Warum sind Ampeln rot, gelb und grün?

Rot, gelb und grün: Woher kommen die Ampelfarben? Und warum wurden diese Ampeln überhaupt erfunden? Und vor allem: Warum wollen sie einige Kommunen um jeden Preis wieder loswerden?

Wie so oft, hilft ein Blick in die Geschichtsbücher, um unsere heutige Welt zu verstehen. Für die rote Ampel müssen wir zurück ins England des 19. Jahrhunderts reisen. Zum 10. Dezember 1868, um genau zu sein.

Eine Gaslaterne macht den Anfang

An diesem Tag soll der Ingenieur John Peake Knight auf dem Parliament Square in London eine Gaslaterne aufgestellt haben. Eine Gaslaterne mit einer Besonderheit: Zwei drehbaren Farben. Also eine gasbetriebene Lichtsignalanlage.

Die zwei Signalfarben sollen Kutschen vor der Straßenbahn schützen, und andersherum, und müssen von einem Angestellten per Dreh gewechselt werden, und zwar von Hand. Die Konstruktion ist also noch weit entfernt von unserer heutigen modernen Ampel.

Zu allem Überfluss explodiert die Gasampel drei Wochen nach Inbetriebnahme und hinterlässt keine guten Erinnerungen.

Die ersten elektrischen Ampeln

So wird es zunächst still um die Ampel. Bis etwa 50 Jahre später in Frankreich und den USA die ersten echten, elektrischen Ampeln aufgestellt werden. Als erste vollelektrische Lichtsignalanlage gilt eine Ampel, die am 5. August 1914 in Cleveland in Betrieb genommen wird. Sie hat allerdings auch wieder nur zwei Farben: Rot und Grün.

Die ersten dreifarbigen Ampeln entstehen dann 1920 in der US-Autostadt Detroit und 1922 in Paris. Berlin zieht 1924 mit einer Ampel am Potsdamer Platz nach. Und so erobert die Ampel nach und nach die motorisierte Welt: Fortan entstehen Ampeln in Prag, Helsinki, Luzern, Hamburg und Krefeld.

Doch warum nun Rot, Gelb und Grün?

Rot: Deshalb sind Ampeln rot

Die Farbe Rot scheint sich wie von selbst zu ergeben: Einfach, weil Rot eine der Farben ist, die dem menschlichen Auge am meisten auffallen. Rot ist eine klare Signalfarbe.

Selbst bei schlechtem Wetter und schlechter Sicht: Rotes Licht fällt ins Auge. Und genau das ist der Punkt bei einer roten Ampel: Sie soll möglichst nicht übersehen werden. Die Gefahr, oder die Aufforderung zum Anhalten, ist farblich klar gekennzeichnet.

Grün: Deshalb sind Ampeln grün

Und warum nun Grün? Ganz einfach deshalb, weil sich Grün im Farbkreis der Komplementärfarben auf der gegenüberliegenden Seite von Rot befindet. Nicht ganz genau gegenüber, aber so ungefähr.

Das Gehirn versteht Grün deshalb als klaren Gegensatz zu Rot. Es gibt keine Verwechslungsgefahr. Außer natürlich bei Menschen mit Rot-Grün-Schwäche.

Rot steht also für Gefahr und Stopp. Grün für “Alles ok”, Weiterfahren.

Gelb: Deshalb sind Ampeln gelb

Ihr werdet es ahnen: Im Farbkreis befindet sich Gelb genau zwischen Rot und Grün. Deshalb eignet sich die Farbe, um den Übergang von Rot zu Grün und andersherum deutlich zu machen.

Soweit zum Dreiklang der Ampelfarben. Er hat die Ampel weltweit zum Erfolgsmodell werden lassen. Weltweit? Nicht ganz: Mittlerweile wollen einige Länder und Städte die Verkehrsampel am liebsten wieder aus der Weltgeschichte streichen.

Sind Ampeln überholt?

Tatsächlich gelten Ampeln heute nicht mehr als das Nonplusultra der Verkehrsregelung. Eigentlich soll die Ampel ja den Verkehrsfluss verbessern und die Sicherheit erhöhen. Doch Studien zeigen, dass das nicht immer der Fall ist.

Harald Bode von der Straßenbaubehörde NRW erklärt, warum etwa ein Kreisverkehr oft die bessere Alternative zu einer Ampel ist. Er sagt:

Ein Kreisverkehr sorgt für einen stetigeren Verkehrsfluss, eine Ampel lässt den Verkehr pulkweise fließen.

Trotzdem gibt es in Deutschland erheblich mehr Kreuzungen mit Ampeln als Kreisverkehre.

"Shared Space": Alternative zu Ampeln und Verkehrsschildern

Die niederländische Stadt Drachten hat sich in dieser Hinsicht viel vorgenommen. Sie ist seit dem Jahr 2000 nicht nur ampelfrei, sondern verzichtet gänzlich auf Verkehrsschilder. Shared Space, nennt sich das.

Und die Bilanz kann sich sehen lassen: Der Verkehr in Drachten fließt besser und es gibt 80 % weniger Verkehrsunfälle. Warum? Weil die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer:innen, also Autofahrer:innen, Radfahrer:innen und Fußgänger:innen, mehr aufeinander achten und ein und dieselbe Regel befolgen: Rechts vor links.

Andere Kommunen sind diesem Beispiel bereits gefolgt, und wer weiß, vielleicht heißt es bald überall: Fließen im Shared Space statt Stehen an der roten Ampel.

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