und Deutschland, wo die einschränkenden Maßnahmen aufgrund der steigenden Fallzahlen nun wieder verschärft werden.