Dracula: Vampir oder blutrünstiger Herrscher?

Er ist der berühmteste Vampir der Weltliteratur: Scharfkantige Eckzähne, schwarzer Anzug, durchsichtige Haut. Sein Vorbild war noch viel furchterregender, als die Romanfigur.

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Wer kennt ihn nicht: Graf Dracula, der als blutgieriger Vampir durch eine lange Reihe von Filmen wankt und sich so seit fast hundert Jahren über Hollywoodschönheiten hermacht?

Auch wenn der Vampir die Erfindung eines Schriftstellers aus Irland ist, hat dieser sich hierfür am Leben eines blutrünstigen Fürsten aus dem 15. Jahrhundert orientiert.

Dracula, ein Held aus Literatur und Kino

Dracula ist, in der Form eines 1897 publizierten Briefromans, eine Schöpfung des britischen Schriftstellers irischer Herkunft Bram Stoker. Dracula ist der Name eines adeligen Vampirs.

Dieser hält sich blutgierig in seinem Schloss in Transsylvanien versteckt. Die Figur ist aber zugleich zu einer schmerzvollen Unsterblichkeit verdammt.

Dadurch erobert der Vampir unmittelbar die Herzen der Leserinnen und Leser, die zwischen Begeisterung und Schrecken schwanken. Die Figur des Dracula wird schnell zur Legende.

Als solche wird sie dann zu einer unerschöpflichen Inspirationsquelle für Literatur und Film. Friedrich Wilhelm Murnau bringt 1922 eine erste, nicht autorisierte, Adaption des Romans für die Filmindustrie heraus.

Sein Stummfilm trägt den Titel: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens. 1931 setzt Tod Browning seine eigene Interpretation des Mythos mit Bela Lugosi in der Hauptrolle in Szene.

Beide Filme werden zu wahren Klassikern und beeinflusse zahllose Verfilmungen, wie auch die von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1992. Aber hat der Graf eigentlich wirklich gelebt?

Gab es einen echten Dracula?

Graf Dracula, wie Stoker ihn beschreibt, hat es in dieser Form nicht gegeben. Der Schriftsteller hat sich allerdings sehr von einer historischen Persönlichkeit inspirieren lassen.

Es handelt sich hierbei um den Heerführer Vlad Țepeș, auch Vlad der Pfähler genannt, der im 15. Jahrhundert als Fürst der Walachei in Rumänien geherrscht hat und noch viel furchteinflößender war.

Sein Vater, Vlad II., trägt den Beinamen „Dracul“ (Drache), weshalb sich Vlad Țepeș auch Vlad III. Drăculea nennt, ein Beiname, der „Sohn des Drachen“ bedeutet.

Zur Zeit Vlads III. stellt die Walachei, der heute südliche Teil Rumäniens, die letzte christliche Bastion gegenüber dem sich ausbreitenden Osmanischen Reich.

Zu diesem unterhält Fürst Vlad III. sehr schwierige Beziehungen, harte Kriege und Friedenszeiten wechseln sich ab. Um seine Macht zu festigen, möchte Vlad eine neue Elite erschaffen, indem er Leute aus dem Volk, die er aber völlig in der Hand hat, auf wichtige Posten beruft.

Seine Grausamkeit hat keine Grenzen

Eines seiner Ziele ist es, die Bojaren, walachische Adelige, zu vernichten, die seinen Vater auf dem Gewissen haben. Ihnen gegenüber stellt Vlad eine grenzenlose Grausamkeit zur Schau.

Diese drückt sich in zahllosen Massenmorden aus. Aber auch seine ärmsten Untertanen werden von der Grausamkeit des gewaltsamen Fürsten nicht verschont.

Zunächst lädt er seine Opfer zu einem Festmahl ein, lässt sie aber dann bei lebendigem Leib verbrennen. Taten wie diese bringen ihm den Beinamen „der Pfähler“ ein.

Im Jahr 1460 kommt es zu seiner abscheulichsten Tat, als er zwischen 25.000 und 30.000 Menschen zuerst pfählen und dann verbrennen lässt.

Wo befindet sich das Schloss von Dracula?

Das angebliche Schloss des Vampirs, auch Schloss Bran genannt, liegt in Rumänien in der Region Siebenbürgen und wurde nun kurzerhand zum Impfzentrum umfunktioniert.

Das prachtvolle Schloss aus dem 14. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz und zieht für gewöhnlich jedes Jahr beträchtliche Scharen von Besuchern an.

In Wirklichkeit liegt allerdings kein einziges historisches Dokument vor, das uns eine auch nur vorübergehende Gegenwart von Vlad III. in diesem Schloss verbürgt.

Das hält aber selbstverständlich niemanden davon ab, dort Souvenirs zu verkaufen, auf denen dem Touristen das Bild des berühmtesten Vampirs der Welt entgegen springt.