Marianengraben: Forscher machen traurige Entdeckung im Ozean

Marianengraben: Forscher machen traurige Entdeckung im Ozean

30 Jahre lang haben Wissenschaftler geforscht. Eine Datenbank mit mehreren Tausend Unterwasserbildern zeigt jetzt, dass die Ozeane bis an ihre tiefsten Stellen mit Plastik verschmutzt sind. Es wurden unter anderem Rückstände von Plastiktüten im Marianengraben gefunden, einem Tiefseegraben im Pazifik, der stellenweise bis zu ca. 11.000 m tief ist.

Ist die Menschheit am tiefsten Punkt ihrer Existenz angekommen? Was den Ozean angeht, hat sie jedenfalls mit ihrer Umweltverschmutzung den tiefsten Punkt erreicht, wie eine im Magazin Marine Policy veröffentlichte Studie zeigt.

Bei ihren Forschungsarbeiten haben die Forscher der JAMSTEC (Japan Agency for Marine Earth Science and Technology) eine kolossale Menge an Unterwasseraufnahmen analysiert, die über einen Zeitraum von fast dreißig Jahren in einer Datenbank namens Deep-sea Debris Database, die im Internet frei zugänglich ist, gesammelt wurden.

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Nach etwas mehr als 5.000 Tauchgängen haben die Unterseeboote und die ferngesteuerten Tauchfahrzeuge es ermöglicht, Bilder aus den Tiefen der Ozeane an die Oberfläche zu bringen, die Bände sprechen.

Nach der Analyse dieser mehreren Tausend Unterwasserbilder haben die Wissenschaftler darauf nicht weniger als 3.425 Plastikteile gefunden, Bruchstücke aller Art, die vom Menschen hergestellt wurden und über 5 Millimeter groß nicht: Makroplastik-Teile.

Ein Großteil des Plastikmülls stammt von Einwegartikeln

Ganze 90% des gefundenen Plastikmülls stammen von Einwegartikeln aus Plastik, wie man sie heute noch immer in großen Mengen im Handel findet. Regierungen auf der ganzen Welt versuchen, sie nach und nach zu verbieten, während die Menge des Plastikmülls im Ozean sich ohne solche Maßnahmen bis 2025 verdreifachen würde.

Ein besonders schockierendes Bild, das 1998 aufgenommen wurde, zeigt das am tiefsten liegende Plastikteil, das je in einem Ozean entdeckt wurde: Eine Plastiktüte in fast 11.000 Metern Tiefe, auf dem Grund des Marianengrabens im Pazifik, also am tiefsten bisher bekannten Punkt der Erde.

Zwei Jahrzehnte trennen uns von dieser Aufnahme, und dennoch existiert das aufgenommene Plastikteil mit Sicherheit noch heute, aber in einer noch schädlicheren Form: als Mikroplastik.

Eine Bedrohung für die Meerestierwelt

Ein weiterer Beleg für die desaströsen Auswirkungen der Plastikteile in den Ozeanen auf die Umwelt ist, dass auf 17% der Aufnahmen Tiefseetiere neben dem Plastikmüll zu sehen sind. Im Übrigen sind nicht nur die Tiere in den Tiefen des Ozeans von der Verschmutzung durch Plastik betroffen.

„Da die Tiefen der Ozeane wahrscheinlich der letzte Lagerplatz der Plastikteile sind, weist der Umstand, dass sie dort häufig vorkommen und auch in den Tiefseegräben fernab der besiedelten Küstengebiete weit verstreut sind, darauf hin, dass sich große Mengen Plastikmüll in den höherliegenden Wasserschichten befinden müssen“, geben die Forscher in ihrer Studie an.

Davon zeugen zum Beispiel das tragische Schicksal eines Pottwals, der an einem Strand in Südspanien angespült wurde, nachdem er 30 Kilo Plastik zu sich genommen hatte oder das schockierende Video, das von einem Taucher vor den Küsten von Bali aufgenommen wurde und hunderte von Plastikteilen zeigt, die im Wasser schwimmen. Es gibt aber Initiativen, die anstreben, diese katastrophale Situation zu verbessern.

Sowohl politische als auch Bürgerinitiativen werden ergriffen, wie zum Beispiel das Projekt eines britischen Startups, das anstrebt, eine vollkommen bioabbaubare Flasche zu entwickeln oder ein weiteres, das vom Niederländer Boyan Slat ins Leben gerufen wurde, um die Ozeane zu reinigen. Nachdem wir den tiefsten Punkt erreicht haben, scheint es, als würde die Menschheit versuchen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und endlich ein Bewusstsein darüber zu erlangen, wie wichtig der Schutz der marinen Ökosysteme ist.

• Carina Levent
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