„Der Entwurf wird im Juni kommen“ Friedrich Merz setzt beim Acht-Stunden-Tag den Rotstift an
Kommt das Ende des klassischen Arbeitstages? Die Debatte um längere Arbeitszeiten und das Aus für den Acht-Stunden-Tag sorgt für Wirbel – und Experten schlagen bereits Alarm.
Deutschlands Arbeitswelt könnte vor einer der größten Veränderungen seit Jahrzehnten stehen. Die Bundesregierung um Merz plant eine einschneidende Reform des Arbeitszeitgesetzes – mit möglichen Folgen bis hin zur 73-Stunden-Woche. Arbeitsministerin Bärbel Bas hat bereits am 6. Mai klargemacht:
„Der Entwurf wird im Juni kommen.“
Ziel sei es zwar, flexiblere Modelle einzuführen, aber:
„Es soll ja auch nicht ausbeuterisch werden.“
Einen echten Frieden gibt es mit diesen Ankündigungen noch lange nicht – vor allem, weil Fachleute und Gewerkschaften schon jetzt vor massiven Folgen für Gesundheit und Arbeitszufriedenheit warnen.
Was steht wirklich im Gesetz – und was könnte sich ändern?
Bislang sind die Regeln klar: Mehr als acht Stunden pro Tag darf in Deutschland grundsätzlich nicht gearbeitet werden, sagt das Arbeitszeitgesetz (§ 3). Nur in Ausnahmefällen sind bis zu zehn Stunden erlaubt – sofern die durchschnittliche Tagesarbeitszeit in sechs Monaten wieder bei acht Stunden landet. Das bedeutet maximal 48 Stunden pro Woche. Hier will die Merz-Regierung nun den Hebel ansetzen: Künftig soll nicht mehr am einzelnen Tag, sondern nur noch in der Woche die Grenze gezogen werden. Laut Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD würde dann nur noch eine maximale Wochenarbeitszeit gelten.
Von der Acht-Stunden-Grenze zur 73-Stunden-Woche? Experten rechnen vor
Was bedeutet das konkret? Die EU-Richtlinie 2003/88/EG schreibt nur einen Ruhetag pro Woche und 11 Stunden Pause pro Arbeitstag vor. Juristen zeigen: Mit einer Pause von 45 Minuten und der Ruhezeit könnten so pro Arbeitstag über 12 Stunden zusammenkommen. Wer an sechs Tagen arbeitet, schafft damit rechnerisch 73,5 Stunden in einer Woche! Zwar bleibt eine langfristige Durchschnittsgrenze von 48 Stunden bestehen, trotzdem könnten einzelne Wochen massiv ausgedehnt werden.
„Lange Arbeitszeiten von mehr als 40 Stunden in der Woche gehen mit einem hohen Risiko für das Wohlbefinden und die Gesundheit von Beschäftigten einher.“
Diese Einschätzung stammt direkt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, September 2023). Doch damit hören die Warnungen nicht auf: NGG-Chef Guido Zeitler befürchtet, das Aus für den Acht-Stunden-Tag werde zum „Brandbeschleuniger für gesundheitliche Probleme und Fachkräfteschwund“. Und Yasmin Fahimi vom DGB sagt in der Süddeutschen Zeitung ganz klar:
„Ich kann davon nur abraten. Beschäftigte könnten gezwungen werden, an einzelnen Tagen länger zu arbeiten. Sie hätten kaum eine Möglichkeit, sich einer Arbeitsanweisung von bis zu 13 Stunden zu widersetzen.“
Wer ist besonders betroffen und was steht auf dem Spiel?
Bäckereien, die Zuckerverarbeitung oder das Hotel- und Gaststättengewerbe – genau in jenen Branchen, in denen schon heute besonders hart und im Schichtdienst gearbeitet wird, stoßen die Pläne auf blankes Entsetzen. Der NGG warnt, dass die Verschärfung vor allem dort die Belastung noch weiter erhöht und wichtiger Nachwuchs vergrault werden könnte.
Doch es geht um mehr als einzelne Branchen: Mit längeren Arbeitstagen wachsen laut BAuA nicht nur Stress und gesundheitliche Risiken wie Herz-Kreislauf-Leiden oder psychische Probleme, sondern auch die Unfälle auf den Arbeits- und Heimwegen. „Risiko für Fehlhandlungen, Arbeits- und Wegeunfälle“ – so bringt es die BAuA auf den Punkt.
Die Befürworter der Reform verweisen zwar auf mehr Flexibilität und die Anpassung an europäische Vorgaben. Aber stellen sich Beschäftigte am Ende wirklich freiwillig stundenlang in die Produktion oder an den Tresen – oder wird aus der Wahlmöglichkeit Druck und Zwang?
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Verwendete Quelle:
Merz-Regierung will Aus für Acht-Stunden-Tag – Experten warnen vor drohender 73-Stunden-Woche