Samenspenden toter Männer: Das wollen zwei Mediziner jetzt machen
Samenspenden toter Männer: Das wollen zwei Mediziner jetzt machen
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Samenspenden toter Männer: Das wollen zwei Mediziner jetzt machen

Zwei Ärzte sprechen sich dafür aus, dass verstorbenen Männern Sperma entnommen wird. Dies käme einer Organspende gleich, so die Mediziner.

Zwei britische Ärzte befürworten die Samenspende von bereits verstorbenen Männern, wie sie im Journal of Medical Ethics erklären. Die Entnahme des Spermas von Toten könne damit den Bestand der Samenbanken auffüllen.

Zu wenig Spender

Obwohl 2017 rund 2.300 Babys per Samenspende zur Welt gekommen sind, ist die Zahl der Spender rückläufig. Grund dafür könnte auch ein Gesetz sein, das sein 2005 in Großbritannien in Kraft ist. Dies besagt, dass die durch Samenspende gezeugten Kinder ab ihrem 18. Lebensjahr das Recht haben, den Spender kennenzulernen.

Allan Pacey, Professor für Männerheilkunde an der Universität von Sheffield, widerspricht diesem Vorschlag heftig. Wie er der BBC berichtet, sei die Samenspende von toten Männern ein Rückschritt. Stattdessen müsse man junge, vitale Männer vom Spenden überzeugen.

Samenspende ähnelt Organspende

Nathan Hodson von der University of Leicester und Joshua Parker vom Wythenshawe Hospital in Manchester argumentieren dagegen. Für die beiden Ärzte sei die Entnahme von Sperma nichts anders als eine Organspende. In ihrem Bericht in der Fachzeitung schreiben sie deshalb:

Wenn es moralisch vertretbar ist, dass Einzelpersonen Gewebe spenden, um das Leid anderer durch 'lebensverbessernde Transplantationen' bei Krankheiten zu lindern, sehen wir keinen Grund, warum das nicht auf andere Formen des Leids wie Unfruchtbarkeit ausgeweitet werden kann.

Wie eine solche Spende post mortem überhaupt erfolgt, erfahrt ihr im Video oben. Dabei stellt sich jedoch die Frage, inwiefern die Familie des Verstorbenen ein Veto-Recht hat und wie es um die Anonymität des Spenders bestellt ist.

Die Spenden von Verstorbenen sollen die Samenbanken füllen, doch ist sie umstritten.  Aleksandr Zubkov / Getty Images

Sperma des toten Sohnes

Dabei gibt es bereits einige Präzedenzfälle, in denen Verstorbenen Sperma entnommen wurde. Die Witwe des verstorbenen französischen Filmemachers Claude Lanzmann wollte an das Sperma ihres toten Sohnes kommen. Sie wollte unbedingt Oma werden und ihr Sohn habe ihr vor seinem Tod anvertraut, dass er gern Kinder gehabt hätte.

Deshalb wollte sie mit dem Sperma in eine Klinik nach Israel reisen, wo Leihmutterschaften erlaubt sind. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat sich gegen die Herausgabe des Spermas entschieden. In der Begründung heißt es, dass es zwar ein Recht auf Familienleben gebe, das beinhalte aber nicht das Recht, Enkelkinder zu bekommen.

Fälle in den USA und Australien

In den USA sieht es wiederum anders aus. Dort haben die Eltern vor Gericht die Erlaubnis bekommen, das Sperma ihres toten Sohnes für eine künstliche Befruchtung aufheben zu dürfen.

In Australien darf eine Frau ebenfalls eine künstliche Befruchtung mit dem Sperma ihres toten Mannes durchführen lassen, da sie einen gemeinsamen Kinderwunsch gehabt haben.

Von Maximilian Vogel

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