"Epidemiologisch müssten wir verschärfen" – Lauterbach fürchtet "Turbo-Virus"

Karl Lauterbach drängt trotz fallender Corona-Neuinfektionen zu einer Verlängerung der Lockdown-Maßnahmen. Die neue Virus-Mutationen bereitet dem Gesundheitsexperten Kopfschmerzen. Droht uns eine dritte Corona-Welle?

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Die Zahl der Neuinfektionen sinkt, der Impfstoff ist auf dem Weg und vermutlich dürfen Schulen bald wieder öffnen - zum ersten Mal seit Beginn des Teil-Lockdowns im vergangenen Jahr strömt eine kleine Welle von Optimismus durch das von Corona geplagte Deutschland. Doch der Schein trügt, behauptet SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Gesundheitsexperte warnt vor dritter Welle

Lauterbach warnt angesichts der neuen Virus-Mutation B 1.1.7, die zuletzt wieder bei einem Pflegeheimbewohner in Niedersachsen festgestellt wurde, vor einer dritten Welle. Damit es soweit gar nicht erst kommt und sich das neue "Turbo-Virus" nicht im gesamten Land verbreiten kann, reiche der aktuelle Kurs nicht. "Epidemiologisch müssten wir sogar verschärfen", erklärt er.

Doch Lauterbach trifft auf prominente Gegenstimmen. Virologe Alexander Kekulé macht im Interview mit der Welt deutlich, dass er in den Warnungen des SPD-Mannes nicht nur Angst vor der noch wenig erforschten Corona-Variante sehe, sondern auch eine gehörige Portion politisches Kalkül:

Für Politiker ist es einfacher zu sagen: Ich war es nicht, das war die Mutante. [...] Für mich erklären sich grob gesagt diese Ausbrüche zu 90 Prozent mit schlechtem Corona-Management und zu zehn Prozent mit den neuen Varianten.

Mitschuld der Politik an Corona-Ausbrüchen?

Kekulé ist überzeugt, dass die neuartige Mutation nicht ausschließlich für die neue gefährliche Dynamik der Pandemie verantwortlich ist, vor der zuletzt auch Gesundheitsminister Jens Spahn und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gewarnt haben. "Wo sie sich verbreitet haben, waren kurz zuvor immer die Schutzmaßnahmen gelockert worden", schließt der Virologe.

Lauterbach ist sich deutlich bewusst, dass er als Politiker in den nächsten Wochen einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten hat. Es stehe eine "extrem schwere" Entscheidung an, wie er über Twitter mitteilt. Ob er es trotz fallender Zahlen schaffen wird, der Bevölkerung die Notwendigkeit einer Lockdown-Verlängerung vor Augen zu führen?