„Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird“, sagt Gabriel
Im TV-Studio von Markus Lanz spricht Sigmar Gabriel ungewöhnlich offen über die Krise der großen Parteien. Wie gefährlich ist das derzeitige Gezanke für SPD, Union und das ganze Land?
Ein Satz hallt nach: „Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird.“ Genau das kritisiert Sigmar Gabriel in der Sendung Markus Lanz: Statt gemeinsam Lösungen für die echten Alltagsprobleme zu finden, versinken SPD und Union laut Gabriel in gegenseitigem Misstrauen und Vorwürfen.
Vor allem geht es ihm um die erbitterten Angriffe auf SPD-Persönlichkeiten wie Manuela Schwesig oder Bärbel Bas. Bärbel Bas braucht nach dem Tod ihrer Schwiegertochter Zeit für die Trauer – dennoch reißt die öffentliche Debatte nicht ab. Gabriel findet klare Worte zur politischen Stimmung: „Sie ziehen sich gegenseitig in den Abgrund. Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird.“
Streit statt Sachpolitik? Gabriel sieht die Brandmauer wackeln
Gabriel kritisiert scharf, dass sich Union und SPD im Dauerstreit erschöpfen. In seinem Appell fordert er Zusammenarbeit: „Ich finde, dass beide Parteien zusammen regieren müssen und übrigens die SPD ein Interesse daran haben muss, dass Merz Erfolg hat.“ Gemeint ist Friedrich Merz von der CDU, dessen Erfolg für das Funktionieren der Koalition entscheidend sei.
Für Gabriel steht fest: Wer sich nur um parteiinterne Rangeleien dreht, bestraft langfristig nur das eigene Lager. Die gesellschaftlichen Folgen sind unübersehbar. Er verweist dazu auf den jüngsten Wahlerfolg der AfD: „Der Versuch, eine Brandmauer zu bauen, ist ja gescheitert, wenn 45 Prozent in einem Bundesland die AfD wählen. Also geht es ja um was anderes.“
Für Gabriel ist die Brandmauer gegen Rechts endgültig eingerissen, wenn fast die Hälfte der Bevölkerung einer Region radikal wählt. Er fragt, ob die Politik überhaupt noch versteht, was "hinter dieser Brandmauer" wirklich in der Gesellschaft los ist.
Sanierungsstau in Schulen und Wohnungsnot: Was wirklich zählt?
Das Dauerthema in Gabriels Kritik: Wichtige Alltagsprobleme wie kaputte Schulen und fehlende Wohnungen werden, so sein Vorwurf, nicht konsequent angepackt. Laut ihm gehen riesige Summen an Steuereinnahmen und neue Schulden ein – sichtbar verbessert sich aber kaum etwas: „Menschen sind ja nicht dumm, die sehen, der Staat nimmt so viel Steuern ein wie noch nie. Er macht so viel Schulden wie noch nie. Und trotzdem fehlt das Geld für die Sanierung von Schulen.“
Der SPD-Politiker nennt aktuelle Skandale um Nord Stream und die Klimaschutzstiftung als Zeichen einer verfehlten Fokussierung – statt Sachpolitik wird auf Nebenschauplätzen Konflikt gesucht. Besonders heftig trifft es dabei Manuela Schwesig, die laut Gabriel „von der Union in den letzten Jahren massivst angegriffen worden“ sei. „Man hat versucht, sie aus dem Amt zu kriegen.“
Er erinnert an frühere Politiker-Generationen, die trotz heftiger Gegensätze staatspolitisch zusammengehalten hätten. Heute sieht Gabriel akuten Reformbedarf: mehr Sinn für das Gemeinwohl, weniger Parteikalkül.
Kann die Regierung die Trendwende noch schaffen?
Am Ende formuliert Gabriel einen simplen, aber dringenden Wunsch: Orientierung am echten Bedarf der Bürger statt parteipolitischer Schaukämpfe. „Und ich glaube, dass eine Politik, die sich nur mit sich selbst beschäftigt, am Ende eben nur den Radikalen links und rechts hilft, aber nicht dem Land. Und ich hoffe, dass sie sich besinnen.“
Sein Appell an SPD und Union klingt wie eine letzte Warnung: Zusammenarbeit oder Kontrollverlust – mehr Optionen bleiben nicht, wenn die Zahlen und Stimmungen so sind wie sie sind.
Verwendete Quelle:
„Markus Lanz“: „Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird“, sagt Gabriel - WELT
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