Krankheit aus dem 18. Jahrhundert breitet sich in Industrieländern wieder aus
Krankheit aus dem 18. Jahrhundert breitet sich in Industrieländern wieder aus
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Krankheit aus dem 18. Jahrhundert breitet sich in Industrieländern wieder aus

Das hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten: Eine tödliche Krankheit, die im 18. Jahrhundert eine häufige Todesursache in Europa war, breitet sich seit einigen Jahren wieder in Industrieländern aus. Dabei war sie dort bereits ausgerottet.

Wenn du den Namen dieser Krankheit schon einmal gehört hast, dann sicher in Verbindung mit Seefahrt, Seeleuten, Piraten und längst vergangenen Zeiten. Doch allen Anschein nach macht Skorbut, diese alte, in Vergessenheit geratene Krankheit jetzt in manchen Industrieländern wieder von sich reden.

Fälle der durch Vitamin-C-Mangel ausgelösten Krankheit hat es in den Vereinigten Staaten gegeben, sowie in Australien, Spanien und Großbritannien.

Blutendes Zahnfleisch - eine Folge von Skorbut Nixxphotography@Getty Images

Der Skorbut: Krankheit der Seefahrer

Der Skorbut wütete ab der Renaissance und folgte den ersten maritimen Expeditionen wie ein bedrohlicher Schatten rund um die Welt. Die auch als Pest der Seefahrer bekannte Krankheit suchte vor allem Seeleute heim, denen es auf den langen Überfahrten an verschiedenen Lebensmitteln wie frischem Obst und Gemüse fehlte.

Die Mannschaften von Vasco da Gama und Magellan konnten ein Lied davon singen. Doch nicht nur! Auch in bestimmten Umgebungen auf dem Festland wie in Gefängnissen, Krankenhäusern und Werkstätten machte sich der Skorbut ebenfalls breit.

Gegen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts beobachteten Ärzte, dass der Verzehr von Zitrusfrüchten – wie Zitronen und Apfelsinen – sowie mancher Kräuter wie dem Sauerampfer vor der Krankheit schützte, ohne jedoch genau zu wissen, warum. Diese Entdeckungen wurden von dem schottischen Arzt James Lind in einer 1754 veröffentlichten Abhandlung über Skorbut zusammengefasst.

Vitamin C wurde erst in den dreißiger Jahren als solches identifiziert und isoliert und Skorbut als Folge eines Ernährungsdefizits erkannt. Seitdem ging die Krankheit infolge schnellerer Verkehrsmittel, verkürzter Reisezeiten, besserer Gesundheitserziehung und Zugang zu Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln wie frischem Obst und Gemüse stark zurück. Es schien, als wäre der Skorbut besiegt. Zumindest in den Industrieländern. Doch gerade da flackert er jetzt wieder auf.

Wiederaufflackern in sozial benachteiligten Gesellschaftsschichten

Bedauerlicherweise scheint die alte Krankheit jetzt wieder so langsam an Boden zu gewinnen. In dem Dokumentarfilm Vitamania berichtet YouTuber Derek Muller vom Wiederaufflackern des Skorbuts in den Vereinigten Staaten. Er hat dort Sonny Lopez aus Massachusetts getroffen, einen Patienten, der mit Zahnfleischbluten, verfaulten Zähnen und Haarausfall zum Arzt ging. Eric Churchill, sein Hausarzt, diagnostizierte Skorbut.

Und Sonny Lopez ist anscheinend kein Einzelfall. Dr. Eric Churchil sagt gegenüber ScienceAlert:

Wir hatten unseren ersten Fall vor fünf oder sechs Jahren. Dieser erste Fall war beeindruckend: Der Patient ernährte sich nur noch von Brot und Käse. Seither sind uns zwanzig bis dreißig weitere Fälle von Skorbut vorgekommen.

Einer der Hauptgründe des Wiederaufkommen der Krankheit sind die prekären finanziellen Verhältnisse der davon betroffenen Patienten. Sonny Lopez wurde verordnet, eine Apfelsine pro Tag zu essen. Doch für den Mann, der sich nur eine Mahlzeit täglich leisten kann, sind und bleiben Apfelsinen unerschwinglich, das bestätigt Dr. Churchill:

Viele Menschen in finanziellen Schwierigkeiten ziehen eine fettreiche und kalorienhaltige Ernährung vor, die schnell satt macht.

Doch dieses ungesunde Essverhalten kommt sie auf die Dauer teuer zu stehen. Fetthaltiges und Süßes sind zwar billiger, werden den Ernährungsbedürfnissen eines Menschen aber nicht gerecht.

Ein internationales Problem?

In einem 2016 veröffentlichten Bericht war auch von Fällen in Australien die Rede. Dort wurde Skorbut bei Patienten mit Diabetes diagnostiziert. "Die meisten der betroffenen Patienten konsumierten zwar genügend Obst und Gemüse", räumte die für die Studie verantwortliche Wissenschaftlerin Jenny Gunton ein, "Sie haben sie nur einfach zu lange gekocht, wodurch die Wirksamkeit des enthaltenen Vitamins C verloren gegangen ist."

Von Sarah Kirsch

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