Geteiltes Zypern: Erdoğan treibt Wiedereröffnung für Geisterstadt voran

Die Türkei besetzt den Norden Zyperns seit über 20 Jahren. Nun trifft der Präsident der Türkei Erdoğan eine Entscheidung, die in Zypern auf starke Kritik stößt.

"Inakzeptabler" Plan: Erdoğan will Geisterstadt wiedereröffnen
Weiterlesen
Weiterlesen

1974 besetzen türkische Streitkräfte den Norden Zyperns. Seitdem hat er sich nicht mehr aus der Herrschaft der Türkei entzogen. Jetzt kommt es zu einem weiteren Streitpunkt.

Erdoğan in Zypern

1983 wird die "Türkische Republik Nordzypern" ausgerufen. Allerdings ist die Türkei das einzige Land, dass diesen Staat anerkennt. Die türkische Invasion jährt sich dieses Jahr zum 47. Mal.

Zu diesem Anlass ist Erdoğan am Montag nach Zypern gereist, wie ntv berichtet. Er will eine Zwei-Staaten-Lösung für die Insel, in deren Süden Zyperngriechen leben.

Er pocht auf die Anerkennung der Souveränität des Nordteils durch die Regierung Zyperns. Auch die Hauptstadt Nikosia ist in einen griechischen und einen türkischen Teil geteilt.

Varosha soll wiederbelebt werden

Die Stadt Varosha, die in den 70er Jahren ein beliebtes Touristenziel war, ist heute wie ausgestorben. Erdoğan kündtigt an, sie wieder aufleben zu lassen:

Das Leben in Varosha wird wieder beginnen.

Der Küstenort wird derzeit von der Türkei regiert und liegt direkt an der Pufferzone zwischen Zyperns türkischem Nord- und dem griechischen Südteil, die die UN kontrolliert.

Die Vorgehensweise des türkischen Präsidenten wird von der Europäischen Union als "inakzeptabel" kritisiert. Die Entscheidung sei "einseitig", wie EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärt.

Auch die Regierung in Zypern bezeichnet Varosha immer wieder als "Rote Linie". Nordzyperns Präsident Ersin Tatar ist derweil bereit für die "zweite Phase" der Wiedereröffnung.

Erdoğan bietet griechischen Zyprioten, die 1974 ihr Zuhause verlassen musste, eine finanzielle Entschädigung an. An seiner Zwei-Staaten-Idee hält er fest:

Ohne die Anerkennung der Tatsache, dass es zwei Völker und zwei Staaten gibt, können keine Fortschritte erzielt werden.

Die griechischen Zyprioten seien "nicht ehrlich", weil ihr Standpunkt von der Realität losgelöst sei. Die Wiederaufnahme eines Verhandlungsprozesses im Zypern-Konflikt könne nur "zwischen zwei Staaten" erfolgen, wie ntv berichtet.

2018 gab es Probleme anderer Natur, als der türkische Präsident Deutschland besuchte und eine goldene Statue von sich selbst aufstellen ließ.