„Die Wellen des Tsunamis sollten wiederholt zuschlagen“ Wie entstehen diese Naturgewalten
Ein kräftiges Beben vor Japans Küste sorgt für Angst und viele Fragen. Was genau ist eigentlich ein Tsunami und warum kommen daraus plötzlich so gewaltige Wellen?
Plötzlich vibriert die Erde, dann eilt die Warnmeldung durch die Medien: Ein Tsunami nähert sich Japans Norden. Am 20. April 2026, genau um 10:34 Uhr französischer Zeit, rollte eine 80 Zentimeter hohe Welle in einen Hafen der Präfektur Iwate. Auch in Tokio war das Seebeben deutlich zu spüren. Hinter dieser Naturgefahr steckt ein sehr spezifischer Mechanismus, der immer wieder für bedrohliche Situationen sorgt.
Wie entsteht ein Tsunami?
Ein Tsunami entsteht meistens durch ein mächtiges Seebeben – so wie vor der Küste von Iwate: Hier bebte am Montagmorgen die Erde mit einer Stärke von 7,5 auf der Richterskala. Das ist kräftig genug, um enorme Wassermassen zu verschieben und eine Kettenreaktion auszulösen. Tsunamis können übrigens auch von Hangrutschen an der Küste, unterseeischen Erdrutschen oder sogar dem Einschlag eines Asteroiden ausgelöst werden.
Was passiert bei einem solchen Beben? Der Meeresboden hebt oder senkt sich entlang einer Bruchlinie. Die über dem Epizentrum liegende Wassersäule verformt sich, es entstehen Wellensysteme, die sich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 800 km/h ausbreiten und beim Nähern an die Küste gewaltig anwachsen. Kommt sie in Ufernähe, wird sie langsamer, aber steigt in der Höhe, weil die Energie auf weniger Platz konzentriert wird. Die Dauer eines Tsunamis reicht von wenigen Minuten bis über eine Stunde – häufig treffen mehrere Wellen nacheinander auf die Küste.
Geschichte und Risiken: Tsunamis in Zahlen
Die Wahrscheinlichkeit für einen Tsunami hängt vom Ort ab. Schon 2004 verursachte ein schweres Seebeben vor Sumatra einen der verheerendsten Tsunamis überhaupt. Die Wellen erreichten damals bis zu 30 Meter Höhe und verursachten in Indonesien über 170.000 Tote. Insgesamt kamen mehr als 250.000 Menschen ums Leben, darunter mehr als 35.000 in Sri Lanka, über 16.000 in Indien und mehr als 8.000 in Thailand.
Aber nicht jede Katastrophe entwickelt solche Ausmaße. 1958 wurde die Bucht von Lituya in Alaska von einem „Megatsunami“ getroffen: Die Welle schoss auf unfassbare 150 Meter hoch, trotzdem gab es „nur“ fünf Todesopfer. Zuletzt gab es 2023 eine Riesenwelle im grönländischen Fjord – sie war mehr als 60 Meter hoch, tötete aber niemanden.
Auch in Europa ist ein geringes, aber reales Risiko da: 2003 löste das Erdbeben von Boumerdès (Algerien) einen kleinen Tsunami an der französischen Küste aus, 1979 folgte nach einem Erdrutsch bei Nizza eine Flutwelle. Sogar 1755 drangen nach dem berüchtigten Lissabon-Beben Tsunamiwellen bis an die französischen Küsten vor.
Wie verhält man sich bei einer Tsunamiwarnung?
Ganz wichtig ist schnelles Handeln. Die Japan Meteorological Agency (JMA) kündigte mit der NHK-Kette an:
„Es ist damit zu rechnen, dass die Tsunami-Wellen mehrmals auf die Küste treffen. Verlassen Sie sichere Orte wie höher gelegene Gebiete oder Evakuierungsgebäude nicht, solange die Warnung nicht aufgehoben ist.“
Das heißt: Solange die Warnung aktiv ist, sollte niemand niedrige Gebiete oder bereits sichere Orte verlassen.
Typische Hinweise auf einen möglichen Tsunami sind starke Erdbeben in Meeresnähe sowie das plötzliche Zurückweichen des Wassers an der Küste. Wer so etwas beobachtet, sollte entweder ins Landesinnere flüchten oder sich in ein höher gelegenes Gebäude retten. Zwischen den einzelnen Wellen können Minuten oder auch mehr als eine Stunde liegen, daher gilt: Erst zurückkehren, wenn die Behörden Entwarnung geben. Bei einem Tsunami besteht akute Lebensgefahr durch eindringende Wassermassen, das Mitreißen durch Strömung und herumfliegende Trümmer – deshalb besser gut vorbereitet sein als überrascht werden!
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