Kannibalismus: Was passiert im Körper, wenn du menschliches Gehirn isst?

Kannibalismus: Was passiert im Körper, wenn du menschliches Gehirn isst?

Für Zombies mag menschliches Gehirn vielleicht eine Delikatesse sein, doch für normal konstituierte Personen ist schon rein die Idee abwegig. Es ist also kein appetitliches Thema… Trotzdem ist die Frage an und für sich interessant. Was passiert mit deinem Körper, mal allein rein faktisch gesehen, wenn du Menschenfleisch oder vielleicht sogar ein menschliches Gehirn verzehrst?

Kannibalismus, das heißt der Verzehr von Menschenfleisch und ist wider die Natur, abstoßend und verabscheuenswürdig. Darum mag eine derartige Fragestellung von vornherein psychopathisch klingen. Doch rein historisch betrachtet, fehlt es nicht an Beispielen derartiger Praktiken. Aus teils faszinierenden Gründen… Und mit erschreckenden Folgen. Ein solches Beispiel von Kannibalismus und seinen historisch belegten Folgen haben wir in Papua-Neuguinea. Dort lebte der Stamm der Fore, bei dem es von jeher üblich war, aus rituellen Gründen das Fleisch verstorbener Angehörige zu verspeisen.

Verfall des Gehirns

Tatsächlich glaubten die Fore, dass ihre Verstorbenen das Reich der Toten nur dann erreichen konnten, wenn sie sie in sich selbst verwahrten. Sobald ein Angehöriger verstarb, organisierte sein Stamm ein rituelles Festmahl, um den Toten zu verspeisen. Er wurde zubereitet und gänzlich verspeist, einschließlich seiner Organe, wie dem Gehirn und seiner Genitalien. Doch dieser Brauch blieb nicht ohne Folgen. Ab der fünfziger Jahre beobachteten Mediziner eine seltsame Krankheit bei den Fore.  

Diese Krankheit äußerte sich in Form von neurologischen Störungen wie Gleichgewichtsverlust, Gangstörungen, mangelnder Bewegungskoordination und Demenz. Diese Krankheit führt innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach Auftreten der ersten Symptome zum Tod. Anhand von Fallstudien und weiterer Untersuchungen gelang es den Forschern, den Ursprung der mysteriösen Krankheit zu entdecken, die von den Einheimischen "Kuru" genannt wurde, was so viel bedeutet wie Muskelzittern. 

Kuru-Krankheit 

Bei Kuru handelt es sich um eine transmissible spongiforme Enzephalopathie, ähnlich der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, einer durch atypische Eiweiße oder sogenannte Prionen ausgelösten Erkrankung, die das Gehirn befällt, dort verhängnisvolle biochemische Prozesse auslöst, die Funktion der Nervenzellen stört und letztlich zu einer schwammartig durchlöcherten Struktur führt.

Experten zufolge kann die Inkubationszeit bis zu 50 Jahre und länger dauern. Doch sind die ersten Symptome erst einmal ausgebrochen, verschlechtert sich der Zustand des Patienten innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Angesichts des Ausmaßes der Epidemie, verzichteten die Fore, sich weiter vom Fleisch ihrer Verstorbenen zu ernähren. Auch wurde der Kannibalismus 1954 aus anderen, nicht medizinischen Gründen verboten. Daher ging die Häufigkeit der Erkrankungen wieder zurück, bis Kuru gegen Ende des Jahrhunderts endgültig verschwand. Doch bleibt die Krankheit aus medizinhistorischen Gründen weiterhin von Interesse, weil man sich von ihrer Erforschung Erkenntnisse für die Behandlung anderer degenerativer Hirnerkrankungen verspricht.

Reich an gesättigten Fettsäuren

Kuru dient häufig als abschreckendes Beispiel für die Folgen von Kannibalismus. Doch es gibt auch noch andere Gründe, aus denen Menschenfleisch nicht gesund und nicht zum Verzehr geeignet ist, und andere Krankheiten, die durch den Genuss von infiziertem Menschenfleisch übertragen werden können. Selbst gar gekocht oder gut durchgebraten, bleiben noch Mikro-Organismen aktiv, die der Hitze widerstehen und denjenigen infizieren können, der sich daran gütlich tut.

Essbares Menschenfleisch 

Doch rein theoretisch ist Menschenfleisch essbar. Von seiner Natur her ist es eher mit rotem als mit weißem Fleisch zu vergleichen, insbesondere aufgrund seines hohen Gehalts an Myoglobin, dem hämbasierten und für den intramuskulären Sauerstofftransport verantwortlichen Muskelprotein.

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Zudem ist Menschenfleisch reich an gesättigten Fettsäuren. Nährstoffen also, die der Meinung von Ernährungsspezialisten eher mit Bedacht und Mäßigung konsumiert werden sollten, weil sie nicht gut fürs Herz und die Cholesterin-Werte sind.   

Einer vor kurzem durchgeführten Studie nach soll ein erwachsener Mann aus an die 80.000 Kalorien bestehen. Ein Arm soll um die 1.800 Kalorien und ein menschliches Herz mehr als 700 Kalorien haben. Viel zu kalorienreich! Vom ernährungswissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, empfiehlt es sich daher also nicht, Menschenfleisch zu konsumieren. Mal abgesehen von den moralischen und juristischen Problemen! 

Maximilian Vogel
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