Forscher entschlüsseln die Ursprünge der menschlichen Vorstellungskraft

Forscher entschlüsseln die Ursprünge der menschlichen Vorstellungskraft

Manche Menschen haben eine blühende Phantasie, andere müssen sich sehr anstrengen, um sich etwas vorstellen zu können. Aber woher kommt die menschliche Vorstellungskraft? Bislang war das ein Rätsel für die Wissenschaftler. Nun glauben Forscher von der Universität Boston, dass sie die Antwort auf diese Frage gefunden haben.

Wenn man euch fragt, woher die menschliche Vorstellungskraft kommt, werdet ihr bestimmt sagen „aus dem Gehirn“. Ja, natürlich, aber woher genau? Vor Kurzem haben Wissenschaftler die Antwort auf diese Frage gefunden: Die Vorstellungskraft kommt aus dem präfrontalen Cortex, einem Teil unseres Gehirns, der sich direkt hinter der Stirn befindet und von überragender Wichtigkeit ist.

Forscher haben Theorie  

Was die Forscher bisher noch nicht herausgefunden haben, ist wie und warum die Phantasie im Gehirn unserer Vorfahren entstanden ist. Der Neurowissenschaftler Andrey Vyshedskiy von der Universität Boston ist der Meinung, dies nun entschlüsselt zu haben. Er hat seine Theorie die Remus-und-Romulus-Hypothese genannt.

Laut dem Wissenschaftler ist die menschliche Vorstellungskraft durch eine Genmutation entstanden, die die Entwicklung des präfrontalen Cortex bei zwei oder mehr Kindern verlangsamt hat. Daher kommt die Verbindung zur Legende um die Gründer der Stadt Rom.

Eine enge Verbindung zur Sprache

Laut Dr. Vyshedskiy soll diese Genmutation der Ausgangspunkt einer ganzen Reihe von Ereignissen gewesen sein, die die Entwicklung der Sprache und der Vorstellungskraft wie wir sie heute kennen vor 70.000 Jahren ermöglicht hat. Diese Kinder sollen sich miteinander unterhalten haben und dabei häufig benutzte Sprachelemente wie Angaben über die Befindlichkeit von Gegenständen oder Personen im Raum erfunden haben. Diese sollen sie dann wiederum an ihre Kinder weitergegeben haben.

Diese These basiert auf der Erkenntnis Dr. Vyshedskiys und seiner Kollegen, dass heute Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren nicht genug mit Sprache in Kontakt sind, es später nicht schaffen, eine Art von Vorstellungskraft zu entwickeln, die als „präfrontale Synthese“ bezeichnet wird. Es handelt sich hier um ein wichtiges Training für's Gehirn, das es ermöglicht, neue mentale Bilder zu verarbeiten und zusammenzufassen. Dies wurde vor allem bei tauben Kindern in Nikaragua beobachtet.

Der Ausgangspunkt der menschlichen Domination?

Laut den Wissenschaftlern kann man im Laufe eines Lebens Begriffe und Grammatik erlernen, aber die Entwicklung der präfrontalen Synthese erfordert einen Kontakt mit Sprache von den ersten Lebensjahren an. Wenn man erwachsen ist, ist es dafür bereits zu spät.

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Laut Dr. Vyshedskiy soll sie „die mentale Erschaffung von Prototypen erheblich erleichtert und den technologischen Fortschritt verschnellert [haben]. Die Menschen, die mit einer unvergleichbaren Vorstellungskraft für Projekte und einer unvergleichbaren Kommunikationsfähigkeit ausgerüstet waren, konnten so schnell zur dominanten Art werden.“ Und die Moral von der Geschichte: Lasst eure Kinder ihre Phantasie ausleben. Vielleicht kommt in 70.000 Jahren etwas Gutes dabei heraus.

Elisabeth Marx
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