Parteien unterstützen Vorstoß für Soldaten ohne deutsche Staatsbürgerschaft

Verteidigungsminister Boris Pistorius ist bereit, Bundeswehrsoldaten ohne deutsche Staatsangehörigkeit zuzulassen. Hierbei erfährt er breite Unterstützung von der FDP und der Opposition. Doch es bleiben Fragen.

Bundeswehr, Boris Pistorius, Wehrplicht, Krieg
© Ulrich Baumgarten @GettyImages
Bundeswehr, Boris Pistorius, Wehrplicht, Krieg

Gemäß den Informationen vom letzten November dienen laut DIE ZEIT momentan über 181.000 Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr, die darüber hinaus auch mehr als 80.000 zivile Angestellte beschäftigt.

Die Bundeswehr muss wachsen

Es wird erwartet, dass bis zum Jahr 2031 die Anzahl des militärischen Personals auf 203.000 erhöht werden soll. Allerdings besteht Unsicherheit darüber, ob dieses Ziel erreicht werden kann, da allein zur Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Truppenstärke jährlich 20.000 Stellen neu besetzt werden müssen.

Es ist unwahrscheinlich, dass das Personalziel mit freiwillig Wehrdienstleistenden erreicht wird, so DIE ZEIT weiter. Laut Angaben der Bundeswehr absolvieren aktuell lediglich knapp 10.000 Menschen in Deutschland einen freiwilligen Wehrdienst von einer Dauer zwischen sieben und dreiundzwanzig Monaten.

Pistorius hat ungewöhnliche Idee

Die Truppe leidet unter einem erheblichen Personalmangel, weshalb das Verteidigungsministerium über eine unkonventionelle Maßnahme nachdenkt: Die Bundeswehr könnte auch Personen ohne deutschen Pass rekrutieren, so t-online.

Der Verteidigungsminister äußert sich dazu gegenüber dem Tagesspiegel mit den Worten: "Wir würden nicht die ersten Streitkräfte in Europa sein, die diesen Schritt gehen." Es gebe Menschen im Land, die bereits seit der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben, jedoch noch nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

Boris Pistorius wird von t-online mit folgenden Worten zitiert:

Wir widmen uns diesem Thema mit der gebotenen Gründlichkeit, stehen aber noch am Anfang.

Der Verteidigungsminister erhält Unterstützung sowohl von seiner eigenen Koalition als auch von der Opposition. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, äußert ihre Zustimmung zu dem Vorschlag, berichtet t-online.

Johann Wadephul, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, ist ebenfalls offen für die Idee, Ausländer in das Militär aufzunehmen. Laut t-online mahnt er eine gewisse Dringlichkeit an und äußert aber auch zentrale Fragen zur Organisation – Wadephul wird folgendermaßen zitiert:

Gilt diese Möglichkeit nur für Bürgerinnen und Bürger von EU- oder Nato-Staaten oder auch noch darüber hinaus? Ist die vollständige Kenntnis der deutschen Sprache nötig? Minister Pistorius selbst hat erklärt, die Bundeswehr müsse in fünf bis acht Jahren kriegstüchtig sein. Das ist in Fragen einer Personalstrategie ein furchtbar kurzer Zeitraum. Er sollte also schleunigst handeln.

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Verwendete Quellen:
DIE ZEIT: FDP und CDU unterstützen Idee von Soldaten ohne deutschen Pass
t-online: Pistorius offen für ungewöhnlichen Schritt

Nato-Bündnis: Darum rücken deutsche Soldat:innen im Ernstfall als Erste aus Nato-Bündnis: Darum rücken deutsche Soldat:innen im Ernstfall als Erste aus